25. Oktober 2026 – dpa
1952 stieß das Wiedergutmachungsabkommen zwischen der Bundesrepublik und Israel auf Widerstand – auch unter den Betroffenen. Was die Ausstellung in Neuengamme über die schwierigen Anfänge erzählt.
Sieben Jahre nach dem Ende des Holocaust schlossen die Bundesrepublik Deutschland und Israel ein Abkommen, das die Not der überlebenden Opfer lindern sollte. Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) und der israelische Außenminister Moshe Scharett unterzeichneten es am 10. September 1952 in Luxemburg. An dem sogenannten Wiedergutmachungsabkommen war auch die «Conference on Jewish Material Claims against Germany», beteiligt. Sie machte die materiellen Ansprüche jüdischer Opfer außerhalb Israels geltend.
74 Jahre später ist in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme eine Wanderausstellung zu dem Abkommen zu sehen. Sie zeigt die Geschichte jüdischer Ansprüche nach dem Holocaust und die deutschen Bemühungen, Verantwortung für die NS-Verbrechen zu übernehmen. Die Ausstellung macht nach Angaben der Gedenkstätte deutlich, dass die Verbrechen nicht im Wortsinn «wiedergut-gemacht» werden könnten, die Bemühungen zum Wohle der Opfer aber nicht enden dürften.
Die Schau ist ein gemeinsames Projekt des Bundesfinanzministeriums und der Claims Conference in Kooperation mit dem Knesset-Museum des israelischen Parlaments. Sie war am 6. September 2022 durch die damalige Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) eröffnet worden.
«Für die Opfer der Shoa war es eine Zumutung, Geld aus dem Land der Mörder anzunehmen», sagte Bas in ihrer Ansprache zur Eröffnung. Der Vertreter der Claims Conference, Nahum Goldmann, sei als Verräter beschimpft worden. Im israelischen Parlament habe es emotionale Debatten gegeben, auf den Straßen von Tel Aviv heftige Tumulte. Auch Adenauer habe für das Abkommen kämpfen müssen, gegen starke Widerstände in Politik und Gesellschaft.
Jüdisches Leben zu fördern und seine Sicherheit zu garantieren, sei eine Verpflichtung unseres Staates und unserer Gesellschaft. «Wir alle müssen entschieden gegen jede Form von Antisemitismus vorgehen», betonte die damalige Bundestagspräsidentin.
Nach Angaben des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages wurde 1952 eine Globalentschädigung in Höhe von 3 Milliarden D-Mark an den Staat Israel sowie eine Zahlung von 450 Millionen D-Mark an die Jewish Claims Conference vereinbart. Dem Auswärtigen Amt zufolge zahlte Deutschland bis Ende 2024 rund 85 Milliarden Euro an Entschädigungen. Zum Vergleich: Der Bundeshaushalt 2026 beträgt rund 525 Milliarden Euro.
Die Ausstellung ist bis zum 13. Dezember in den ehemaligen Walther-Werken auf dem Gelände der Gedenkstätte zu sehen.