27. September 2026 – dpa
Im Oktober beginnt das Wintersemester. Für viele Studierende stellt sich die Frage, wo sie wohnen können. Auf freie Zimmer kommen oft deutlich mehr Bewerberinnen und Bewerber als früher.
Vor Beginn des Wintersemesters in Mecklenburg-Vorpommern ist die Wohnungssituation für junge Menschen weiterhin oftmals schwierig. Während auf einen Wohnheimplatz früher etwa zwei bis drei Bewerberinnen und Bewerber kamen, sind es inzwischen drei bis vier, wie das Studierendenwerk Rostock-Wismar auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.
Viele Studierenden würden zum Studienbeginn keinen passenden Wohnplatz finden und müssten teilweise auf andere Orte oder Wohnmöglichkeiten ausweichen.
Die zusätzlichen Wohnheimplätze konnten die Entwicklung demnach bislang nicht vollständig auffangen. Zum im Oktober beginnenden Wintersemester wurden den Angaben zufolge 477 Zimmer bei dem Studierendenwerk frei, darauf kamen rund 1.600 Bewerberinnen und Bewerber.
Das macht demnach eine Quote von knapp 3,4 Bewerbern pro Zimmer. 2022 lag diese Quote noch bei 2,65. Alle verfügbaren Wohnheimplätze für den Semesterbeginn seien bereits vermietet.
«Trotz der zusätzlichen Wohnheimplätze, die wir in den vergangenen Jahren geschaffen haben, können wir nicht allen Studierenden, die bei uns einen Wohnplatz suchen, ein Angebot machen», sagte Geschäftsführer Kai Hörig.
Das Studierendenwerk hat sein Wohnangebot demnach in den vergangenen Jahren deutlich erweitert. 2022 kamen in Rostock 70 zusätzliche Wohnheimplätze hinzu, im April dieses Jahres wurden weitere rund 150 Plätze fertiggestellt und in Betrieb genommen. Weitere rund 120 Wohnheimplätze sollen bis 2029 in Rostock entstehen.
In Wismar sollen den Angaben zufolge durch die Sanierung eines stillgelegten Wohnheims bis 2028 rund 100 weitere Plätze geschaffen werden. Weitere rund 100 seien dort perspektivisch bis 2031 möglich. Insgesamt müsse neben dem Neubau auch die Sanierung des Bestands stärker in den Fokus rücken, hieß es.
«Der Ausbau des Wohnheimangebots ist ein wichtiger Baustein, um Studierenden bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig müssen wir auch den vorhandenen Bestand im Blick behalten. Ein Abbau von Wohnheimplätzen aufgrund des baulichen Zustands sollte unbedingt vermieden werden», betonte Hörig.
Das Studierendenwerk forderte eine Fachkonferenz – dabei sollten konkrete kurz- und langfristige Maßnahmen zum Wohnen entwickelt und anschließend auch deren Finanzierung hinterlegt werden.
Das Studierendenwerk Greifswald berichtet ebenfalls von einer hohen Nachfrage. In Greifswald gab es demnach 952 Bewerbungen auf 142 freie Zimmer bei dem Studierendenwerk für das neue Wintersemester. «Ähnliche Versorgungsquoten hatten wir auch in den vergangenen Jahren», teilte eine Sprecherin mit. Zum Wintersemester herrsche ein großer Druck auf dem Wohnungsmarkt. Die angespannte Situation erhole sich in der Regel erst zu Beginn des Sommersemesters, hieß es.
Insgesamt werden von dem Studierendenwerk rund 1.300 Wohnheimplätze an den drei Hochschulstandorten, Greifswald, Neubrandenburg und Stralsund angeboten. In Stralsund gab es den Angaben zufolge 215 Bewerberinnen und Bewerber für 68 Zimmer, die neu belegt worden sind. In Neubrandenburg wurden knapp 100 Zimmer neu belegt, rund 170 junge Menschen bewarben sich darauf.
Studierendenwerk-Geschäftsführerin Cornelia Wolf-Körnert forderte von der Landesregierung, dass eine bereits abgestimmte Vergabe aus einem Programm schnell veröffentlicht werde, damit dringend benötigtes Geld für die Sanierung und gegebenenfalls den Ausbau des Wohnangebots erhalten werde.
Das Wissenschaftsministerium in Schwerin sprach von einem erheblich angespannten Wohnungsmarkt – insbesondere in den beiden Universitätsstädten Rostock und Greifswald. Ein Sprecher betonte die Bedeutung der Studierendenwohnheime. «Im neuen Doppelhaushalt haben wir für 2026 rund 630.000 Euro und für 2027 rund 330.000 Euro mehr in die wichtige Arbeit der Studierendenwerke in MV investiert.»
Es gehöre aber auch zur Wahrheit, dass die Studierendenwerke nicht die gesamten Probleme der örtlichen Wohnungsmärkte lösen könnten, sondern auch die Kommunen gefordert seien, für mehr bezahlbaren Wohnraum für alle Schichten – und damit auch den Studierenden – zu sorgen, hieß es weiter aus dem Ministerium.
Wenn die Wohnungssuche für die jungen Menschen geklappt hat, steht das Studium im Vordergrund. Dafür werden im Nordosten zahlreiche Studiengänge angeboten – an der Universität Rostock sind es nach eigenen Angaben derzeit 170. Bei den zulassungsbeschränkten Studiengängen an der Uni Rostock seien unter anderem Kommunikations- und Medienwissenschaften, Biowissenschaften sowie Human- und Zahnmedizin besonders gefragt, teilte die Uni auf Anfrage mit.
Bei den zulassungsfreien Studiengängen seien insbesondere Deutsch auf Lehramt, Erziehungs- und Bildungswissenschaften, Philosophie, Politikwissenschaft, Sonderpädagogik sowie Wirtschaftsingenieurwesen beliebt.
Gestiegenes Interesse verzeichneten demnach die Studiengänge Medizinische Biotechnologie und Zahnmedizin. Im Wintersemester, das mit Vorlesungen am 12. Oktober beginnt, gibt es auch neue Studiengänge – beispielsweise neue Quereinstiegs-Master.
An der Universität Greifswald gibt es derzeit 118 Studiengänge, wie eine Sprecherin mitteilte. «Besonders gefragt sind Medizin, Rechtswissenschaften (Jura), alle Lehramtsstudiengänge, Psychologie, Pharmazie, Kommunikationswissenschaft und Politikwissenschaft sowie biologische Studiengänge», hieß es. Im vergangenen Wintersemester waren in Greifswald knapp 10.000 Studierende eingeschrieben.