30. Juli 2020 – dpa

Deutlich mehr Menschen arbeitslos als noch vor einem Jahr

Die Corona-Krise ist in MV weiterhin zu spüren - auch auf dem Arbeitsmarkt. Viele Branchen sind davon betroffen, aber nicht alle. In einigen werden sogar dringend Mitarbeiter gesucht.

Der Schriftzug der Agentur für Arbeit an einem Gebäude der Agentur. , Foto: Marijan Murat/dpa/Archivbild

Schwerin (dpa/mv) - Die Zahl der Arbeitslosen in Mecklenburg-Vorpommern ist im Juli um 19,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Aktuell sind 65 900 Menschen im Nordosten arbeitslos gemeldet, wie die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag mitteilte. Dies seien 10 900 mehr als noch im Juli 2019. Seit Juni sank die Zahl der Erwerbslosen hingegen minimal um 70 oder 0,1 Prozent.

Die Arbeitsmarktzahlen fielen laut Arbeitsagentur positiver aus als erwartet. Zudem habe sich die Personalnachfrage im Juli mit 3200 gemeldeten sozialversicherungspflichtigen Stellen auf dem Niveau des Vormonats stabilisiert. Dafür seien vor allem die Bereiche Handel, Tourismus, Lebensmittelherstellung und Logistik verantwortlich, die von den Corona-Lockerungen profitiert hätten. Insbesondere im Handel, im Gastgewerbe und in der Gesundheits- und Sozialbranche werde Personal gesucht.

Von der Möglichkeit Kurzarbeit anzumelden, haben zahlreiche Unternehmen Gebrauch gemacht. Seit Beginn der Corona-Krise haben dies laut Arbeitsagentur 18 900 Betriebe für 181 600 Beschäftigte getan. Das seien 40,3 Prozent aller Firmen mit mindestens einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Die Schwerpunkte liegen den Angaben zufolge im Einzelhandel, der Gastronomie und im Gesundheitswesen. Laut Vereinigung der Unternehmensverbände konnten bereits viele Mitarbeiter aus der Tourismusbranche wieder aus der Kurzarbeit zurückgeholt werden.

Seit Jahresbeginn wurden laut Bundesagentur bislang 23 900 offene sozialversicherungspflichtige Stellen gemeldet, ein Minus von 7800 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Insbesondere die Zeitarbeitsbranche habe weniger offene Stelle gemeldet.

Eine deutliche Steigerung der Arbeitslosigkeit gab es auch bei den Jugendlichen. So waren 1690 der unter 20-Jährigen im Juli als arbeitslos gemeldet, etwa 10 Prozent mehr als noch im Juni. Das liege auch daran, dass sich zahlreiche Jugendliche nach dem Schulabschluss vorübergehend arbeitslos gemeldet haben.

Auf dem Ausbildungsmarkt haben Bewerber indes weiterhin viel Auswahl. Die Arbeitsagentur und Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) appellierten an Unternehmen, auch in der Corona-Krise Auszubildende einzustellen. Zudem riefen sie Jugendliche auf, sich auf die noch offenen Stellen zu bewerben. Das Thema Fachkräftesicherung werde auch nach der Corona-Krise von großer Bedeutung bleiben, sagte die Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, Margit Haupt-Koopmann. 60 000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte im Nordosten seien älter als 60 Jahre und gingen in den kommenden Jahren in Rente.

Derzeit sind den Angaben zufolge 4700 Ausbildungsplätze unbesetzt, ihnen stehen 2600 unversorgte Jugendliche gegenüber. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind demnach minimal mehr Jugendliche noch ohne Ausbildungsplatz, die Zahl der offenen Stellen ist demnach um etwa 250 geringer. Köche, Einzelhandelskaufleute, Hotelfachleute, Verkäufer und Restaurantfachleute werden demnach besonders häufig gesucht, dort sind jeweils noch zwischen 247 und 293 Ausbildungsplätze offen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Nord warnte vor den möglichen Folgen der Corona-Krise für den Ausbildungsmarkt: «Es darf keine Generation Corona geben. Die Wirtschaft sollte allles daran setzen, weiterhin auf hohem Niveau auszubilden», sagte Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord.

Die Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern verzeichnete nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr 738 neue Ausbildungsverträge - ein Plus von 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

«Der Ausbildungsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern ist noch in Bewegung. So beobachten wir aufgrund der Corona-Pandemie einen Zeitverzug von sechs bis acht Wochen, da die ausgesetzten Entscheidungsprozesse hinterherhinken», erläuterte Haupt-Koopmann. Zudem hätten etwa Ausbildungsmessen wegen der Corona-Einschränkungen nicht stattfinden können, was das Kennenlernen von Auszubildenden und Unternehmen erschwert habe. Sie appellierte, die digitalen Beratungsmöglichkeiten der Bundesagentur für Arbeit zu nutzen. Zudem sei Beratung vor Ort mittlerweile wieder möglich.

Wer eine Ausbildung später anfängt, müsse keine Sorge haben, dass er den Anschluss in der Berufsschule verliere, sagte Ministerin Martin. Darauf seien die Berufsschulen eingestellt - Ende August soll dort demnach wieder der Unterricht starten. In der gymnasialen Oberstufe soll es zudem vom anstehenden Schuljahr an einen verpflichtenden wöchentlich zweistündigen Berufsorientierungskurs geben.

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