30. September 2026 – dpa
Parolen in rechtsextremer Chatgruppe, Tritte mit Springerstiefeln, ein zerstörtes CDU-Plakat: Ein 17-Jähriger soll in Hamburg und der Umgebung mehrere Straftaten begangen haben.
Vor dem Amtsgericht Hamburg-Bergedorf hat ein Verfahren gegen einen mutmaßlichen jugendlichen Nationalsozialisten und drei weitere Angeklagte begonnen. Die Angeklagten sollen im Hamburger Osten und in Schleswig-Holstein Straftaten begangen haben. Der 17 Jahre alte Angeklagte, der mutmaßliche Nationalsozialist, soll unter anderem verfassungsfeindliche Parolen in einer WhatsApp-Gruppe der «Letzten Verteidigungswelle» veröffentlicht haben.
Die «Letzte Verteidigungswelle» ist eine rechtsextreme Terrorgruppe. Im August verurteilte das Hanseatische Oberlandesgericht sieben Mitglieder der Terrorgruppe und einen Unterstützer zu Gefängnisstrafen, unter anderem wegen versuchten Mordes. Im September klagte die Bundesanwaltschaft in Jena zwei mutmaßliche Unterstützer der Gruppe an.
Die vor dem Amtsgericht Bergedorf Angeklagten sind zwischen 16 und 20 Jahre alt, und das Verfahren wird vor einem Jugendschöffengericht geführt. Ein Gerichtssprecher sagte, die Öffentlichkeit sei nach Verlesung der Anklage ausgeschlossen worden und sie bleibe es bis zur Urteilsverkündung.
Der 17-Jährige und die beiden 16 Jahre alten Angeklagten sollen Ende vergangenen Jahres in Geesthacht (Schleswig-Holstein) einen angeblichen Pädophilen ausgeraubt haben. Der 17-Jährige habe dabei den Geschädigten getreten und ihn mit einem Teleskopschlagstock geschlagen.
Im Januar soll der 17-Jährige der Anklage zufolge am Hamburger Busbahnhof Mümmelmannsberg den Hitlergruß gezeigt und Parolen gerufen haben. Im Februar habe er an einer Bushaltestelle im Stadtteil Lohbrügge einen Menschen rassistisch beleidigt. In dem Monat soll er zudem ein CDU-Veranstaltungsplakat eingetreten und eingerissen haben.
Im März soll der Hauptangeklagte einen 19-Jährigen in einer Jugendwohneinrichtung in Hamburg-Billstedt verletzt haben. Unter anderem habe er den Mann mit Springerstiefeln getreten. Der angeklagte 20-Jährige soll das Geschehen gefilmt haben, wie das Gericht mitteilte.
Ob die Angeklagten sich zu den Vorwürfen äußern, ist nicht bekannt. Zu dem nicht öffentlichen Teil der Verhandlung darf sich das Gericht nicht äußern. Bis Mitte November sind bislang fünf Fortsetzungstermine angekündigt.