Kavelstorf (osw/dpa | 08.04.11) - Auf der Autobahn 19 bei Kavelsdorf – südlich von Rostock – hat sich Freitagmittag, 08.04.11, der schlimmste Massenunfall in der Geschichte unseres Landes ereignet. Dank zahlreicher und schneller Informationen von Hörerinnen und Hörern berichtet Ostseewelle HIT-RADIO Mecklenburg-Vorpommern seit kurz vor 13 Uhr als erster Sender über die Katastrophe. Neben der aktuellen Berichterstattung im laufenden Programm versorgen unsere Reporter auch die Fernsehkollegen von n.tv und N24 mit aktuellen Informationen.

Polizei bestätigt: 8 Tote – 131 Verletzte

Was war gegen 12:30 Uhr passiert? In einem Sandsturm, bei extrem schlechten Sichtverhältnissen von weniger als zehn Metern rasen Autos auf der A19 (Höhe Kavelsdorf) ineinander. Im Sekundentakt knallen sie mit ohrenbetäubendem Lärm auf die vor ihnen stehenden, schieben sie ineinander. Am Ende sind es rund 60 Wagen, die auf der Straße liegen bleiben. Davon sind drei Lastwagen, einer auch noch ein Gefahrguttransporter. Mindestens acht Tote sind zu beklagen. Ein Augenzeuge spricht, spürbar geschockt, von “einem nie gesehenen Chaos”.
Wie der Unfall begann, ist schwierig zu ermitteln. Augenzeugen berichten gegenüber von Ostseewelle HIT-RADIO Mecklenburg-Vorpommern von einer regelrechten Wand, als sie in eine leichte Senke  hinter einem Waldstück hineinfuhren. Ein Sturm, der seit der Nacht über den Norden Mecklenburg-Vorpommerns fegte, hatte Unmengen Sand
von den umliegenden kahlen Feldern aufgewirbelt und über die Autobahn geweht. Auf der Fahrbahn liegen regelrechte Sandwehen. In beiden Fahrtrichtungen krachen die Autos ineinander.
Dann beginnen Fahrzeuge zu brennen. Auch der Gefahrguttransporter, der umgekippt ist, fängt Feuer. Unter dem tonnenschweren Fahrzeug sind weitere Autos eingeklemmt. Ob darin
Menschen sind – am Freitagnachmittag war dies noch unklar. Was der Laster geladen hat, ist ebenfalls noch nicht bekannt. “Kohlenwasserstoffe”, heißt es zunächst. Die Menschen, die Richtung Berlin fahren, haben Glück. Sie bleiben von dem Feuersturm verschont.
Nach Abschluss der Löscharbeiten bietet sich den Helfern ein Bild des Grauens. Polizistin Burand ringt nach Worten: “Man weiß nicht, wo das eine Wrack anfängt und das andere aufhört.” Die Toten sind auch  Stunden danach nicht identifiziert, die Verletzten nicht gezählt. Rund 40 Verletzte werden zu diesem Zeitpunkt in umliegenden Krankenhäusern behandelt. Inzwischen wurde die Opferzahlen teilweise korrigiert und konkretisiert: acht Menschen starben, 131 Personen wurden verletzt.
Mehrere hundert Rettungskräfte (150 Polizisten/60 Rettungsfahrzeuge)  sind im Einsatz, sie sind aus den Kreisen Güstrow und Bad Doberan sowie der Hansestadt Rostock zusammengezogen worden. Rettungswagen verließen im Minutentakt die Unfallstelle, Hubschrauber kreisten. Sogar Bauern sind angerückt und haben Gülle auf die angrenzenden Felder gesprüht, um den trockenen Sand zu binden. Ein bestialischer Gestank hat sich über dem Unfallort ausgebreitet. Die ganze Nacht lang wurden über 80 Fahrzeuge von der Unfallstelle abtransportiert. Die Fahrbahn wurde wegen der Massen-Carambolage derart in Mitleidenschaft gezogen, dass die A19 in Fahrtrichtung Rostock wohl nochlängere Zeit (vermutlich bis Sonntag oder Montag) gesperrt bleibt.
Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft, ob Fahrzeugführer wegen der Witterungsbedingenen zu schnell unterwegs waren.

