Podcast-Doku

MV Werften in der Corona-Krise

MV-Werften Podcast

MV WERFTEN: TRANSFERGESELLSCHAFTEN NACH INSOLVENZ
(Stand: 22.02.22) Die Transfergesellschaften für die Beschäftigten der insolventen MV Werften können zum 1. März starten. Die Landesregierung habe am Dienstag, 22.02.22, grünes Licht für die Finanzierung gegeben, sagte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer nach der Kabinettssitzung. Damit können 1834 Beschäftigte der Standorte in Wismar, Rostock-Warnemünde und Stralsund sowie 105 Mitarbeiter der MV Werften Fertigmodule in Wismar in die Transfergesellschaft Küste wechseln. Vorgesehen sei eine viermonatige Laufzeit der Transfergesellschaft. Es sollen bis zu 20,4 Millionen Euro aus dem MV-Schutzfonds in Form von Darlehen bereitgestellt werden, sagte Meyer. Damit würden vor allem stabilisierende Maßnahmen für Unternehmen und Arbeitsmarkt unterstützt. Konkret gehe es um Beiträge zur Sozialversicherung und die Bezahlung an Sonn- und Feiertagen. «Das ist durch das Transfer-Kurzarbeitergeld von der Agentur für Arbeit nicht abgedeckt», sagte Meyer.
Aufgabe der Gesellschaften sei die Qualifizierung und Vermittlung der Beschäftigten in den ersten Arbeitsmarkt. «Uns ist wichtig, dass an allen Werftstandorten perspektivisch wieder zukunftsfähige Unternehmensansiedlungen der maritimen Industrie zur Sicherung und zum Erhalt dieses industriellen Kernes erfolgen können. Dazu brauchen wir die Fachkräfte», betonte der SPD-Politiker.
Die MV Werften hatten am 10.01.22 Insolvenz angemeldet. Als Ursache gelten Finanzschwierigkeiten des Hongkonger Mutterkonzerns Genting infolge der Corona-Krise und den Schwierigkeiten der Kreuzfahrtindustrie. Dem Schritt waren erfolglose Verhandlungen von Bund und Land mit dem Eigentümer Genting Hongkong um die Rettung der angeschlagenen MV-Werften vorausgegangen. Die Beteiligten hatten sich gegenseitig für die stockenden Gespräche verantwortlich gemacht. Die Bundesregierung war dem Vernehmen nach zu einem Rettungspaket und weiteren Hilfen bereit, wollte bisher aber nicht von ihrer Forderung nach einem Eigenbeitrag des Eigentümers abrücken. Es fehle ein klares Bekenntnis der Eigentümer zu ihrer Werft, hieß es zuletzt.
Genting Hongkong hatte die Werften in Rostock, Wismar und Stralsund 2016 als Reaktion auf den damals boomenden Kreuzfahrt-Markt erworben, um dort für konzerneigene Reedereien Schiffe bauen zu lassen. Doch mit dem Einbruch der Branche infolge der Corona-Krise geriet der Mutterkonzern in Schwierigkeiten.
Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte bei seinem Besuch der Werft in Wismar in der vergangenen Woche gesagt, dass die Werften mit der Hilfe des Bundes rechnen können. Voraussetzungen seien die Erschließung neuer Geschäftsfelder und die Vorlage tragfähiger Konzepte.

Wir werden die Entwicklungen aus dem Dezember 2021/Januar 2022 in Kürze in einer zusätzliche Folge unserer Podcast-Reihe zur Werftenkrise in MV zusammenfassen.


CHRONIK: DIE BEWEGTE ZEIT DER MV WERFTEN SEIT 2016
Die Corona-Krise hat auch den Schiffbau in Mecklenburg-Vorpommern hart getroffen. Seit dem Frühjahr 2020 ging die Arbeit auf den MV Werften nur noch langsam voran. Im Ostseewelle-Podcast berichten wir in fünf Folgen über das jüngste Kapitel im Schiffbau in Mecklenburg-Vorpommern. Im Juni 2021 sah zunächst alles nach einem Happy End aus: Die MV Werften in Wismar, Warnemünde und Stralsund erhielten noch einmal rund 300 Millionen Euro in Form einer stillen Beteiligung und Darlehen aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds der Bundesregierung. «Das ist eine wichtige Entscheidung, die den Beschäftigten in der Region und dem Land insgesamt Zuversicht gibt», sagte der damalige Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Die Werften hätten nun die Chance, aus der pandemiebedingten Krise erfolgreich rauszukommen.
Der Werften-Verbund in Mecklenburg-Vorpommern gehört seit 2016 zu dem asiatischen Mutterkonzern Genting Hongkong. Der Passagierschiffbau war durch den coronabedingten Einbruch im Kreuzfahrttourismus in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Um eine Insolvenz der MV Werften abzuwenden, waren bereits im Dezember 2020 vom Bund verbürgte Kredite von 193 Millionen Euro bewilligt worden. Die Werft könne nun nicht nur begonnene Schiffe fertigstellen, sondern auch neue Aufträge einwerben, sagte Altmaier damals. Die Summe der Finanzhilfen von Bund und Land Mecklenburg-Vorpommern hatten zu diesem Zeitpunkt schon einen Gesamthöhe von fast einer Milliarde Euro erreicht.
Zum Jahresende 2021 wurde das Geld wieder knapp. Neue Verhandlungen zwischen dem Eigentümer Genting, dem Bund und Land verliefen schleppend. Das MV stellte zusätzliche 78 Millionen Euro in Aussicht, der Bund wollte 600 Millionen geben, aber nur, wenn Genting sich auch mit mindestens 60 Millionen an der neuerlichen Rettung der MV Werften beteiligt. Doch der asiatische Mutterkonzern, konnte oder wollte nicht mehr einspringen. Genting leidet generell unter der Corona-Krise: Der Mega-Konzern mit einem malaysischen Milliardär als Haupteigentümer hatte vor 2020 vor allem durch Kreuzfahrten und Glücksspiel in Asien Millionen gemacht. Doch der Markt ist durch die weltweite Pandemie dramatisch eingebrochen.
Zum vorläufigen Showdown ist es im Januar 2022 gekommen: Am 07.01.22, wurden die Werftmitarbeiter darüber informiert, dass es kein Gehalt mehr gibt - am 10.01.22 wurde beim Amtsgericht Schwerin Insolvenz für die MV Werften in Wismar, Rostock und Stralsund angemeldet.
Derweil steht das zu 75 Prozent fertig gebaute Kreuzfahrtschiff "Global One" in der Werfthalle in Wismar. Eine Fertigstellung (vermutlich im Auftrag des Insolvenzverwalters) wäre bares Geld wert - denn der für 9.500 Passagiere geplante Riese würde beim Verkauf zwischen 1 und 1,5 Milliarden Euro bringen. Der Verkaufswert und auch die Werft-Grundstücke gehörten zu den Sicherheiten für die ausgereichten Kredite von Bund und Land.


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