In unseren Nachrichten, auf unserer Facebook-Seite und im laufenden Programm von Ostseewelle HIT-RADIO Mecklenburg-Vorpommern halten wir euch immer über die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden. Für Anwohner wurde ein Bürgertelefon unter  038855 / 78744 eingerichtet. Außerdem sollten vor Ort die Lautsprecherdurchsagen beachtet werden.

 

 

(zuletzt aktualisiert: 04.07.19 | 15:55 Uhr | dpa/osw)   Im Kampf gegen den seit Sonntag in Südwestmecklenburg wütenden Waldbrand konzentrieren die Einsatzkräfte ihre Bemühungen auf den einzigen noch evakuierten Ort. „Alt Jabel ist unser Hot-Spot. Dort bündeln wir all unsere Möglichkeiten“, sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr, Stefan Geier, am Donnerstag in Lübtheen (Landkreis Ludwigslust-Parchim). Glutnester hätten sich in dem dort besonders trockenen Boden festgesetzt und das Feuer sei in der Nacht wieder etwas näher an den Ort herangerückt, auf rund 300 Meter.

Deshalb seien zusätzliche Wasserwerfer zu der Stelle beordert worden und die Löschhubschrauber würden ihre Wassersäcke vornehmlich in der Umgebung von Alt Jabel entleeren. Bäume seien gefällt worden, um mit Schutzstreifen Feuerbrücken zu verhindern. „Wir tun alles, damit auch die Bewohner von Alt Jabel so rasch wie möglich in ihre Häuser zurückkehren können. Lieber heute als morgen. Aber sie müssen auch sicher sein“, betonte Geier.

Der Landrat des Kreises Ludwigslust-Parchim und Chef des Einsatzstabes, Stefan Sternberg (SPD), hatte am Mittwoch die Zurückdrängung des Feuers auf mindestens 1000 Meter vom Ort zur
Bedingung für die Rückkehr der Bewohner gemacht. Für die anderen drei vom Brand bedrohten Dörfer Trebs, Jessenitz-Werk und Volzrade war am Mittwoch die Sperrung aufgehoben worden. Somit müssen nur noch die Bewohner von Alt Jabel weiter in Notunterkünften oder bei Verwandten ausharren.

Das östlich der Kleinstadt Lübtheen wütende Feuer auf einem früheren Truppenübungsplatz gilt nach Angaben von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) als der größte Waldbrand in der Geschichte des Bundeslandes. Die Löscharbeiten sind wegen ständig detonierender Munition kompliziert. Feuerwehrleute dürfen aus Sicherheitsgründen nur bis auf 1000 Meter an die Brandstellen heran.

Den Angaben zufolge war am Donnerstag noch auf etwa 600 Hektar Wald Feuer festgestellt worden. Die vom Brand betroffene Fläche wurde mit insgesamt 1200 Hektar angegeben. Die Bundeswehr hatte mit schwerer Räumtechnik alte Fahrwege rund um den Brandherd freigeschoben. Nach den Worten von Brigadegeneral Gerd Kropf, Chef des Landeskommandos Mecklenburg-Vorpommern, wurde so das Feuer eingekesselt und eine weitere Ausbreitung auf andere Waldstücke unterbunden.

Umweltminister Backhaus forderte unterdessen ein Sofortprogramm zum besseren Schutz der Orte rund um den früheren Truppenübungsplatz, der auch nach dem Abzug der Bundeswehr noch in Besitz des Bundes ist. Nach ersten Kalkulationen seien für einen effektiven Brandschutz etwa 35 Millionen Euro erforderlich, sagte Backhaus in Lübtheen und forderte den Bund zur Übernahme der Kosten auf.

Backhaus übergab das Konzept an Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), die sich persönlich ein Bild von der Lage vor Ort machte. „Naturschutz ist hier wichtig. Aber der Schutz der Mensch steht an aller erster Stelle“, machte Schulze deutlich, ohne jedoch schon Zusagen zur Finanzierung der aufgelisteten Maßnahmen zu machen.

Laut Backhaus sollen rund um die betroffenen 15 Orte Sicherheitskorridore von 1000 Meter zum früheren Truppenübungsplatz geschaffen werden. Zudem soll die Ringstraße um das Areal geschlossen auf 30 Meter verbreitert werden. „Damit soll erreicht werden, dass in der Zukunft ein Übergreifen der Flammen auf die Gemeinden verhindert wird“, sagte Backhaus. Außerdem solle jeder dieser Orte einen Tiefbrunnen erhalten, um im Bedarfsfall genügend Wasser zur Verfügung zu haben. Bei den aktuellen Löscharbeiten war das Wasser zeitweise knapp geworden.

