24. Juni 2026 – dpa
Nur ein kleiner Teil der Hamburger Wohnungen ist für ältere Menschen geeignet. Warum Experten vor einem wachsenden Mangel an altersgerechtem Wohnraum warnen.
Hamburg läuft einer Studie zufolge auf einen massiven Mangel an altersgerechten Wohnungen zu. So seien derzeit nur 57.600 der mehr als eine Million Wohnungen so gebaut, dass ältere Menschen darin auch mit einem Rollator oder einem Rollstuhl ideal klarkämen, heißt es in einer Untersuchung des Pestel-Instituts im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB). Auf der anderen Seite gingen in den kommenden zehn Jahren aber rund 245.600 Babyboomer in Rente.
«35 Prozent aller Hausflure in Hamburg sind nicht breit genug, um mit dem Rollstuhl wirklich gut durchzukommen», sagte der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther. Das allein betreffe schon rund 347.400 Wohnungen. Zudem seien 401.600 Küchen und 551.400 Bäder zu klein, um dort mit einem Rollstuhl zu wenden. Und das Wichtigste für einen Verbleib in der eigenen Wohnung, eine bodengleiche Dusche, gebe es nur in rund 171.200 Hamburger Wohnungen.
«Auf Dauer ist jede altersgerechte Sanierung günstiger als ein Umzug ins Heim», erklärte BDB-Präsidentin Katharina Metzger. Schon rein volkswirtschaftlich müsse der Staat also ein Interesse daran haben, mehr Seniorenwohnungen zu schaffen. «Vor allem aber geht es um den Wunsch der Menschen selbst: Die meisten wollen in den eigenen vier Wänden alt werden und solange es geht zu Hause bleiben», sagte Metzger.
Neubau könne zwar helfen. «Aber die Lösung liegt ganz klar im seniorengerechten Umbau der Wohnungen, in denen die Boomer heute wohnen», sagte die BDB-Präsidentin. Doch dazu seien «Boomer-Zuschüsse» vom Bund notwendig. «Die heute gängige staatliche Unterstützung von zehn Prozent beim Bad-Umbau ist nichts anderes als ein "Placebo-Zuschuss"», sagte Günther. Der reiche auf keinen Fall, «um eine effektive Umbauwelle fürs Seniorenwohnen in Deutschland loszutreten».