08. August 2020 – dpa

Vier Rostocker Schüler, drei Lehrer in Ludwigslust infiziert

Wenige Tage nach dem Schulstart wurden in Mecklenburg-Vorpommern zwei Schulen wegen Corona-Infektionen vorsorglich geschlossen. Nun sind auch Schüler einer Rostocker Schule betroffen. Dort soll es am Montag aber Unterricht geben.

Ein Wattestäbchen mit einem Abstrich wird im Labor für einen Corona-Test verarbeitet.
Ein Wattestäbchen mit einem Abstrich wird im Labor für einen Corona-Test verarbeitet. , Foto: Oliver Berg/dpa/Symbolbild

Ludwigslust/Schwerin/Rostock (dpa/mv) - Der Schulstart unter Pandemiebedingungen droht für Mecklenburg-Vorpommern schwieriger zu werden als erhofft. Am Sonntagabend gab das Gesundheitsamt in Rostock bekannt, dass bei vier schulpflichtigen Kindern einer Rostocker Familie Corona-Infektionen festgestellt wurden, nachdem sie von einem Auslandsaufenthalt zurückgekommen waren. Während Tests bei der Einreise nach Deutschland zunächst negative Befunde geliefert hätten, seien bei Nachkontrollen wegen der Infektion eines erwachsenen Familienmitglieds dann doch Ansteckungen mit dem Virus zutage getreten, hieß es.

Für die gesamte Familie sei eine zweiwöchige Quarantäne angeordnet worden, die auch auf Mitschüler der Kinder und Lehrer an der Rostocker Borwinschule ausgedehnt wurde. Insgesamt seien 67 Personen betroffen. Für Donnerstag angesetzte Tests sollen Erkenntnisse über mögliche weitere Ansteckungen liefern. «Nach derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen ist es höchst unwahrscheinlich, dass sich die Infektion am Donnerstag und Freitag ausgebreitet hat, da die Schülerinnen und Schüler symptomfrei sind», erklärte Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke).

Die Corona-Infektion am Ludwigsluster Gymnasium hat unterdessen größere Ausmaße als zunächst angenommen. Neben der Lehrerin, deren Infektion am Freitag zu der vorübergehenden Schließung der 800 Schüler zählenden Schule geführt hatte, wurden zwei weitere Pädagogen positiv auf das neuartige Virus getestet. «Damit greift jetzt die nächste Stufe», sagte Landrat Stefan Sternberg (SPD).

Ihm zufolge gehen am Montag die Tests weiter. So werde das 55-köpfige Schulpersonal - Lehrer, Sekretärin, Hausmeister - nochmals auf den Erreger getestet. Auch von den 205 Schülern, die seit dem Schulstart vor einer Woche Kontakt zu den infizierten Lehrern hatten, sollen Abstriche genommen werden. Sie wurden inzwischen von der zuständigen Behörde in Quarantäne geschickt. Eltern und Geschwister seien von der Quarantäneregelung nicht betroffen, hieß es.

Die Testergebnisse werden laut Sternberg für Dienstag erwartet. Danach werde entschieden, wann die Schule wieder öffnet. Vorerst war der Präsenzunterricht bis einschließlich Mittwoch generell ausgesetzt worden. Der Unterricht werde aber für alle Schüler gewährleistet, versicherte Sternberg. Die Schule stelle auf das Lernen zu Hause am Computer um.

Neben dem Gymnasium in Ludwigslust war am Freitag vorsorglich auch die Ostsee-Grundschule in Graal-Müritz (Landkreis Rostock) geschlossen worden. Dort war bei einem Schüler eine Corona-Infektion festgestellt worden. Die Schule bleibt für zwei Wochen zu, wie der Landkreis mitteilte. Alle Kinder, Lehrer und sonstigen Schulmitarbeiter wurden in Quarantäne geschickt. Bei den bisherigen Tests unter den 137 Schülern und Lehrern seien keine positiven Befunde registriert worden, hieß es.

Der Unterricht in Mecklenburg-Vorpommern hatte erst vor einer Woche am Montag wieder begonnen. Das Bundesland war als erstes nach den sechswöchigen Sommerferien in das neue Schuljahr gestartet.

Während der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, nach den Schulschließungen in MV schärfere Hygienemaßnahmen für Schulen in Deutschland forderte, zeigte sich der Rostocker Tropenmediziner Emil Reisinger mit den bisherigen Vorgaben zufrieden. Die zum Schulanfang beschlossenen Hygienemaßnahmen seien ausreichend. Dazu gehöre auch die Maskenpflicht an Schulen mit Ausnahme des Unterrichts, die allerdings umstritten ist.

Der Ärzteverband Marburger Bund hält die Rückkehr zum Regelbetrieb an Schulen für richtig. «Die Schule ist eine Großveranstaltung - aber eine, die wir uns leisten müssen», sagte Verbandschefin Susanne Johna. Dafür sei es wichtig, Corona-Regeln gut festzulegen und dazu gehöre eine Strategie zum regelmäßigen Belüften der Räume, die auch im Herbst und Winter durchzuhalten sei. Sinnvoll seien auch Masken auf dem Schulhof gerade in engeren Bereichen. Während des Unterrichts halte sie dies aber nicht für angebracht, sagte Johna.

Kritik an der Politik kam vom Bundeselternrat, der eine unzureichende Vorbereitung des Schulstarts beklagte. «Es ist ärgerlich, dass die Kultusminister das so lässig angegangen sind und die Sommerferien nicht dafür genutzt haben, einen verlässlichen Unterricht auch in Corona-Zeiten vernünftig vorzubereiten», sagte der Vorsitzende Stephan Wassmuth der «Welt» (Samstag). Schon seit Wochen habe man dafür plädiert, Klassen zu teilen, um im Falle eines Ausbruchs nur wenige Schüler in Quarantäne schicken zu müssen. Die Schulen seien zu schnell und unvorsichtig geöffnet worden.

In Mecklenburg-Vorpommern hat sich die Gesamtzahl der registrierten Corona-Infektionen über das Wochenende um 9 auf nun 939 erhöht. Der Anstieg fiel damit deutlich geringer aus als am Freitag, als mit 21 Neuinfektionen der höchste tägliche Zuwachs seit Anfang April verzeichnet worden war. Die vier Schüler aus Rostock waren noch nicht in die Statistik aufgenommen worden.

Wie aus den Daten des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) hervorgeht, gab es bis dahin die meisten Neuinfektionen am Wochenende mit drei erneut im Landkreis Ludwigslust-Parchim, darunter auch die beiden Lehrer. Zwei neue Fälle wurden für den Landkreis Vorpommern-Greifswald registriert, jeweils einer für Vorpommern-Rügen, die Mecklenburgische Seenplatte, den Landkreis Rostock und Schwerin.

Die Zahl der im Nordosten bislang im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung gestorbenen Menschen blieb bei 20. Als genesen gelten - ohne Berücksichtigung der Dunkelziffer - nunmehr 832 der Infizierten. 126 Menschen wurden den Angaben zufolge bislang wegen Covid-19 in Krankenhäusern behandelt. Die Zahl der Behandelten auf Intensivstationen lag weiter bei 21. Mit 58 Infektionen je 100 000 Einwohner ist Mecklenburg-Vorpommern unverändert das Bundesland mit der geringsten Infektionsrate. Im Bundesdurchschnitt ist sie fünf Mal so hoch.

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