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Info-Hotline für Angehörige

Der Landkreis Bad Doberan richtete ein Bürgertelefon für Angehörige der Unfallopfer ein.
Die Nummer lautet: 03843 – 755 38 13  oder  755 38 14.

Durch das Deutsche Rote Kreuz ist eine Personenauskunftsstelle für Nachfragen
von Angehörigen der Opfer eingerichtet. Diese ist erreichbar unter der DRK-Hotline: 0385- 5914777.

Auch das Schweriner Innenministerium hat eine Hotline für Auskünfte eingerichtet: 0385 – 5914 777.

Sowohl Unfallopfer, als auch Angehörige und selbst Rettungskräfte werden jetzt rund um die Uhr von Seelsorgern betreut.

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Verletzte werden in Krankenhäusern versorgt

Rund 40 Verletzte des Massenunfalls sind in die umliegenden Krankenhäuser in Rostock, Güstrow und Bad Doberan eingeliefert worden. Nach Angaben der Krankenhausleitungen erlitten die Opfer vor allem Knochenbrüche, Prellungen, Stauchungen und Schädel-Hirn-Verletzungen. Einige von ihnen sind leicht verletzt. Bei dem Massenunfall waren nach
Polizeiangaben bei schlechter Sicht bis zu 80 Fahrzeuge ineinandergerast.
Das KMG Klinikum Güstrow hat mit 23 Unfallopfern die meisten Verletzten aufgenommen. Verwaltungsdirektor Matthias Fischer zufolge müssen drei Schwerverletzte auf der Intensivstation behandelt werden. Leichter Verletzte seien mit einem Bus ins Krankenhaus gefahren worden. Ärzte und Schwestern seien ins Klinikum zurückgerufen worden oder würden länger am Arbeitsplatz bleiben. “Mit der Zahl der Verletzten sind wir an unserer Kapazitätsgrenze angekommen”, sagte Fischer.
Im Rostocker Südstadtkrankenhaus werden sieben Verletzte behandelt, wie Verwaltungsdirektorin Renate Fieber sagte. Auch hier seien Ärzte und Schwestern alarmiert worden. Ins
Universitätsklinikum Rostock wurden vier bis fünf Unfallopfer gebracht, darunter ein Schwerverletzter. Ebensoviele Patienten kamen nach Bad Doberan.
Das Uniklinikum war nach den Worten des Ärztlichen Direktors Peter Schuff-Werner ursprünglich davon ausgegangen, Dutzende Verletzte aufnehmen zu müssen. Zum Glück seien es nicht so viele gewesen, sagte er. Das Personal sei verstärkt worden, innerhalb von zehn Minuten sei alles bereit gewesen. Der Geschäftsführer in Bad Doberan, Uwe Borchmann, lobte die gute Zusammenarbeit mit der Polizei. Die Beamten  seien ins Krankenhaus gekommen und hätten Fragen der Verletzten, etwa zum Schicksal weiterer Insassen in den Autos oder zum Verbleib ihres Eigentums beantwortet.

Sturmschäden im ganzen Land

Neben dem Unglück auf der A19 waren Feuerwehr und Polizei fast landesweit mit den Folgen des Frühlingssturms konfrontiert. Bei Baumpflanzarbeiten in Steinhagen (Nordvorpommern) wurde ein Arbeiter verletzt, als der Sturm den Ast einer Hainbuche losriss. Der Ast fiel dem 56-Jährigen auf den Kopf, der Mann wurde ins Krankenhaus
nach Stralsund gebracht, wie die Polizei in Stralsund berichtete.  In Stralsund deckte der Sturm das Dach eines Einfamilienhauses teilweise ab, mindestens ein Schornstein wurde beschädigt. In der Region und auch auf Rügen stürzten mehrere Bäume um, darunter in Lauterbach auf Bahngleise. In Stralsund wurden zwei Autos beschädigt.

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