12. Juli 2026 – dpa

Nach Kreuzotter-Biss in Bayern

Schlangengift-Serum lagert auch in Krankenhäusern im Norden

Nach einem Kreuzotter-Biss wird ein Kind Bayern mit Gegengift gerettet. Mit diesem Serum haben auch Kliniken in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen regelmäßig Kontakt bei Vergiftungen.

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Kreuzotter-Bisse können für einige Menschen gefährlich werden - in einigen Kliniken lagert daher ein Gegengift. (Symbolbild), Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Ein Junge wurde nach einem Kreuzotter-Biss in Bayern mit einem extra eingeflogenen Gegengift gerettet. Das Kind habe nach dem Biss Ende Juni schwere Vergiftungserscheinungen gezeigt - zuvor hatte der Bayerische Rundfunk (BR) von dem Fall berichtet.

Auch in einigen Krankenhäusern in Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen kommt es vor, dass Patienten mit dem Schlangengift-Serum behandelt werden müssen - mancherorts auch nach Bissen von Schlangen aus privater Haltung.

Die Einlagerung von Gegengiften für einheimische Giftschlangenarten ist in jedem Bundesland gesondert als Teil eines Notfalldepots organisiert, teilte Benno Kreuels, Facharzt am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), der dpa mit. «Auch das UKE lagert ein entsprechendes Gegengift.» Rund ein bis zwei Mal pro Jahr müsse dieses hier verabreicht werden.

Die Folgen, wenn nach einem Biss kein Gegengift verabreicht wird, hängen von der Schwere der Vergiftung ab, sagt der Mediziner. «Meist kommt es bei einem Biss durch eine Kreuzotter zu einer leichten Vergiftung, die Bissstelle kann anschwellen und die Haut kann sich gegebenenfalls bläulich verfärben.»

Selten könne es auch zu Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Schweißausbrüchen kommen. «In sehr seltenen Fällen können etwa ältere Personen, Menschen mit Vorerkrankungen oder Kleinkinder Kreislaufprobleme bis hin zu Atemnot und Bewusstlosigkeit erleiden», so Kreuels. In diesen Fällen sollte sofort der Notruf gewählt werden.

Ob ein Biss ärztliche behandelt werden muss, hänge in erster Linie von der Menge des infizierten Gifts ab. «Nicht jeder Biss ist gleich und das auch das Verteilungsvolumen im Körper ist unterschiedlich, daher kann es insbesondere bei Kleinkindern zu schweren Vergiftungen kommen.»

Auch in Hannover ist das Serum vorhanden: «Das Klinikum Region Hannover hält in den Notfalldepots der Zentralapotheke Schlangengift-Serums vor», teilte ein Sprecher des Klinikum Region Hannover der dpa mit. Das Serum kann demnach bei Schlangenbissen von europäischen Giftschlangen verwendet werden, also auch bei Kreuzotterbissen.

Unter den wenigen in Deutschland heimischen Giftschlangen seien vor allem die Kreuzotter und die Aspisviper medizinisch relevant, teilte Domagoj Schunk, Leiter der Interdisziplinären Notaufnahme des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), der dpa mit. Schwere systemische Verläufe sind demnach aber selten, können aber insbesondere bei Kindern, älteren Menschen, Patientinnen und Patienten mit Vorerkrankungen oder bei Bissen im Bereich von Kopf, Hals oder Oberkörper auftreten.

«Das spezifische Antivenom gegen europäische Viperngifte ist bei uns in der Klinik nicht regelhaft vorrätig und wird über das regionale Serumdepot im Städtischen Krankenhaus Kiel zur Verfügung gestellt», teilte der Mediziner mit. Der Einsatz des Gegengiftes sei am UKSH aber eher selten nötig, weil die meisten Kreuzotterbisse ohne schwere systemische Vergiftung verlaufen.

«Die meisten Patientinnen und Patienten werden nach einem Biss klinisch überwacht, die Bissstelle wird markiert, der Umfang der betroffenen Extremität dokumentiert, und es erfolgen je nach Verlauf Labor- und Kreislaufkontrollen.» Liegen keine Hinweise auf eine schwere Vergiftung vor, bestehe die Behandlung demnach vor allem aus Überwachung und symptomatischer Therapie. Wichtig ist laut Schunk: «Die betroffene Extremität darf nicht abgebunden, eingeschnitten oder ausgesaugt werden.»

Die Universitätsmedizin in Rostock ist eins von drei Krankenhäusern in Mecklenburg-Vorpommern, die Schlangengiftserum vorrätig hat, teilte Tarek Iko Eiben, Chefarzt des Interdisziplinären Notfallzentrums (INZ) der Universitätsmedizin in Rostock, der dpa mit. «Eine Bissverletzung durch Giftschlangen ist ein sehr seltenes Ereignis in Rostock, das eher bei privater Haltung von Giftschlangen, als durch die endemische lebende Kreuzotter auftritt.»

Vergiftungen nach Kreuzotterbissen kommen hier in der Klink etwa ein bis zwei Mal innerhalb von zwei Jahren vor, sagte Eiben. Ein Kreuzotterbiss kann auch ohne Gabe von Gegengift therapiert werden, hierbei wird dann symptomatisch überwachend behandelt. «Es besteht nicht immer eine Lebensgefahr oder die Indikation zur Gegengifttherapie.»

«Ein polyvalentes Schlangenserum (Gegengift) wird in Mecklenburg-Vorpommern von der Apotheker-Kammer an verschiedenen Standorten vorgehalten, so auch in der Apotheke der Helios Kliniken Schwerin», teilte ein Sprecher der Helios Kliniken Schwerin der dpa mit. Im Bedarfsfall stehe das Mittel dem Team in der Zentralen Notaufnahme umgehend zur Verfügung.

«In den Helios Kliniken Schwerin ist die Gabe von polyvalentem Schlangenserum seit Jahren nicht erfolgt, auch sind Kreuzotterbisse seit Jahren in unserer Zentralen Notaufnahme nicht behandelt worden», sagt Martin Heinrich, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme der Helios Kliniken Schwerin.

In der Regel besteht bei einem Kreuzotter-Biss keine Lebensgefahr, es sollte allerdings eine medizinische Überwachung erfolgen, sagt er. Zudem können allergischen Reaktionen auftreten. «Besondere Vorsicht ist grundsätzlich bei Kindern geboten, ebenso sollte der Biss im Kopf- oder Oberkörperbereich erfolgt sein.»

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