(zuletzt aktualisiert: 04.01.19 | 12:29 Uhr)   Einen Tag nach der ersten schweren Sturmflut des Jahres hat an den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns das Aufräumen und die Begutachtung der Schäden begonnen. Der Verwaltungschef des Amtes Usedom Süd, René Bergmann, berichtete am Donnerstag von erheblichen Sandverlusten im Bereich von Zempin. Nach der Sturmflut im Januar 2017 seien dort rund eine Million Euro in die Reparatur des Strandabschnittes investiert worden. Bergmann rechnet nun damit, dass sich die Ostsee etwa 40 Prozent des aufgeschütteten Strandes wieder geholt hat. Der wieder hergerichtete Hochuferweg sei allerdings nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Schwere Schäden sind auch am Strand in Graal-Müritz (Landkreis Rostock) entstanden. Dort hat das Hochwasser die Seebrücke beschädigt, wie die Kreisverwaltung berichtete.

DAn der Steilküste von Börgerende-Rethwisch westlich von Rostock hat das Hochwasser zu massiven Abbrüchen geführt. Betroffen sei ein Abschnitt von mehreren hundert Metern, sagte Bürgermeister Horst Hagemeister (parteilos) am Freitag. Die Abbrüche gingen teilweise mehrere Meter tief ins Land hinein. An einigen Stellen existiere der Ostseeküsten-Radwanderweg nicht mehr, eine Wanderhütte liege nun unten am Wasser. „Ich verstehe die Landesregierung nicht, dass dagegen nichts unternommen wird“, sagte Hagemeister der Deutschen Presse-Agentur. Alleine der Name „Abtragküste“ zeige, dass es kein Interesse am Erhalt gebe. Jedes Jahr gingen mehrere Meter Küste verloren. Hagemeister verwies dabei auf Artikel 20 des Grundgesetzes, in dem der Staat in Verantwortung für die künftigen Generationen zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen aufgerufen wird. Es sei absurd, wenn über Ausgleichsmaßnahmen etwa für eine Buswendeschleife auf 800 Quadratmetern diskutiert werde, aber gleichzeitig große Stücke die Steilküste abbrächen. Diese Abbrüche
wären bei entsprechenden Schutzmaßnahmen nicht notwendig. Er bezeichnete dies als „Schildbürgerstreich“.

 

RÜCKBLICK: SO WAR DIE STURMFLUT AM 02.01.19

Der heftige Wind hat viel Wasser an die Küsten und landeinwärts gedrückt, dadurch gibt es aktuell Überschwemmungen zum Beispiel in Rostock, Wismar, Stralsund und auf der Insel Poel. Straßen sind überflutet und Keller laufen voll. Am Nachmittag war der Höhepunkt des Sturmes bereits überschritten.

In Wismar steht das Wasser bis zu 20 Zentimeter hoch, einige Autos in Hafennähe wurden sicherheitshalber abgeschleppt. Das ist Wasser sogar höher gestiegen, als die Experten vorhergesagt hatten – bis zu 1,84 Meter über normal. Auch ein Streifenwagen der Polizei ist dort im Wasser stecken geblieben.

In Rostock sind einige Straßen im Bereich Stadthafen überflutet und gesperrt. Zuletzt gab es 1954 ein ähnlich extremes Hochwasser. Es wird damit gerechnet, dass die Wasserstände erst am späten Abend wieder zurück gehen. In Hohe Düne wurden die Flutschutztore geschlossen.

In Greifswald OT Wieck kontrolliert die Feuerwehr regelmäßig die Deiche. Schon in der Nacht wurde das Mitteltor des Sperrwerks Wieck geschlossen, um damit die Stadt vor einem Hochwasser aus dem Greifswalder Bodden zu sichern. Das Hochwasser zieht sich inzwischen wieder zurück, der Pegel ist deutlich gefallen. Der höchste Stand wurde in Wieck kurz nach 14 Uhr bei 6,68 Meter gemessen. Damit lag der Pegel sogar deutlich über den Prognosen des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie. Um 16:30 Uhr lag er bereits wieder bei 6.44 Meter. Die Berufsfeuerwehr geht davon aus, dass noch am Abend die Seitenbereiche des Sperrwerks in Wieck wieder geöffnet werden und im Laufe der Nacht oder am frühen Morgen auch das Mittelteil. Darüber hinaus gab es im Stadtgebiet von Greifswald keine weiteren Sturmschäden. Die Freiwillige Feuerwehr Greifswald war mit der Drehleiter im Umland im Einsatz. Im Dersekower Ortsteil Alt Pansow war ein Baum auf eine Stromleitung und Straße gefallen. Der Schaden ist inzwischen behoben.

In Graal-Müritz hat das Hochwasser die Seebrücke beschädigt; die Küstenschutz-Dünen werden von der Wasserwehr beobachtet.

Von der Halbinsel Wustrow über Rerik, Kühlungsborn, Heiligendamm und Börderende hat das Hochwasser die Strände überspült.  Es wird davor gewarnt, diese Bereiche zu betreten.

Umweltminister Till Backhaus warnt vor Strandspaziergängen unter Steilhängen. Durch den Seegang könnte es dort zu Abbrüchen kommen. Am Nachmittag soll der Sturm nachlassen.

Teils fegte Sturmtief „Zeetje“ mit Orkanstärke über das Land hinweg und knickte Bäume um. Am Dornbusch auf Hiddensee erreichte der Sturm Spitzenwerte von knapp 130 Stundenkilometern, das entspricht Orkanstärke 12. Die Polizei berichtete von Sachschäden: Drei Menschen wurden verletzt, als bei Dambeck nahe Röbel (Mecklenburgische Seenplatte) und bei Richtenberg (Vorpommern-Rügen) Autos gegen umgestürzte Bäume prallten. In Ralswiek auf der Insel Rügen stürzte ein Baum auf ein parkendes Auto, in Göhren knickte ein Baum auf ein Ferienhaus.

In Barth riss „Zeetje“ Ziegel von Hausdächern, wie eine Polizeisprecherin in Stralsund sagte. Bei der Bahn verursachte der Sturm Verspätungen und Zugausfälle. Die Fährverbindungen zwischen
Schaprode und Hiddensee sowie in Warnemünde wurden zeitweise eingestellt.

In Binz auf der Insel Rügen schlug das Wasser bis an den Dünenfuß. In Zempin auf der Insel Usedom, wo vor zwei Jahren ein Kiosk bei einer Sturmflut ins Wasser stürzte, ist der aufgespülte Sand zu großen Teilen wieder ins Meer gerissen worden.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie hatte Wasserstände von bis zu 1,50 Meter vorhergesagt, in Wismar sogar mehr. Diese Wasserstände können nach Auffassung des Schweriner Umweltministeriums durch die Küstenschutzanlagen des Landes überall sicher beherrscht werden.

 

BERICHT AUS ROSTOCK

 

FOTOS

  • Bild: Stralsundpassion (Instagram) alias Tino S.

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    Sturmflut im Stralsunder Hafen – von Stralsundpassion (Instagram) alias Der Tino S.

    Die Sitzplätze vor dem Fischkutter sind untergegangen – von Stralsundpassion (Instagram) alias Der Tino S.

  • Foto: Hörerin Andrea aus Wismar

    Foto: Hörerin Andrea aus Wismar

    Foto: Hörerin Andrea aus Wismar

  • In Bansin ist der Strand verschwunden – von Hörer Muchi

  • Der komplette Strand ist überflutet – von Hörerin Ramona

  • Das Sperrwerk in Greifswald OT Wieck – von Hörer Dieter

    Das Sperrwerk ist nun komplett geschlossen.