04. August 2020 – dpa

Mehr Engagement bei Bergung Netzen aus Ostsee

Neben dem WWF engagieren sich weitere Organisationen bei der Bergung von herrenlosen Fischernetzen aus der Ostsee. Auf Rügen sind Sporttaucher eingebunden.

Prora/München (dpa) - Nach der Naturschutzorganisation WWF engagieren sich weitere Verbände beim Bergen sogenannter Geisternetze aus der Ostsee. Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) und die Tauchbasis Prora auf Rügen wollen die Ostsee rings um Rügen von möglichst vielen verloren gegangenen Fischernetzen befreien, wie eine Sprecherin am Dienstag mitteilte. Dort lägen schätzungsweise 1200 Schiffswracks auf dem Meeresgrund. Viele seien mit Geisternetzen behangen.

Gemeinsam mit Ehrenamtlern wie Sporttauchern von der Insel Rügen, aus dem Raum Hannover und aus Rostock, Bootsführern und einem Ostsee-Fischer wurden der GRD zufolge jetzt an zwei Tauchtagen fünf Fischernetze geborgen. Die insgesamt zwei Tonnen schweren Netze lagen in 15 bis 26 Metern Tiefe. Sie wurden mit Hilfe des Krans des Forschungsschiffes «Goor II» der Firma UWA-Logistik GmbH in Putgarten geborgen und in den Hafen von Glowe transportiert.

Herrenlose Netze vermüllen weltweit die Meere und sind eine tödliche Gefahr für Meeresbewohner, die sich darin verfangen. Zudem lösen sie sich mit der Zeit in winzige Plastikfasern auf und belasten die Meere mit Mikroplastik, das durch Speisefische wieder auf den Tellern von Menschen landet.

Der Proraer Tauchbasenleiter Wolfgang Frank hatte nach Erkundungstauchgängen neun Stellen mit Geisternetzen und Meeresmüll ausgewählt. Dazu zählte unter anderem der 1984 gesunkene Fischkutter «Sturmvogel», dessen Wrack vor der Sassnitzer Kreideküste in etwa 17 Metern Tiefe liegt. Das Team habe sieben der neun angepeilten Positionen geschafft. Neben Netzen in unterschiedlichen Materialien und Größen seien auch Metallschrott, Ketten und anderer Müll aus dem Wasser geholt worden. Weitere Bergungsaktionen sollen folgen.

Der WWF holt nach eigenen Angaben seit 2013 Geisternetze aus der Ostsee. Seit den 1960-er Jahren werden Fischernetze aus synthetischem Material hergestellt anstatt aus leicht vergänglichen Naturstoffen wie Hanf, Sisal oder Leinen. Die neuen Netze verrotten am Meeresgrund erst nach 400 bis 600 Jahren. Der WWF sucht den Meeresboden mit Sonargeräten ab, um Geisternetze ausfindig zu machen. Nach Angaben auf ihrer Internetseite hat die Organisation bislang neun Tonnen Netze aus der Ostsee geborgen und entsorgt. Die Netze seien nicht recycelbar. Zudem wurde eine App für Geisternetze entwickelt.

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