10. September 2026 – dpa

Soziale Angelegenheiten

Bürgerbeauftragte für Soziales erhält mehr Anfragen mit KI

Die Bürgerbeauftragte verzeichnet etwas weniger Anfragen als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre, aber die Anliegen werden komplexer – und immer öfter von KI formuliert.

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«Wer sich in prekären Lebenssituationen befindet und zwingend auf existenzsichernde Leistungen angewiesen ist, kann sich Geduld einfach nicht leisten», sagte Anke Erdmann.

Immer mehr Anfragen an die schleswig-holsteinische Bürgerbeauftragte für soziale Angelegenheiten, Anke Erdmann, werden mit Hilfe Künstlicher Intelligenz verfasst. «Das ist für das Team echt eine Herausforderung, weil man oft extrem lange, sehr gut gegliederte Mails bekommt auf den ersten Blick, auch sehr formale Sprache», sagte sie bei der Vorstellung ihres Tätigkeitsberichts auf einer Pressekonferenz in Kiel.

Um herauszufinden, was die Menschen mit ihren Anfragen wollen, brauche es allerdings oft den direkten Kontakt. Denn die KI bringe dies oftmals nicht auf den Punkt oder nenne Gerichtsurteile, die es gar nicht gebe. Allerdings nutzten auch Menschen, die etwa der deutschen Sprache nicht mächtig seien, Künstliche Intelligenz, um sich an die Bürgerbeauftragte zu wenden.

Erdmann betonte: «Es ist auch auf einer Seite eine Ermächtigung für Leute und eine Vereinfachung, weil sie sich dann sicherer fühlen, mit uns überhaupt in Kontakt zu treten.»

Insgesamt hat die Bürgerbeauftragte im vergangenen Jahr etwas weniger Eingaben erhalten als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Insgesamt gingen 2025 genau 3.139 Anfragen ein. In den vergangenen 10 Jahren waren es im Schnitt immer 3.370 Anfragen.

Die meisten Anfragen, so Erdmann, betrafen die Grundsicherung für Arbeitsuchende – genau 674 Fälle. Das hing unter anderem mit den bundesweiten Reformdebatten zum Bürgergeld zusammen. Zugleich seien die Anfragen insgesamt komplizierter und vielschichtiger geworden, hieß es.

Überdies meldeten sich immer wieder Menschen, die dringend und viel zu lange auf Entscheidungen von Sozialbehörden warten. «Wer sich in prekären Lebenssituationen befindet und zwingend auf existenzsichernde Leistungen angewiesen ist, kann sich Geduld einfach nicht leisten», führte Erdmann aus.

Deshalb sammelte die vorherige Beauftragte Samiah El Samadoni zusammen mit den Kommunalen Spitzenverbänden praxisnahe Vorschläge, um Abläufe in Sozialämtern zu beschleunigen: weniger anlasslose Prüfungen, eine flachere Prüftiefe bei Weiterbewilligungen und mehr Pauschalierungen könnten helfen.

«Wenn Behörden einzelne Vorgänge nicht so oft in die Hand nehmen müssten, wäre viel gewonnen», betonte die Bürgerbeauftragte.

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