04. August 2026 – dpa

Atomkraft

Zerlegehalle für DDR-Kernkraftwerksteile wird später fertig

Die Entsorgung der DDR-Kernkraftwerke braucht einen langen Atem. Schon der Bau der dafür notwendigen Anlagen ist langwierig, wie das Beispiel einer speziellen Halle zeigt.

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Am Standort des ehemaligen Kernkraftwerkes in Lubmin wird weiter an einer speziellen Halle zur Zerlegung von Großkomponenten der ehemaligen DDR-Atomkraftwerke gearbeitet. (Archivbild)

Die spezielle Halle zur Zerlegung von Großkomponenten der ehemaligen DDR-Atomkraftwerke im vorpommerschen Lubmin und brandenburgischen Rheinsberg wird später fertig. «Die baulichen Maßnahmen sind in vollem Gange und schreiten auch zusehends voran», erklärte zwar eine Sprecherin der bundeseigenen Entsorgungswerk für Nuklearanlagen GmbH (EWN) auf Anfrage. Allerdings ist inzwischen von einer Fertigstellung im Jahr 2027 und einer anvisierten Inbetriebnahme im Jahr danach die Rede.

Anfang 2025 war noch von einer möglichen Fertigstellung der sogenannten Zerlegehalle (ZLH) in Lubmin zum Ende vergangenen Jahres und einem Betriebsbeginn frühestens Ende dieses Jahres die Rede.

Es gebe verschiedene Gründe für die Verzögerung, so die Sprecherin. «Ein wesentlicher Faktor sind die derzeit branchenweit spürbaren Herausforderungen im Bauwesen, auf die wir als Auftraggeber nur begrenzt Einfluss haben.» Sie verwies auf den anhaltenden Fachkräftemangel, Verzögerungen in den Lieferketten sowie die Verfügbarkeit von Materialien und Komponenten.

«Darüber hinaus stellt die Zerlegehalle aufgrund ihrer besonderen technischen und sicherheitsrelevanten Anforderungen hohe Ansprüche an Planung und Ausführung.» Für einzelne Gewerke sei hochspezialisiertes Know-how erforderlich. Die Sprecherin verwies etwa auf die Krananlage.

In dem Bau sollen später einmal unter anderem die sogenannten Dampferzeuger zerlegt werden, mit denen in den Kraftwerken mittels Wärme Dampf für Turbinen erzeugt wurde, oder auch Druckgefäße. Die Komponenten sollen so zerkleinert und aufbereitet werden, dass sie etwa in den Schacht Konrad im niedersächsischen Salzgitter, dem künftigen Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle, gebracht werden können. Oder die Teile werden gänzlich von Kontamination befreit und konventionell entsorgt. Noch lagern die Großkomponenten aus Brandenburg und Lubmin nebenan im sogenannten Zwischenlager Nord (ZLN).

Kernstück des riesigen Komplexes ist eine etwa 30 Meter hohe, 60 Meter lange und 40 Meter breite Halle mit großen Stahltoren. Die Krananlage soll Hunderte Tonnen Gewicht heben können. In der Mitte befindet sich ein Becken, in dem später Teile unter Wasser ferngesteuert zerlegt werden sollen - zum Schutz vor Strahlen. Auch 90 Zentimeter dicke Betonwände dienen der Abschirmung.

Das Zerlegebecken ist zur Abschirmung mit Edelstahl ausgekleidet und die 44 Tonnen schweren Flügel des großen Tores der Halle sind zur Abschirmung mit Beton gefüllt. Böden und Teile der Wände sind speziell beschichtet, damit etwaige Kontamination nicht einzieht. Abluft wird gefiltert und kontrolliert.

Selbst die körperlichen Bedürfnisse der künftig in dem Bau beschäftigen Menschen unterliegen früheren Angaben zufolge den Sicherheitsvorkehrungen. Demnach darf später nur in einem einzigen Raum gegessen werden, wegen der Gefahr, anderswo mögliche Kontamination dabei aufzunehmen. Auch Toiletten werde es im Kontrollbereich nicht geben, weil das Abwasser ansonsten speziell behandelt werden müsste.

Ende 2018 waren die Gründungsarbeiten gestartet und im Sommer 2020 der Rohbau der ZLH. Unter anderem die Corona-Pandemie hatte wiederholt zu Verzögerungen geführt.

Die Sprecherin erklärte: «Betrachtet man jedoch die Dimension und Komplexität des Projekts, bewegt sich diese Verzögerung nach wie vor in einem Rahmen, der durchaus auch deutlich größer hätte ausfallen können.»

Und was ist mit den Kosten? «Selbstverständlich bleiben Verzögerungen bei einem Projekt dieser Größenordnung nicht ohne Auswirkungen auf die Kosten.» Jeder zusätzliche Bautag verursache Mehraufwendungen. «Insofern ist davon auszugehen, dass sich die Gesamtkosten erhöhen werden.» Belastbar könne man dies nicht beziffern. Auch 2025 hatte EWN, die sich um den Abbau der ehemaligen Kernkraftwerke in Lubmin und Rheinsberg kümmert, keine Schätzung abgegeben. 2018 war einmal von mehr als 40 Millionen Euro die Rede.

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