07. November 2026 – dpa

Über Genre-Grenzen hinweg

Hamburg: Festival-Auftakt mit animierter Barockoper

«Opera And Animation» heißt eine dreitägige Veranstaltung, zu der die Hamburgische Staatsoper auch ins Kino einlädt. Bei der Eröffnung feiert das Publikum «Dido And Aeneas» zugleich als Trickfilm.

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Bei der Eröffnung feiert das Publikum «Dido And Aeneas» zugleich als Trickfilm., Foto: Matthias Baus/Hamburgische Staat

Trickfilm trifft Musiktheater: Henry Purcells barockes Musiktheaterwerk «Dido And Aeneas» von 1688/89 als Live-Animationsoperperformance - das gab es am Freitagabend zum Premieren-Auftakt beim dreitägigen Festival «Opera And Animation» in Hamburg. Auf der Studiobühne «opera stabile» der Hamburgischen Staatsoper gestalteten sieben Musikerinnen und Musiker sowie ein vierköpfiges Gesangsensemble die unglückliche mythologische Liebesgeschichte. Dabei projizierten die zwei Sänger und zwei Sängerinnen an Pulten einen just entstehenden Trickfilm mit dunklen Silhouetten ihrer Rollenfiguren auf farbigen Kulissentüchern, die das antike Karthago abbilden.

Das unkonventionelle Projekt des Regisseurs Nils Voges vom Kollektiv sputnic und unter der musikalischen Leitung von Tohar Gil erweiterte die knapp einstündige Komposition Purcells zudem um neuere Klänge von Alban Berg. Und die Figur der Königin Dido zeichnete es Zeitgeist-gerecht nicht nur als unglücklich Liebende, sondern auch als Machtpolitikerin eigenen Ranges. Das Publikum zeigte sich animiert und spendete am Ende großen Beifall - allen voran den berührend leidenschaftlich singenden Interpreten Aebh Kelly (Dido), Nicholas Mogg (Aeneas), Shira Patchornik (Belinda) und Kang Seo (Iarbas).

Zuvor hatte Staatsopern-Intendant Tobias Kratzer im benachbarten Metropolis-Kino das Genre-übergreifende Festival eröffnet, zu dem sein Haus gemeinsam mit VRHAM! - der Biennale für immersive und digitale Kunst in Hamburg - einlädt. Kratzer sprach von einem «Experiment» und verwies darauf, was Animation, Animationsfilme und Oper gemeinsam hätten: Alle sprächen eine Sprache jenseits des Sagbaren, die zu einer universellen Sprache würde. «Spaß und Tiefe» kämen zusammen - das würde viele Menschen ansprechen.

Hamburgs Senator für Kultur und Medien, Carsten Brosda (SPD), erklärte anschließend, das Festival sei ein Angebot, «sich von Kunst auch mal in Kindheitsträume entführen zu lassen.» Bei einer Durchbrechung von Genre-Grenzen könne «Neues, Anderes und Besseres» entstehen. Zugleich betonte der Kulturpolitiker, dass «Oper eine dezidiert analoge Kunstform» sei, das Digitale hier immer nur Ergänzung.

Ebenfalls Teil der Eröffnung waren zwei kurze Opernparodien der Trickfilmpionierin Lotte Reiniger (1899-1981) - «Papageno» (1933) und «Carmen» (1935), musikalisch begleitet von Christian Seibold, Klarinettist des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg.

Das Festival bietet noch zwei weitere Premieren - Igor Strawinskys «Petruschka» und Maurice Ravels «L'enfant et les sortilèges» des international arbeitenden Künstlerkollektivs «1927». Das Werk ist eine Übernahme der Koproduktion der Komischen Oper Berlin und der Deutschen Oper am Rhein. Zum Festival-Abschluss am Sonntag um 18 Uhr im Großen Haus soll Engelbert Humperdincks Märchenoper «Dornröschen» neu entdeckt werden. In der multimedialen Inszenierung von Anna Bergmann verbinden sich romantische Oper, Animation, Video, Schauspiel und Tanz zu einer Märchenwelt der besonderen Art.

Die musikalische Fassung von Markus Poschner und Anna Bergmann ergänzt Humperdincks Klänge um Werke von Weber, Gounod, Wagner, Tschaikowsky und Prokofjew sowie Songs der Spice Girls, Madonna und Cher. Laut Kratzers Eröffnungsworten sei alles «eine große Fantasy-Show» und «ein Spektakel für Menschen von sieben bis 117» inklusive Akrobatik.

Das Festival-Programm runden bekannte Animationsfilme im Metropolis-Kino, die interaktive Installation «The Golden Key» der New Yorker Marc Da Costa und Matthew Niederhauser im Foyer der Staatsoper, ein Sing-Workshop und Premierenpartys ab.

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