25. August 2020 – dpa
Als einziges Bundesland ließ Mecklenburg-Vorpommern auswärtige Tagesgäste den Sommer über nicht ins Land. Das wird sich nun mit dem Ende der Urlaubssaison ändern. Außerdem soll das Markttreiben in die Innenstädte zurückkehren.
Schwerin (dpa/mv) - Mecklenburg-Vorpommern lockert zum Ende der Ferienzeit die Corona-Schutzvorschriften für auswärtige Gäste und die heimische Bevölkerung. Wie Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Dienstag nach einem weiteren MV-Corona-Gipfel in Schwerin mitteilte, können vom 4. September an auch Tagestouristen aus anderen Bundesländern wieder in den Nordosten kommen. Bislang gelten solche Ausflüge als illegal und können mit Bußgeldern von bis zu 2000 Euro belegt werden. Zudem sollen ab Oktober wieder Märkte ohne Besucherbeschränkungen möglich sein und Kinos sowie Theater von den strengen Abstandsgeboten für Besucher befreit werden. Die weitgehende Maskenpflicht aber bleibt weiterhin bestehen.
Das Land habe den Sommer über täglich etwa 400 000 Urlaubsgäste beherbergt, ohne dass sich das geringe Infektionsgeschehen erhöht habe, konstatierte Schwesig. Zudem seien der Schulstart und die vollständige Öffnung der Kitas Anfang August trotz der fortwährenden Corona-Pandemie gut geglückt. «Wir haben festgestellt, dass unser Land weiter gut und sicher durch diese Krise kommt, mit den geringsten Infektionen. Deshalb sind weitere Öffnungen und Lockerungen möglich», erklärte die Regierungschefin nach dem etwa siebenstündigen Treffen ihrer Regierung mit Vertretern von Kommunen, Wirtschaft und Gewerkschaften sowie Medizinexperten. Am Dienstag hatte das Landesamt für Gesundheit und Soziales eine Corona-Neuinfektion registriert.
Laut Schwesig werden im kommenden Monat bis zu 75 000 Tagesgäste pro Tag erwartet. Diese Zahl decke sich in etwa mit dem saisonbedingten Rückgang der Übernachtungsgäste im Land. Besucher mit fest gebuchten Unterkünften hatten schon seit Mai kommen dürfen. Dennoch verzeichnete die Tourismusbranche im Nordosten für das erste Halbjahr ein Gäste-Minus zum Vorjahreszeitraum von 46 Prozent.
Der rigide Ausschluss von Tagestouristen hatte der Landesregierung in Schwerin nicht nur Kritik potenzieller Besucher eingebracht, sondern auch vom Nachbarland Schleswig-Holstein. Dort waren die Strände im Hochsommer wegen fehlender Alternativen oft überfüllt. Sprecher mehrerer Parteien in Kiel begrüßten daher die Öffnung für Tagestouristen als längst überfällig. Auch Privatbesuche von auswärtigen Freunden sind laut Schwesig von Mitte kommender Woche wieder erlaubt.
Nach den Worten von Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) ist die Öffnung für den Tagestourismus «ein wichtiges Signal, auf das die Branche und auch viele Gäste lange gewartet haben». Er verwies auf Schätzungen, nach denen die Unternehmen im Land aufgrund fehlender Tagestouristen drei bis fünf Millionen Euro pro Tag an Umsatz verloren. Die Beschränkungen seien aber aus epidemiologischer Sicht ein wirksames Instrument gewesen, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. «Wir sind aber noch längst nicht über den Berg», mahnte der auch für Gesundheit zuständige Minister.
Wie Glawe weiter sagte, werden künftig die regionalen Gesundheitsämter anhand der vorgelegten Hygienekonzepte und der aktuellen Infektionslage darüber befinden, welche Märkte zugelassen werden. Die Höchstgrenze für Veranstaltungen gelte dort dann nicht. Bars und Diskotheken dürften in Kürze wieder öffnen, allerdings nur als Schankwirtschaften, Tanzveranstaltungen seien weiterhin untersagt. Zwischen Kino- und Theaterbesuchern muss künftig der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht mehr eingehalten werden. Wenn die Besucher Masken tragen, könnten die Sitzreihen wieder enger, mit jeweils einem Platz Abstand besetzt werden, teilte Glawe mit.
Dem Einzelhandel, dessen Wunsch nach einem Ende der Maskenpflicht erneut nicht erfüllt wurde, sagte Glawe Hilfe zu. So werde es unter dem Motto «Ein Kauf mit Herz» eine Werbekampagne für den heimischen Handel geben, der unter vermehrten Online-Käufen zu Beginn der Corona-Krise zu leiden hatte. Dafür stellt das Land 300 000 Euro bereit.