21. Oktober 2026 – dpa

Seemannskirche Prerow

Grabsteine gerettet: «Dem Auge fern, - dem Herzen nah»

Grabsteine sind Zeitzeugen der Geschichte. Sie erzählen von Leben und Tod, von Schicksalen und Epochen. 32 von ihnen wurden in Prerow vor dem Verfall und dem Vergessen bewahrt.

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Die Seemannskirche in Prerow feierte in diesem Jahr ihr 300-Jahr-Jubiläum.

«Es gibt Menschen, die noch wissen, dass das ihre Ur-Ur-Ur-Ur-Großeltern waren», sagt Susan Knoll mit Blick auf die 32 historischen Grabsteine. Hunderte Jahre trotzten sie rund um die Seemannskirche in Prerow Wind, Wetter und Jahreszeiten. Kapitäne, Seefahrer, deren Witwen und Kinder fanden dort ihre letzte Ruhestätte, erzählt die Vorsitzende des Fördervereins der Seemannskirche. Aber Zeit und Witterung hinterließen Spuren. In 1010 Tagen wurden die Grabmale nun saniert und vor dem Zerfall gerettet.

Kapitän J.G. Schmidt und seine Mannschaft dürften auf der Galeasse «Marie Louise» viel gesehen und erlebt haben. Unter seinem Kommando fuhr der Zweimaster von 1836 bis 1851 als Handels- und Frachtschiff, wie aus der Infotafel zu dem Grabstein hervorgeht. Von 1854 bis 1861 war er dann Kapitän auf dem Schoner «Hermann». Auf dem Grabstein steht auch der Name seiner Frau Johanna, geborene Niemann.

Die Grabsteine sind mit oft mit Schiffen unter Segeln verziert oder wie im Fall des Ehepaars Schmidt mit ineinander greifenden Händen aus Zink, die für Verbundenheit mit Mensch und Gott stehen.

Einer der Grabsteine könnte sogar älter sein als die Kirche, die von 1726 an errichtet wurde. Der Stein aus der Zeit um 1720 muss wohl lange als Trittstufe benutzt worden sein, denn die Namen und Jahreszahlen sind nicht mehr festzustellen. Allerdings weist die Darstellung eines altertümlich wirkenden Segelschiffs auf die Ruhestätte eines Schiffers hin.

«Das sind historische Zeugen einer maritimen Geschichte», betont Knoll. Doch viele der Grabsteine waren marode und bröselig, je nach Standort und Steinmaterial.

Nun stehen die Steine wieder rund um die Kirche, einige haben Schutz unter einem neu errichteten Lapidarium gefunden. Die ellipsenförmige Dachkonstruktion wurde von Architekten aus dem Förderverein entworfen und gemeinsam mit regionalen Handwerksbetrieben realisiert.

Die Handwerker aus dem Ort und der Umgebung seien mit Feuereifer und auch mit Verzicht auf große Geldsummen im Einsatz gewesen, berichtet die Vereinsvorsitzende. «Die Handwerker haben auch deshalb so begeistert mitgemacht, weil sie wissen, dass das auch ihre Geschichte ist.»

Das im Januar 2024 begonnene vollständig aus Spenden finanzierte Projekt kostete mit Restaurierung und Lapidarium insgesamt rund 350.000 Euro. Das Geld kam von Einheimischen und Urlaubsgästen, von Steinpaten sowie der Zeit Stiftung Bucerius, der Katharina und Gerhard Hoffmann Stiftung und den Fonds des Landes Mecklenburg-Vorpommern für Vorpommern und das östliche Mecklenburg.

Kreuze sind zwar auf den alten Grabmälern eher selten, aber es gibt sie, etwa beim Grabstein für Heinrich Steinorth, der am 14. Juli 1878 starb und gerade mal 14 Jahre alt wurde. Wie er starb, steht dort nicht. Auch macht das Grabmal nicht viele Worte. Die Lebensdaten sprechen für sich. Den Schmerz der Angehörigen kann man nur erahnen. Auf der Rückseite des Sandsteinkreuzes steht: «Dem Auge fern, - dem Herzen ewig nah!»

Am Freitag findet die Aktion «Rettet die historischen Grabsteine» des Fördervereins ihren feierlichen Abschluss, wenn die 32 restaurierten Grabsteine sowie das Lapidarium der Kirchengemeinde Prerow übergeben werden. Unterstützung aus der Wirtschaft gab es zum Bedauern des Vereins nur wenig. Von den 100 umsatzstärksten Unternehmen in MV, die der Verein zur Rettung des maritimen Erbes anschrieb, kamen nur zwei Antworten und einmal 200 Euro.

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