Schulze machte deutlich, dass aus den aktuellen Erfahrungen mit dem Brandgeschehen in Lübtheen weitere Konsequenzen zu ziehen seien, sich Deutschland aber insgesamt auf die Folgen des Klimawandels einstellen müsse. „Wir brauchen gemeinsame Konzepte, das ist vollkommen klar. Und das machen wir auch schon in der deutschen Anpassungsstrategie“, sagte sie. Stark munitionsverseuchte Gebiete benötigten jedoch auch zusätzliche Schutzmaßnahmen. Darüber müsse gesprochen werden, immer unter der Prämisse: „Der Schutz der Menschen hat wirklich absolute Priorität. Alles andere muss dahinter zurückstehen“, sagte sie.

Backhaus regte an, Mecklenburg-Vorpommern zu einer Modellregion dafür zu machen. Neben Brandenburg gehört der Nordosten zu den Gebieten in Deutschland, in denen regional noch die meiste Munition im Boden schlummert. Neben Rückständen von Manövern handelt es dabei vielfach auch um Geschosse aus dem Zweiten Weltkrieg. Nach Tests auf dem Gelände bei Lübtheen gehe man davon aus, dass das betroffene Gebiet hochgerechnet noch mit bis zu 45,5 Tonnen Munition je Hektar verseucht sei, sagte der Minister. Der Munitionsbergungsdienst des Landes unterhält an dem früheren Militärgelände eine Entsorgungsstätte für aufgefundene Sprengkörper und Geschosse.

 


HILFE FÜR EINWOHNER UND EINSATZKRÄFTE

In der Region zeigt sich angesichts des riesigen Waldbrandes eine beeindruckende Hilfsbereitschaft. Firmen spenden spontan Essen und Getränke für die Einsatzkräfte – Privatpersonen helfen bei der Unterbringung von evakuierten Einwohnern und Haustieren.

Zum Beispiel auf der Facebookseite „HILFE für den Brandfall Lübtheen“ machen viele mit und bieten Unterstützung an. Zur Seite: …hier


 

STRASSENSPERRUNGEN AKTUELL

Zum Schutz der Bevölkerung und zur Unterstützung der Einsatzkräfte im Katastrophenfall bei Lübtheen wurden folgende Straßensperren eingerichtet:

  • L06 zwischen Jessenitz und Vielank;
  • Zuwegungen nach Jessenitz-Werk und Trebs;
  • Zuwegungen nach Alt Jabel sind jeweils ab Ortseingang gesperrt.

Da im Rahmen Brandbekämpfung weitere Gerätetechnik in der Region zum Einsatz kommen wird, ist im Verlauf des Tages mit weiteren Sperrungen zu rechnen.

 

SUCHE NACH ZEUGEN

Wie wir bei Ostseewelle berichtet haben, schließt die Polizei nicht aus, dass das Lübtheener Feuer durch Brandstiftung ausgelöst wurde. Immerhin war das Feuer zeitglich an drei Stellen ausgebrochen.  Nun sucht die Kripo nach Zeugen, die vom 25.06. bis 30.06.19 Beobachtungen gemacht haben. Wer hat im Waldgebiet südlich von Jessenitz-Werk  Beobachtungen bzw. Fotos und/oder Videos gemacht, die zur Aufklärung der Waldbrände beitragen können? Besonderes Interesse gilt dabei folgenden Zeiten: 25.06.2019, gegen 15:50 Uhr sowie 30.06.2019, gegen 13:25 Uhr. Hinweise nimmt das Polizeipräsidium Rostock unter der Telefonnummer 038208/888 2222 sowie jede andere Polizeidienststelle oder die Internetwache unter www.polizei.mvnet.de entgegen.

 


 

RÜCKBLICK

(Mittwoch, 03.07.19 | osw/dpa)    In Trebs kehrt wieder Leben ein. Andre Thielsch steht am Gartenzaun und wässert seinen Komposthaufen, auf dem sich mächtige Kürbisblätter breit machen. „Im Herbst ist im Dorf Kürbisfest. Bis dahin muss hier schon noch was wachsen“, sagt der 31-Jährige mit der Zuversicht des Hobbygärtners. Diese Zuversicht habe ihn auch am Montagmorgen nicht verlassen, als er mit den anderen 130 Einwohnern das kleine südmecklenburgische Dorf wegen des Waldbrandes auf dem angrenzenden früheren Truppenübungsplatz bei Lübtheen (Landkreis Ludwigslust-Parchim) räumen musste. „Der Wald ist weit weg. Ich hatte eigentlich keine Sorge, dass das Feuer bis zum Haus kommt“, sagt Thielsch.

