04. September 2026 – dpa
Landwirte wünschen sich sichere Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und klare Perspektiven. Warum der Bauernverband jetzt politischen Druck aufbauen will.
Der Bauernverband Schleswig-Holstein fordert eine klare Zukunftsperspektive von der Politik. «Wir als Bauernfamilien in Schleswig-Holstein brauchen Verlässlichkeit, Rahmenbedingungen über Jahre hinaus, damit wir unternehmerische Entscheidungen treffen können», sagte Bauernpräsident Klaus-Peter Lucht beim schleswig-holsteinischen Bauerntag in Rendsburg. Es müsse in Ställe und Maschinen investiert werden.
Mit Blick auf Landes- und Bundesregierung sagte Lucht, es sei ein großes Problem, dass Wähler nicht mehr erkennen könnten, wofür die Parteien stehen. Er wünsche sich mehr Profil von den Parteien der Mitte. Wenn in einer Koalition ein Partner eindeutig stärker sei, dann muss sich das nach Luchts Überzeugung entsprechend wiederfinden. «Ich will auch die soziale Marktwirtschaft, ich will einen Sozialstaat, aber das bedeutet, dass wir auch eine starke Wirtschaft brauchen, die das alles bezahlen kann.»
Indirekt kritisierte er die Grünen in der Landesregierung, die seiner Meinung nach zu sehr auf Ordnungsrecht setzen und zu wenig Vertrauen in die Landwirtschaft hätten. Dabei wüssten die Bauern sehr genau, wie gute Tierhaltung und umweltschonender Anbau gehe.
Mit Blick auf die CDU von Ministerpräsident Daniel Günther sagte Lucht, ihm fehlten Kernaussagen, wie es in der Agrarpolitik weitergehen solle. Beim Ausweisen von Schutzgebieten etwa forderte er Zurückhaltung. «Da muss die CDU auch eine vernünftige Position beziehen.» Er kündigte an, der Bauernverband werde Druck machen.
Lucht verwies auf das mit Partnern gerade gegründete Aktionsbündnis ländlicher Raum. «Wir wollen Parteien vor uns herschieben, ein bisschen jagen vielleicht auch, damit sie eine Politik machen, die für den ländlichen Raum da ist.» Es müsse darum gehen, den ländlichen Raum stark zu halten.
Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) lobte die Arbeit der Landwirte im Land und brach eine Lanze für den Beruf. Dieser sei besonders schön und auf ihn seien alle Bäuerinnen und Bauern zu Recht stolz. «Ich weiß, danke ist wichtig, aber ich weiß auch, danke bezahlt nicht Ihre Rechnungen», sagte sie den mehr als Tausend Anwesenden auf dem Bauerntag am Rande der Landwirtschaftsmesse Norla.
Schmachtenberg bestärkte die Landwirte in ihren Forderungen etwa nach Bürokratieabbau und dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Sie setze sich für die Tierhaltung in Schleswig-Holstein ein, denn es sei viel besser, Nutztiere unter guten Bedingungen hier zu halten als aus Ländern zu importieren, die geringere Standards haben.
Heimische Landwirtschaft sei wichtig für die Ernährungssicherheit. «Die ganze Wirtschaft lebe davon, «dass Sie täglich im Stall stehen, dass Sie täglich auf dem Acker sind.» In den globalen Krisen sei es richtig, über Verteidigung zu sprechen. «Aber wir dürfen dabei die Landwirtschaft nicht vergessen.»