07. November 2026 – dpa

Bestattungen

Wenn das Ordnungsamt die Beerdigung übernimmt

Ohne Angehörige oder ohne Geld: Kommunen organisieren in solchen Fällen die Bestattungen. Wie erinnern Städte an Menschen, die niemand zu vermissen scheint?

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Manchmal muss das Ordnungsamt für Bestattungen aufkommen (Symbolbild).

Verwaltungsakt statt Zeremonie: Wer nach dem Tod niemanden hat, der sich kümmert, wird vom Amt bestattet. Auch in Mecklenburg-Vorpommern müssen Kommunen in Dutzenden Fällen jährlich die Bestattung bezahlen. Die Kommunen versuchen zwar, sogenannte bestattungspflichtige Angehörige wie Ehepartner, Eltern oder Kinder ausfindig zu machen. Dies gelingt aber nicht immer.

Die Anzahl der sogenannten ordnungsbehördlichen Bestattungen unterscheidet sich dabei von Stadt zu Stadt, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den größeren Städten in Mecklenburg-Vorpommern ergab. In Rostock werden nach Angaben der Stadt jährlich etwa 200 bis 250 Bestattungen von der Ordnungsbehörde veranlasst, die Zahl steige.

In Schwerin sind es etwa 60 im Jahr, dort nimmt die Zahl ebenfalls zu. Greifswald zählte 20 Fälle im Jahr 2024 und 28 im Jahr 2025. Insgesamt wird hier seit 2022 eine leichte Zunahme verzeichnet. In Wismar und Stralsund war für die Stadtverwaltungen anhand der Zahlen keine Tendenz abzulesen. Sie variierten hier von Jahr zu Jahr. Eine Sprecherin der Stadt Neubrandenburg nannte die Fallzahlen derzeit im Durchschnitt konstant.

Rostock gibt an, dass in etwa 75 Prozent der Fälle keine bestattungspflichtigen Angehörigen ermittelt werden können. In Wismar lag die Quote 2023 bis 2025 zwischen rund 37 und 41 Prozent. Greifswald nennt rund 27 Prozent für 2024 und rund 36 Prozent für 2025, bezogen auf gemeldete Sterbefälle ohne Angehörige. Schwerin nennt keine Prozentzahl, da keine Statistik geführt werde; in der überwiegenden Zahl der Fälle lasse sich dort aber ein Angehöriger finden. In Neubrandenburg wurden in den vergangenen Jahren in der Mehrzahl der Fälle die Kosten von Verwandten übernommen.

Aus den Fallzahlen allein ließen sich keine gesicherten Aussagen zu gesellschaftlichen Ursachen ableiten, teilte die Stadt Stralsund mit. Dennoch gibt es ähnliche Beobachtungen wie veränderte Familienstrukturen. Rostock verweist etwa darauf, dass ein möglicher Grund sei, dass zunehmend Menschen sterben, die nicht in Deutschland geboren wurden. Bestattungspflichtige Angehörige im Ausland zu finden, gestalte sich oft schwierig, da die Zusammenarbeit mit den dortigen Behörden teilweise nicht möglich sei, teilte ein Sprecher mit.

Schwerin nennt zunehmende Kinderlosigkeit und zerrüttete Familien als mögliche Gründe. Ein Sprecher der Stadt Wismar berichtete, dass auffällig sei, dass einige Verstorbene keine Angehörige mehr hätten oder der Kontakt seit vielen Jahren abgebrochen sei. Diese Angehörigen wollten sich nicht um die Bestattung kümmern. Ähnliches ist aus Greifswald zu hören. Manchmal reichten auch die finanziellen Mittel nicht aus, teilte ein Sprecher von Greifswald weiter mit.

Der oftmals einsam Verstorbenen wird in den Städten unterschiedlich gedacht. So wird in Stralsund jährlich eine Gedenkfeier für alle auf Veranlassung der Ordnungsbehörde Bestatteten ausgerichtet. Dabei werden die Namen verlesen und Kerzen entzündet. Greifswald hält am Totensonntag eine ökumenische Gedenkandacht ab. In Rostock, Neubrandenburg und Wismar können Angehörige und Wegbegleiter an der Beisetzung teilnehmen. Auch Schwerin verweist auf öffentlich zugängliche Beisetzungstermine.

Üblicherweise werden die Verstorbenen eingeäschert und in Urnen beigesetzt. Oftmals erinnern Namensplaketten an die Verstorbenen. Beispielsweise in Stralsund können an einem Gedenkstein auch Blumen niedergelegt werden.

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