Der Blick die Straße hinunter zum Wald zeigt, dass der so weit entfernt nun doch nicht ist. Bis auf etwa 400 Meter, schätzt Kreisbrandmeister Uwe Fricke aus dem niedersächsischen Goslar, waren die Flammen dem letzten Haus schon nahekommen. Mit 90 Feuerwehrleuten sei er am Dienstagmorgen aus dem Nachbarbundesland angerückt, um das Dorf zu sichern, wie Fricke im Feuerwehrjargon sagt. Vorsorglich seien ein Wasserreservoire mit 50 000 Litern angelegt und Löschschläuche bis zum Wald gelegt worden. „Mit Hydranten allein würde man ein Feuer nicht halten können, wenn es wirklich übergreift“, sagt der erfahrene Feuerwehrmann.  Auch wenn Löschhubschrauber noch fast im Minutentakt mit ihren frisch gefüllten Wassersäcken das Dorf überfliegen, um auch den letzten Flammen den Garaus zu machen, scheint diese Gefahr nun wohl gebannt. Am Morgen hatte Landrat Stefan Sternberg (SPD) die erlösenden Worte gesprochen: „Wir haben das Feuer das erste Mal im Griff“. In der Konsequenz bedeutete dies, dass die Sperrung von zunächst zwei der vier vorsorglich evakuierten Dörfer am Rande des brennenden, massiv mit Munition belasteten Waldes wieder bezogen werden durften. Zuerst Trebs, am Abend dann auch das benachbarte Jessenitz-Werk.

So wie Andre Thielsch hatte sich auch Manuel Röding am Mittwoch sofort auf den Weg gemacht, als er am Morgen von der Freigabe seines Heimatdorfes Trebs erfuhr. Am Ortseingang entlädt er sein Auto, in dessen Heck sich Koffer und Bettzeug stapeln. Er hatte sich mit seiner Familie offenbar darauf eingestellt, länger bei Bekannten kampieren zu müssen. „Man wusste ja nicht, ob sich der Wind noch mal dreht. Da war schon viel Ungewissheit dabei“, sagt er. Angst um sein erst vor sechs Jahren bezogenes Haus habe er nicht gehabt. „Der Feuerwehreinsatz lief zügig an, besser als vor einem Jahr“, berichtet der 34-Jährige. Auch im Sommer 2018 hatte es auf dem Truppenübungsplatz über Tage hinweg gebrannt, bis dann ein Platzregen die Flammen löschte. Die fortwährende Brandgefahr in heißen Sommern ist es auch, was Doreen Heitmann in Unruhe versetzt. Inmitten des langgezogenen Straßendorfes hat sie sich auf einem Erbgrundstück ein schmuckes Backsteinhaus errichtet, mit reichlich Land dahinter. „Das wurde jetzt umgepflügt, zum Schutz vor dem Feuer. Egal, wenn es nur geholfen hat“, sagt sie und ist voll des Lobes über das
Krisenmanagement des Kreises.

„Ich danke allen Helfern von Herzen“, ruft sie und verbindet den Dank allerdings auch mit Kritik. Bis zum Abzug der Soldaten vom Truppenübungsplatz Ende 2013 sei dort auch eine Feuerwehr der Bundeswehr stationiert gewesen, die im Bedarfsfall mit ihrer Spezialtechnik ausgerückt sei. „Eine kleine Dorffeuerwehr ist mit einer solchen Aufgabe doch völlig überfordert“, sagt Heitmann. Solche Ansichten hatten zuvor auch schon Kommunal- und Landespolitiker geäußert und den Bund als Besitzer der Fläche zum Handeln aufgefordert. Auf dem Übungsgelände liegen nicht nur Munitionsrückstände und Granaten vergangener Militärmanöver von drei Armeen, sondern auch explosive Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg. Deshalb dürfen Feuerwehrleute bei Bränden aus Sicherheitsgründen nicht auf das Gelände und nur von außen den Flammen Einhalt gebieten. Doch noch steht – auch zum Leidwesen von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) – eine tragfähige Lösung mit dem Bund aus. Bis dahin müssen die umliegenden Ortschaften auf die Solidarität der Gemeinschaft hoffen. So wie dieses Mal, als aus ganz Norddeutschland Feuerwehrleute anrückten. „Das ist der Vorteil und auch ein Markenzeichen von Deutschland. 1,2 Millionen Kameraden in den Freiwilligen Feuerwehren stehen ihren Mann, wenn es darauf ankommt“, sagt Kreisbrandmeister Uwe Fricke aus der Harzstadt Goslar, von der es rund 250 Kilometer bis ins mecklenburgische Lübtheen sind.

