11. September 2026 – dpa
Innensenator Grote erinnert in Hamburg an die Opfer der Anschläge vom 11. September 2001. Die Sicherheitsbehörden hätten ihre Lektion gelernt, betont er - und mahnt vor jeder Art Extremismus.
Am 25. Jahrestag der Anschläge vom 11. September in den USA haben Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) und US-Generalkonsul Scott Woodard Blumen an einem Gedenkstein für die Opfer niedergelegt. «Es war der verheerendste, furchtbarste Terroranschlag, der größte Terroranschlag, den es je gegeben hat in der Geschichte der Menschheit», sagte Grote in einer Ansprache. Er erinnerte an die Welle des Mitgefühls, die damals Zehntausende Hamburger ergriff.
«Betroffen und erschüttert waren wir in Hamburg auch, als wir erfahren mussten, dass ein wichtiger Teil der Täter, Schlüsselfiguren der Tat, in Hamburg gelebt haben und die Taten hier entscheidend vorbereitet wurden», sagte der Senator. Die Sicherheitsbehörden hätten damals gelernt, dass sie der islamistischen Gefahr mit anderer Härte, Konsequenz und Kraft entgegentreten müssen. «Aber seitdem haben wir das getan.» Viele Anschläge auch in Hamburg seien von den Sicherheitsbehörden verhindert worden.
Es sei aber nicht nur der Islamismus, der uns bedrohe. «Jeder Extremismus führt - das ist in seiner Natur - spätestens, wenn er auf Widerstand triff, und das tut er in jeder Demokratie, führt er zu Gewalt und zu Terror, früher oder später», sagte Grote. Es sei die wichtigste Aufgabe der Sicherheitsbehörden, die freiheitliche Demokratie, die Grundlage unserer Freiheit, gut zu beschützen.
Bei den Anschlägen auf das World Trade Center in New York, das Pentagon in Washington und beim Absturz eines entführten Flugzeugs in Pennsylvania waren damals 2.977 Menschen aus 84 Ländern getötet worden, wie die Konsulatsmitarbeiterin Deborah Steinborn sagte. Sie hatte damals als Journalistin in Manhattan gewohnt und die Anschläge auf das World Trade Center von ihrer Wohnung im 12. Stock eines Hochhauses verfolgt.
«Wir waren alle unter Schock», sagte Steinborn. Es habe immer wieder Alarme wegen angeblicher weiterer Anschläge gegeben. In der Luft seien nur Kampfflugzeuge gewesen. Die Telefone hätten nicht funktioniert. Am Abend sei ihre beste Freundin völlig von Asche verhüllt zu ihr gekommen und drei Tage in ihrer Wohnung geblieben. Drei andere Freunde habe sie bei den Anschlägen verloren. Ihr Bruder habe am nächsten Tag bei der Bergung von Opfern geholfen. Heute leide er unter gesundheitlichen Schäden nach dem Einatmen von Qualm und Staub.
Generalkonsul Woodard würdigte die Feuerwehrleute, die damals in das brennende World Trade Center gingen, um Menschen zu retten. Die Blumen und Kerzen, die damals Tausende Hamburger zum damaligen Sitz des Generalkonsulats brachten, hätten die transatlantische Freundschaft gestärkt. Die Blumen seien längst vergangen, die Kerzen erloschen, aber: «Mut, Menschlichkeit und Freundschaft bestehen länger als Hass», sagte Woodard. Er hatte den Anschlag damals in Washington erlebt und den Rauch über dem Pentagon und ein riesiges Loch in dem Gebäude gesehen.
Unter den Menschen, die ebenfalls Blumen niederlegten, war auch die Schwester eines Opfers aus Ahrensburg bei Hamburg. Ihr Bruder habe damals als Geschäftsführer einer Firma eine Ausstellung im World Trade Center aufgebaut, als die Flugzeuge einschlugen, sagte Sibylle Dircks, die ein Foto ihres Bruders dabeihatte. Der 42-Jährige war eines der elf deutschen Opfer.
Drei der vier Todespiloten, Mohammed Atta und Marwan Alshehhi sowie Ziad Jarrah, hatten in Hamburg studiert. Sie waren in den 90er Jahren nach Deutschland gekommen. Atta, Alshehhi und Ramzi Binalshibh, der «Bankier» der Hamburger Terrorzelle, wohnten gemeinsam in der Marienstraße 54 in Harburg. Weitere Mitglieder des Terrornetzwerks Al-Kaida sollen dort aus- und eingegangen sein. Atta und Alshehhi waren an der Technischen Universität in Hamburg-Harburg (TUHH) immatrikuliert. Auf dem Campus trafen sie sich in einer Islam-AG.