10. Oktober 2026 – dpa
Die Rückseite des jahrhundertealten Croy-Bildteppichs sieht man normalerweise nicht. Dabei ist diese Ansicht nicht für Restauratoren sehr interessant.
Im Pommerschen Landesmuseum beginnt am Montag der erste Restaurierungsblock für den rund 470 Jahre alten und mehr als 30 Quadratmeter großen Croy-Teppich. Dazu muss das größte Exponat des Museums zunächst vollständig aufgerollt, gewendet und dann auf dem vorbereiteten Boden vorsichtig ausgebreitet werden. «Das ist relativ aufwändig. Für das Abrollen des Teppichs braucht man fünf Restauratoren», sagte Museumsdirektorin Ruth Slenczka.
Die Vorbereitungen der Schauwerkstatt für die Aktion nehmen viel Zeit in Anspruch; für das eigentliche Abrollen werden nur schätzungsweise 15 Minuten gebraucht. Die Arbeiten können auch von Besuchern verfolgt werden. «Die Rückseite ist deshalb spektakulär, weil man die sonst nicht sieht und weil sie natürlich eine andere Farbigkeit hat», so Slenczka.
Die Restaurierung der Rückseite, die unter anderem Reinigung, Dokumentierung und Kartierung umfasst, soll bis Weihnachten oder etwas früher abgeschlossen sein. Für die Restaurierung der wertvollen Vorseite wird derzeit eigens ein Tapisseriestuhl mit zwei Rollen angefertigt, an dem die Restauratoren dann von Januar an etwa ein halbes Jahr arbeiten und den Teppich vor- und zurückrollen können.
Nicht nur die Ausmaße sind beeindruckend, sondern auch die Geschichte des Stücks. Geschaffen hat es Mitte der 1550er Jahre der Teppichwirker Peter Heyman, der eine große Werkstatt im Stettiner Schloss leitete. Auftraggeber war der Herzog Philipp I. von Pommern, der in einer Gruppe pommerscher Fürsten auch selbst auf dem Teppich zu sehen ist. Möglicherweise war der Teppich als Geschenk für Johann Friedrich den Großmütigen von Sachsen gedacht und verblieb nur deshalb in Pommern, weil dieser 1554 starb.
Der Teppich zeigt das Bekenntnis des pommerschen Fürstenhauses zur Reformation. Nicht der Kaiser, sondern Martin Luther ist auf der Kanzel als höchste Autorität dargestellt. Davor sind zwei Fürstengruppen zu sehen: pommersche und sächsische. Auftraggeber Philipp I. hatte 1536 Maria von Sachsen geheiratet. Luther hatte die Predigt gehalten. Sachsen und Pommern galten als Hochburgen der Reformation.
Verwendet wurden für das Stück Fäden aus Leinen, Schafwolle und Seide. Die Farben wurden den Angaben zufolge in erster Linie aus Pflanzen gewonnen. Dazu kamen Fäden aus echtem Gold und Silber.
Der Teppich wurde zudem gewirkt und nicht gewebt. Das heißt, die horizontalen Fäden verlaufen nicht über die gesamte Breite, sondern immer nur bis zum Rand der jeweiligen Farbfläche. Diese Arbeit war laut Museum äußerst zeitaufwendig. Heymans Werkstatt habe ungefähr zwei Jahre für den Croy-Teppich gebraucht.