 

(Dienstag, 02.07.19 | osw/dpa)   Mit acht Löschhubschraubern und mehreren Wasserwerfern wollen die Einsatzkräfte den Waldbrand auf dem Gelände des ehemaligen Truppenübungsplatzes bei Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern am Dienstag unter Kontrolle bekommen. Damit wird die Flotte der Helikopter verdoppelt. Wegen unberechenbarer Winde gibt es noch keine Entwarnung in dem munitionsbelasteten, stark ausgetrockneten Gebiet im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Vier Dörfer wurden bislang evakuiert. Die Wasserwerfer sollen Schneisen und Wege mit bewässern. Insgesamt sind mittlerweile 2.000 Hilfskräfte im Schichtsystem im Einsatz. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) bricht ihren Frankreich-Urlaub ab und wir heute am späteren Nachmitag im Katastrophengebiet erwartet.

Am frühen Dienstagmorgen brannte es nach Angaben einer Sprecherin des Landkreises auf einer Fläche von etwa 430 Hektar (4,3 Quadratkilometer) auf dem etwa 6000 Hektar großen früheren
Militärgelände. Das Gebiet ist hochgradig mit Munition belastet, was die Löscharbeiten erheblich erschwert, die Feuerwehr muss einen 1000-Meter-Abstand halten. Nach den Orten Alt Jabel, Jessenitz-Werk und Trebs wurde am Montagabend auch noch die kleine Gemeinde Volzrade geräumt. Die Orte liegen knapp 50 Kilometer südwestlich von Schwerin. Wegen drehender Winde wollte die Einsatzleitung jegliches Risiko für Menschen vermeiden. Von den Evakuierungen sind nach neuesten Angaben etwa 650 Menschen betroffen. In bestimmten Zeitfenstern können die Einwohner zwei Mal am Tag ihre Häuser und Höfe besuchen, um zum Beispiel zurückgebliebene Haustiere zu versorgen. Angesichts der Munition im Boden forderte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) die Politik auf, gemeinsam technische Lösungen für solche Katastrophen zu finden. „Es bleibt für alle eine große Herausforderung“, sagte er. „Wir müssen uns grundsätzlich aufstellen in Deutschland“. Laut Umweltminister Till Backhaus (SPD) liegen auf dem Gelände nicht nur Munition und Granaten von Manövern, sondern auch große Mengen an Sprengmitteln aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Bei Lübtheen habe die Marine ihr Munitions-Hauptlager unterhalten, das 1945 gesprengt worden sei. Dabei sei die Munition aber nicht vollständig explodiert.

Auch wenn das Feuer gelöscht werden könne, dürfe es keine schnelle Entwarnung geben, mahnte Backhaus: „Die hochbrennbare Humusschicht, die sich in den letzten 70 Jahren gebildet hat, hält Hitze und Glut lange Zeit.“ Der Minister betonte auch die Gefahr, die von der Munition ausgehe, die noch im Boden verborgen ist. Bei Probegrabungen seien bis zu 45,5 Tonnen pro Hektar zu Tage gefördert worden. „Und wenn es dann knallt, wie ich es selber erlebt habe, denkt man schon darüber nach, ob das richtig ist, was man hier macht.“

 

(Montag, 01.07.19 | dpa/osw)   Katastrophenalarm im Kreis Ludwigslust-Parchim: Wieder brennt es auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Lübtheen – seit Sonntagnachmittag ist das Feuer zum bisher größten Waldbrand in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns herangewachsen. Montagmorgen konnten die Einsatzkräfte zumindest verhindern, dass sich das Feuer noch weiter ausbreitet. Trotzdem mussten inzwischen vier Orte (Alt Jabel, Jessenitz, Hohen Woos, Trebs) evakuiert werden – rund 650 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Am Abend musste dann noch der Ort Volzrade evakuiert werden. Ein in der Nähe des Brandes befindliches Werk für Deodorants habe aus Sicherheitsgründen die Produktion eingestellt, die Gasleitungen dorthin seien abgeriegelt worden. Direkt am Brandherd liegt ein Zerlegungsbetrieb des Munitionsbergungsdienstes, das besonders vor dem Feuer geschützt werde. „Wir haben alle Maßnahmen getroffen, um das zu sichern. Aber das ist natürlich eine zusätzliche, erhebliche Belastung“, erklärte Landes-Innenminister Lorenz Caffier (CDU). „Die Lage ist weiterhin angespannt. Es geht im Moment nicht um das Löschen des Brandes. Es geht um die Sicherung der Ortschaften, um Leib und Leben“, sagte der Landrat von Ludwigslust-Parchim, Stefan Sternberg (SPD). Erschwert werden die Löscharbeiten durch alte, im Boden liegende Munition, die die Löschkräfte zwingt, einen Sicherheitsabstand von etwa 1000 Metern einzuhalten. Laut Landes-Umweltminister Till Backhaus (SPD), der in der Region aufgewachsen ist, liegen auf dem Gelände nicht nur Munition und Granaten von Manövern, sondern auch große Mengen an Sprengmitteln aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Bei Lübtheen habe die Marine ihr Munitions-Hauptlager unterhalten, das 1945 gesprengt worden sei.

