Foto: Ostsee Zeitung

(zuletzt geändert 28.03.19 | 09:45 Uhr)    Die bei Bauarbeiten in der Rostocker Innenstadt gefundene 250 Kilogramm-Fliegerbombe wurde entschärft. Fachleute im Auftrag des Munitionsbergungsdienstes Mecklenburg-Vorpommern hatten die Munition zunächst freilegt. Aus Sicherheitsgründen mussten dafür am Mittwoch, 27.03.19, ab 8 Uhr große Teile der Rostocker Innenstadt geräumt und gesperrt werden – und das in einem Umkreis von bis zu 1.000 Metern rund um den Fundort. Betroffen waren rund 10.000 Rostockerinnen und Rostocker. Im Evakuierungsradius liegen außerdem drei Schulen, fünf Alten- und Pflegeheime, mehr als 100 Arztpraxen und ein Dutzend Hotels und Pensionen.

Die Polizei war mit zwei Hundertschaften in der Innenstadt unterwegs, um dafür zu sorgen, dass alle den Gefahrenbereich verlassen. Einwohner und Geschäftstreibende mussten das Evakuierungsgebiet ebenfalls bis 8 Uhr verlassen haben. Gegen 9:20 Uhr ist die vollständige Evakuierung abgeschlossen worden. Im Anschluss konnte der Munitionsbergungsdienst mit der Entschärfung beginnen und meldete kurz vor 10 Uhr Vollzug. Die beiden Zünder wurden herausgeschraubt und müssen jetzt noch vor Ort gesprengt werden. Danach wird die Bombe nach Usedom abtransportiert, wo sie dann zerlegt wird.

Alle Evakuierten dürfen nun in ihre Wohnungen zurück.

Als Notunterkunft für alle Betroffenen diente die StadtHalle Rostock.

Evakuierungszone der Rostocker Innenstadt.

Sprengmeister Fred Tribanek ist unser Held des Tages!

Unser Reporter Alexander Stuth war für euch vor Ort. (Foto: Polizei Rostock)

 

REPORTERIN ELISABETH: „MEIN BOMBEN-TAG“

Die Wohnung unserer Volontärin Elisabeth Reinhold (Foto rechts) liegt direkt in der Langen Straße in der Rostocker Innenstadt. Damit ist sie ebenfalls von der Evakuierung betroffen und muss ihre vier Wände für die Dauer der Bombenentschärfung räumen. In diesem Online-Blog schildert sie euch topaktuell, welche Eindrücke sie an ihrem „Bomben-Tag“ sammelt.

6 Uhr: Die Evakuierung bringt meinen Tagesablauf doch schon ein wenig durcheinander. So bin ich heute eine Stunde früher aufgestanden als sonst. Ich habe ein bisschen unruhig geschlafen, da die Aktion doch schon ziemlich aufregend ist. Begeistert bin ich davon jedenfalls nicht, dass ich meine Wohnung räumen muss. Gestern hatte ich einen Brief von der Vermietung im Briefkasten, in der um pünktliche Wohnungsräumung gebeten wurde. Bevor ich halb acht aufbreche, trinke ich trotzdem noch in Ruhe meinen Morgenkaffee.

7:24 Uhr: Ich mache ich auf den Weg zur Notunterkunft in der StadtHalle. In der Rostocker Innenstadt ist alles wie ausgestorben…wirklich sehr ungewohnt (Foto rechts). Durch die Morgenluft hallen Durchsagen der Polizei, die auf die Evakuierung hinweisen. Ich habe ein komisches Gefühl in der Magengegend. Auch Sandra und Georg aus meiner Nachbarschaft verlassen ihr Haus. Die beiden haben ein Baby und ein kleines Kind. Vollbepackt mit Proviant (Windeln und Lebensmitteln) machen sie sich auf den Weg zu ihrem besten Freund. Da sie gesundheitlich angeschlagen sind, wären sie natürlich gern zu Hause geblieben.

7:36 Uhr: Auf meinem Weg komme ich an mehreren Polizeiwagen vorbei, die sich schon in Kontrollposition gebracht haben.

7:51 Uhr: Ich habe eine WhatsApp Nachricht von meiner Familie bekommen, in der sie sich erkundigen, ob alles geklappt hat und ich mich in Sicherheit befinde.

7:55 Uhr: Ich bin in der StadtHalle angekommen und musste erstmal eine Registrierungskarte ausfüllen (Foto links). Das ist notwendig, falls es zum Notfall kommt. Die Kollegen vom Deutschen Roten Kreuz helfen den Leuten dabei. Laut Aussage der Helfer sind bis jetzt um die 220 von der Evakuierung betroffenen Personen hier die darauf warten, dass sie in ihre Wohnungen zurück können. Eike vom DRK (Foto rechts) versorgt die Menschen mit Tee, Kaffee und Wasser.

Nina aus Rostock

Philipp und Julien

8:40 Uhr: Schön, dass man hier mit dem ein oder anderen ins Gespräch kommt. Ich habe von anderen Betroffenen sogar Obst in Bombenform (Foto) bekommen. Die Leute vertreiben sich die Zeit mit Picknick oder lesen einfach nur Zeitung. Auf jeden Fall ist es hier in der StadtHalle sehr ruhig – keine Bombenstimmung!

9:14 Uhr: Die Zeit vergeht überhaupt nicht. Vielen Menschen und auch mir ist langweilig. Einige können nicht mehr sitzen und gehen auf und ab. Man bekommt hier auch überhaupt nicht mit, was da draußen passiert. Diese Ungewissheit ist nicht schön…

9:51 Uhr: So langsam gibt’s mehr Beschäftigungsangebote für die mittlerweile 300 Wartenden. Auch ein Gratis WLAN Zugang wurde von den Mitarbeitern der StadtHalle eingerichtet. Ein paar Jungs machen sogar Musik (Siehe Video).

Der kleine Charly und seine Oma Ruth vertreiben sich die Zeit.

Rund 300 Menschen nutzten die Notunterkunft.

10:15 Uhr: Jetzt kam gerade die Info, dass die Bombe erfolgreich entschärft wurde. Per Durchsage wurde es uns hier in der StadtHalle mitgeteilt. Alle Leute sind erleichtert, es gab einen Applaus und einen kleinen Jubel. Nun stürmen alle raus, nach Haus. Der kleine Charly hat gesagt: „Zum Glück hat der Bombenentschärfer das geschafft“.