11. September 2026 – dpa
Von Kulthit-Cover bis Bundesliga-Sendung: Radiopreis-Gewinner liefern Vielfalt. Wer sich über eine Auszeichnung freuen konnte und welche Themen im Fokus standen.
Begleitet von der Hommage einer Fernseh-Moderatorin sind am Abend in Hamburg die Deutschen Radiopreise verliehen worden. «Ich liebe das Radio», sagte «Tagesschau»-Sprecherin Susanne Daubner vor rund 1.000 geladenen Gästen im Stage Theater an der Elbe. Vor fast 40 Jahren habe sie dort ihre ersten Erfahrungen machen dürfen, völlig unabgelenkt von irgendwelchen Äußerlichkeiten, konzentriert nur auf Information, Inhalt, Sprache und Stimme. Radio brauche keine Filter, «nur Menschen, die zuhören und Menschen, die was zu sagen haben».
Dann kündigte Daubner in einer humorvollen Wettervorhersage einen «Preis-Regen» an, der gleich darauf einsetzte. In der Kategorie «Bestes Informationsformat» ging der Radiopreis an WDR 2 für den Podcast «Inside CumEx - Jagd auf die Steuer-Mafia» von Massimo Bognanni und Adrian Breda. So tief und so fesselnd sei man noch nicht in die komplexe Materie des Cum-Ex-Skandals eingestiegen, begründete die unabhängige Jury des Grimme-Instituts ihre Entscheidung.
Der Deutsche Radiopreis für das beste Entertainment wurde an den Radiosender NDR 2 vergeben. Ausgezeichnet wurde die Reihe «Barmbek Bump - Prange vs. Rohde» von Andreas Altenburg mit den Schauspielern Olli Dittrich und Bjarne Mädel. Die Grimme-Jury würdigte die Reihe als besonders unterhaltsames Radioformat. Es gelinge, Alltägliches pointiert aufzubereiten und mit starken Persönlichkeiten sowie hohem Wiedererkennungswert zu verbinden. Dittrich und Mädel sorgten als Protagonisten für den besonderen Humor der Reihe.
Für eine Reportagereihe über sexualisierte Gewalt und Grooming im Schulsystem wurde Deutschlandfunk Nova mit dem Radiopreis in der Kategorie «Beste Reportage» ausgezeichnet worden. Die mehrteilige Reihe «Die Lieblingsschülerin» von Britta Rotsch und Taiina Grünzig verbinde intensive Recherche mit Aufklärung und setze ein Zeichen gegen das Schweigen über das Thema, begründete die unabhängige Jury des Grimme-Instituts ihre Entscheidung.
Die Autorinnen dokumentierten anhand der Schicksale betroffener Frauen, wie missbräuchliche Abhängigkeiten im Schulalltag entstehen können. Zugleich zeige die Recherche Lücken in Aufsicht und Institutionen auf. Die Jury würdigte die Reihe als hochrelevant und handwerklich meisterhaft.
Ein weiterer Preis wurde in der Kategorie «Bestes Musikformat» an R.SA (Grit Fischer-Hermann und Torsten Birenheide, «Die R.SA Kulthit-Cover») vergeben. Die Auszeichnung für die «Beste Sendung» ging an Gong 96.3 für «Take-Over - Bully & Rick übernehmen die Mike Thiel Show», in der Michael Bully Herbig und Rick Kavanian eine etablierte Morgensendung übernahmen.
Als «Beste Programmaktion» wurde Antenne Münster mit Malena Stöhler und Tino Tiede für «Die Antenne Münster Lokalrunde» geehrt, als «Beste Moderatorin» Evren Gezer von Hit Radio FFH gefeiert.
Ausgezeichnet wurde auch 1Live vom WDR für die «Beste Morgensendung». Jule Blaase und Celina Pegel gewannen in der Kategorie mit ihrer Sendung «1LIVE Pegel & Blaase». Melina «Mille» Sander führte nach Ansicht der Jury mit «Mille meets Disarstar» auf Kiss FM das beste Interview.
Als «Beste Newcomerin» wurde Sina Wende von Bayern 1 geehrt. Die frühere TV-Sportjournalistin moderiert seit September 2025 die Bundesliga-Sendung «Heute im Stadion». Ein Ehrenpreis ging postum an den amerikanischen Moderator Rik De Lisle (1947-2026), der mit seinen Musiksendungen bei AFN und später beim Rias in beiden Teilen der damals geteilten Stadt Berlin viele Hörer begeisterte. «Für viele Menschen war das mehr als Unterhaltung: ein kleines Stück Freiheit», sagte der Sänger Rea Garvey in seiner Laudatio.
Die Grimme-Jury wählte die Gewinner und Gewinnerinnen aus mehr als 400 eingereichten Beiträgen in den zehn Kategorien aus. Die Auszeichnungen wurden unter anderem von Guido Maria Kretschmer, Pinar Atalay und Lutz van der Horst überreicht. Durch den Abend führten Katrin Bauerfeind und Thorsten Schorn.
Neben den Preisträgerinnen und Preisträgern stand auch die Musik im Mittelpunkt der Gala. Peter Maffay trat gemeinsam mit Johannes Oerding auf. Weitere musikalische Beiträge kamen von Tiffany Aris, Rea Garvey, Zah1de sowie Benét Monteiro aus dem Cast des Musicals «MJ – Das Michael Jackson Musical».