10. Juni 2026 – dpa
Gefährliche Online-Challenges, manipulative Foren und Täter wie «White Tiger»: Cybermobbing beginnt oft harmlos, kann aber tödlich enden. MV will Kinder und Jugendliche besser davor schützen.
Mecklenburg-Vorpommerns Justizministerin Jacqueline Bernhardt (Linke) will Kinder und Jugendliche besser vor digitaler Gewalt schützen. Es müsse geprüft werden, ob schon die Anbahnung von Manipulationen, die etwa zu selbstverletzenden Handlungen führe, unter Strafe gestellt werden könne, teilte Bernhardt mit. Sie werde dazu einen Beschlussvorschlag auf der Justizministerkonferenz (11./12. Juni) in Hamburg einbringen.
Dabei gehe es etwa um sogenannte Blackout- und Blue-Whale-Challenges, bei denen Minderjährige in einer Sequenz von Aufgaben zu schlimmstenfalls tödlichen Selbstverletzungen verleitet würden, sagte Bernhardt. Oft beginne das systematische Cybermobbing mit einer vermeintlich harmlosen Kontaktaufnahme.
Aber auch Chats, in denen auf geäußerte Suizidgedanken nicht deeskalierend, sondern bestärkend reagiert werde, oder Foren, die Essstörungen als Lebensstil propagierten, zählten dazu. «Auf genau diese Struktur ist das geltende Strafrecht nicht voll zugeschnitten», erklärte Bernhardt. Diese mögliche Schutzlücke müsse geschlossen werden.
Im Januar hatte am Landgericht Hamburg der Prozess gegen einen unter dem Pseudonym «White Tiger» bekannten mutmaßlichen Kriminellen begonnen. Der Angeklagte soll über Kontinente hinweg Minderjährige über das Internet missbraucht haben. Meist soll er sie mit pornografischen Bildern und Videos erpresst und vor laufender Kamera zu immer heftigeren Selbstverletzungen gezwungen haben – bis hin zum Suizid.