13. Juni 2026 – dpa
In Lastwagen oder den Autos von Urlaubern gelangen Asiatische Tigermücken nach Deutschland. Auch in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern erwarten Experten bald Vorkommen.
Weit fliegen Asiatische Tigermücken nicht - sie können aber exotische Viren übertragen. Ursprünglich aus dem asiatisch-pazifischen Raum stammend, gibt es mittlerweile auch mancherorts in Deutschland viele fest etablierte Populationen der invasiven Insekten.
«Sie werden früher oder später auch nach Norddeutschland kommen», sagt der Biologe Helge Kampen vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald der Deutschen Presse-Agentur. Das Institut betreibt ein Labor für Stechmücken-Monitoring.
In Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern sind die Mücken bisher nicht beobachtet worden. «Dass sich dort bisher noch keine Population gefunden hat, ist Zufall - aber irgendwann wird es passieren», sagt Kampen. Gründe dafür seien unter anderem, dass die wärmeliebenden Mücken nicht immer einen Brutplatz finden und bei der Vermehrung nicht immer erfolgreich sind.
Aufgetreten sei die Tigermücke bisher vor allem im Südwesten Deutschlands. Berlin ist laut einer jüngsten FLI-Erhebung vom Dezember 2025 der nördlichste Ort mit etablierten Populationen in der Bundesrepublik. In diesem Jahr gibt es laut FLI bisher nur einzelne erste Hinweise auf die Mücken.
Seit den 1990er Jahren hat sich die Mückenart demnach massiv in Südeuropa und Teilen Mitteleuropas ausgebreitet. Von dort gelangt sie beispielsweise in Lastwagen oder in Autos von Urlaubern auch bis nach Deutschland. «Die Türen gehen auf und die Mücken steigen aus», sagt Kampen dazu.
Die Mückenweibchen fliegen generell dem Menschen hinterher, «weil sie Blut saugen wollen». Ob sie dabei in ein Auto gelangen, habe weniger mit der Anzahl der Autos zu tun als mit der Mückendichte. In Italien ist die Tigermücke weit verbreitet und die Dichte hoch, «so dass man gute Chancen hat, wenn man nicht aufpasst, eine Tigermücke mit nach Deutschland zu bringen», sagt der Experte.
«Haupteintrittspforte ist die A5 zwischen der Schweiz und Deutschland, dort kommt die Hauptmasse an Verkehr aus Südeuropa über Italien rein», sagt Kampen. Teilweise werden auch Eier transportiert und dadurch verbreitet - zum Beispiel in Gefäßen mit Wasser auf Außenstellflächen von Baumärkten.
Die Tigermücke fliege üblicherweise nur rund 100 bis 200 Meter und breite sich nicht aktiv aus. Eine neue Population entstehe durch die Verschleppung von Mücken oder deren Eiern durch den Menschen.
Um ihre Eier abzulegen, brauchen die Insekten laut Kampen stehendes Wasser - bevorzugt «klein, künstlich, und im Siedlungsgebiet». Beispiele dafür sind winzige Wassergefäße wie Vogeltränken, Blumenuntersetzer oder Sandförmchen von Kindern, in denen sich Regenwasser sammelt.
Die Eier werden am Rand der Gefäße abgelegt. «Steigt der Wasserstand durch Regen, werden die Eier geflutet und die Larven schlüpfen», sagt der Experte. Bei rund 25 Grad dauert es ungefähr 12 bis 14 Tage, bis die Mücken schlüpfen.
Die körperlichen Beschwerden nach einem Stich unterscheiden sich normalerweise nicht von anderen Mückenstichen. Die Asiatische Tigermücke kann jedoch Krankheitserreger wie das Dengue-Virus, das Zika-Virus oder das Chikungunya-Virus übertragen.
Bisher ist in Deutschland allerdings kein Fall bekannt, bei dem eine hier lebende Tigermücke eine solche Erkrankung durch einen Stich übertragen hat. Experten halten das wegen des Klimawandels aber nur für eine Frage der Zeit.
Gewöhnlich sind die ersten Tigermücken frühestens ab Mai unterwegs. In diesem Jahr wurde dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) nach eigenen Angaben aber schon im Februar die erste Tigermücke aus dem Raum Bonn gemeldet.
Asiatische Tigermücken sind nur etwa einen halben bis einen Zentimeter groß und haben auffällige schwarz-weiße Streifen. Dies trifft aber auch auf einige andere Mückenarten in Deutschland zu.
Krankheiten können aber auch durch die heimische Culex-Mücke übertragen werden, wie das Institut für Hygiene und Umwelt in Hamburg der dpa mitteilte. Diese Mücke kann als Überträger vom West-Nil-Virus dienen.
«In Hamburg gibt es bisher West-Nil-Virus-Nachweise bei Vögeln und bei Pferden, jedoch noch nicht beim Menschen.» Das Virus, das in der Tat vor allem Vögel und Pferde befällt und potenziell tödlich verlaufen kann, war zuletzt in einzelnen Fällen auch in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern festgestellt worden.
Gegen Mückenstiche kann man sich nach Angaben des Instituts durch das Tragen langärmeliger heller Kleidung und das Verwenden von Mückenspray sowie Moskitonetze oder Mückengitter schützen.