23. Oktober 2026 – dpa
Über ein Social-Media-Netzwerk soll ein junger Hamburger eine Jugendliche in den USA dazu gedrängt haben, sich das Leben zu nehmen. Jetzt sitzt er unter Mordverdacht in Haft.
Über eine Social-Media-Plattform soll ein 18-jähriger Hamburger eine Jugendliche in den USA in den Tod getrieben haben. Der Deutsche wurde jetzt in Hamburg verhaftet, wie die Staatsanwaltschaft und die Polizei gemeinsam mitteilten. Er stehe im dringenden Tatverdacht, einen Mord und eine gefährliche Körperverletzung in mittelbarer Täterschaft begangen zu haben.
Der Beschuldigte, der zur Tatzeit im September und Oktober noch 17 Jahre alt war, soll die psychisch labile 14-Jährige im US-Staat Indiana dazu gebracht haben, sich selbst massive Schnittverletzungen zuzufügen. Mit dem Blut aus den Wunden habe sie sein Internetpseudonym «Kaz» und den Namen der Gruppierung «NMK» an Wände geschrieben. Einige Tage später habe sich die 14-Jährige in ihrem Zimmer erhängt, hieß es in der Mitteilung weiter.
Wie von dem Beschuldigten über die Kommunikationsplattform «Discord» gefordert, habe die Jugendliche sich dabei gefilmt, wie sie sich verletzte und mit dem Blut die Zeichen schrieb. Ob sie auch ihre Strangulation am vergangenen 2. Oktober per Video aufgezeichnet hat, wird von den Ermittlern geprüft.
Der 18-Jährige soll nach dem Tod des Mädchens versucht haben, an Aufnahmen der mutmaßlich von ihm gesteuerten Selbsttötung zu gelangen. Er soll dem Umfeld der 14-Jährigen gedroht haben, kompromittierende Aufnahmen von ihr zu veröffentlichen, wenn er die Videoaufzeichnung nicht bekomme.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 18-Jährige mit dem Videomaterial Zugang zur Gruppe NMK erlangen oder sich als Mitglied profilieren wollte. NMK steht den Angaben zufolge für «Nefarious Maniac Kult» (etwa: Verruchter Wahnsinnskult). Die Gruppierung orientiere sich am «Com-Netzwerk», zu dem auch die aus dem «White Tiger»-Verfahren bekannte Gruppierung «764» gehöre.
Die Ermittlungen gegen den 18-Jährigen kamen den Angaben zufolge durch eine vom FBI weitergeleitete Mitteilung des Nationalen Zentrums für vermisste und ausgebeutete Kinder in Gang.
Im Fall «White Tiger» wird bereits seit Januar gegen einen 22 Jahre alten Deutsch-Iraner vor dem Landgericht Hamburg verhandelt. Der Hamburger soll zwischen 2021 und 2023 insgesamt 204 Straftaten begangen haben. Unter anderem soll er über das Internet einen 13-jährigen US-Amerikaner in den Suizid getrieben haben. Der Prozess läuft unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Anfang September hatte das Landgericht einen jungen Mann verurteilt, der Kinder und Jugendliche im Internet zu sexuellen Handlungen und Selbstverletzungen vor der Webcam genötigt haben soll. Der Angeklagte bekam eine Jugendstrafe von viereinhalb Jahren. Eine Kooperation mit dem «White Tiger» habe die Jugendkammer nicht festgestellt, sagte ein Gerichtssprecher.