Zurzeit sind mehr als 400 Einsatzkräfte  von Feuerwehr, Katastrophenschutz, Polizei und anderen Institutionen im Einsatz. Weitere Kräfte aus anderen Landkreisen Mecklenburg-Vorpommerns sowie aus Niedersachsen sind angefordert. Landkreis Nordwestmecklenburg, Landkreis Rostock, Landkreis Mecklenburgische Seenplatte sind mit je einem Löschzug vor Ort. Gegen 9 Uhr rückte eine Brandschutzeinheit aus Niedersachsen mit rund 120 Kräften an. Auch starten seit 9 Uhr zwei Löschhubschrauber der Bundespolizei, zwei weitere sind von der Bundeswehr angefordert. Die Wasserentnahme erfolgt aus dem Schaalsee und dem Waldbad Probst Jesar. Deshalb werden diese für die Öffentlichkeit gesperrt. Die Feuerwehren versuchen, mit Wasserwänden ein Übergreifen der Flammen auf die Dörfern zu verhindern.

Eine über vier Quadratkilometer große Fläche ist vom Brand betroffen.

Wegen der Rauchentwicklung waren auch Menschen in Brandenburg und im Norden Sachsen-Anhalts aufgerufen, Fenster und Türen geschlossen zu halten, wie aus einer amtlichen Warnung der Regional-Leitstelle Nord-West über die Notfall-Informations- und Nachrichten-App „NINA“ hervorging. In Brandenburg waren demnach die Städte Brandenburg an der Havel und Potsdam betroffen, außerdem Bewohner in den Landkreisen Havelland, Ostprignitz-Ruppin, Potsdam-Mittelmark und Prignitz. Im nördlichen Sachsen-Anhalt sollten die Auswirkungen demnach in der Altmark und im Landkreis Stendal spürbar sein. Der Brandgeruch war am Montag auch in Berlin wahrnehmbar. Die Hauptstadt-Feuerwehr twitterte: „Der Geruch ist lästig, aber nicht gefährlich.“

Das Waldbrandgebiet bei Lübtheen ist ein ehemaliger Truppenübungsplatz. Fotos: osw

In dem Gebiet bei Lübtheen hatte es erst vor wenigen Tagen gebrannt. Am Freitag gaben die Behörden zunächst Entwarnung und teilten mit, das Feuer sei gelöscht. Am Sonntag brannte es nun erneut und in deutlich größerem Ausmaß. Betroffen seien aktuell etwa 430 Hektar (4,3 Quadratkilometer) Wald, hieß es von der Einsatzleitung. Die Behörden vermuten diesmal Brandstiftung. Dafür spricht auch die Tatsache, dass der Brand nach bisherigen Kentnissen an drei Stellen ausgebrochen ist.

Bislang mussten vier Orte im Brandgebiet evakuiert werden.

Betroffene der Evakuierungsaktion in Lübtheen können in einer Halle unterkommen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass weitere Wohnungen und Häuser in anliegenden Dörfern oder Ortschaften evakuiert werden müssten, sagte die Sprecherin weiter. Es werde evakuiert, wenn sich das noch brennende Feuer auf rund einen Kilometer an Ortschaften nähere.

Bereits am Sonntagabend mussten mehrere Hundert Menschen ihre Wohnungen verlassen: Am Abend entschied die Einsatzleitung der Feuerwehr, das rund 280 Einwohner zählende Alt Jabel zu evakuieren. Das Feuer habe sich rasant ausgebreitet. Betroffen war auch ein Ferienlager mit etwa 100 Kindern. Die Eltern waren informiert und gebeten worden, ihre Kinder abzuholen. Das Brandgebiet grenzt direkt an einen früheren Truppenübungsplatz. Deshalb kam bei der Brandbekämpfung jeweils ein Löschpanzer aus Brandenburg zum Einsatz.

Einsatzkräfte aus ganz Mecklenburg-Voprommern und aus Niedersachsen kämpfen gegen die Flammen.