28. Juni 2026 – dpa
Die Kieler Woche ist am Sonntag mit einem letzten Kurzprogramm zu Ende gegangen. Die 132. Ausgabe ist Geschichte. Intensiv geworben wurde für eine olympische Zukunft.
Ein letztes Mal hat der laue Sommerwind am Finalsonntag der 132. Kieler Woche seine Kapriolen geschlagen. Noch einmal hatten die internationalen Bootsklassen mit widrigen Bedingungen zu kämpfen. Die Wettfahrten wurden gestartet, mussten aber nach drastischen Winddrehern immer wieder abgebrochen werden. Dann ging Deutschlands älteste Segelwoche nach Flautenausfällen in Serie mit einigen letzten Rennen zu Ende.
«Diese Kieler Woche war leichtwindig und warm, die Stimmung aber sehr positiv. Es lag ein Hauch von Olympia in der Luft», zog Sportchef Dirk Ramhorst nach neun Tagen Bilanz. Rennen in flauer Brise, viele Verschiebungen und Ausfälle haben 144 Jahre nach der Kieler-Woche-Premiere 1882 im ungewöhnlich heißen Juni vor allem Leichtwindsegelkunst und Geduld gefordert.
Knapp 4.000 Aktive aus 51 Nationen zählten die Veranstalter. Sie blickten am Finaltag auf eine anspruchsvolle Regattaserie mit rund 200 Starts zurück. Szabolcs Majthenyi und Andras Domokos werden das besonders gerne tun. Die Ungarn gewannen zum 15. Mal seit 1994 den WM-Titel in der früheren Olympia-Klasse Flying Dutchman. Bestes deutsches Duo waren nach nur vier Rennen die zweimaligen Weltmeister Kay-Uwe Lüdtke/Kai Schäfers (YC Berlin-Grünau/Hannoverscher YC), die Silber holten.
Genutzt haben die Veranstalter die Kieler Woche intensiv als Visitenkarte für die Kieler Bewerbung als Segelpartner für mögliche Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland 2036, 2040 oder 2044. Hier stehen die Kieler in Konkurrenz zu Rostock-Warnemünde. Ramhorst: «Wir haben die Begeisterung für den Segelsport und Kiel-Schilksee geweckt.»
Zu den prominenten Besuchern zählten neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der auch einen Segeltörn mit Boris Herrmann auf dessen Schiff «Malizia Explorer» erlebt hatte, auch Gäste aus den Hauptbewerberregionen um Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland. Nach dem Nein Hamburgs sind noch Berlin, München und die Region Rhein-Ruhr im Rennen. Die Entscheidung will der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bei seiner Mitgliederversammlung am 26. September in Baden-Baden treffen.
Boris Herrmann, dessen neue Rennyacht für Mannschafts- und Solorennen um die Welt am 6. Juli in Lorient in Frankreich vom Stapel läuft, ist bekennender Kiel-Fan und sagte an der Förde: «Wo immer Olympia in Deutschland stattfindet: Segeln sollte in jedem Fall gerne in Kiel stattfinden. Da wären wir alle froh und stolz.» Mit einmal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze hatten die Nationalsegler in der ersten Kieler-Woche-Halbzeit gezeigt, dass mit ihnen olympisch zu rechnen ist.