18. August 2026 – dpa
69. Verhandlungstag
Die Verteidigung im Block-Prozess ist sauer, weil offenbar Informationen aus einem nicht öffentlichen Gutachten weitergegeben wurden. Vorwürfe werden laut. Was die Vorsitzende Richterin sagt.
Im Hamburger Prozess um die Entführung der Block-Kinder haben mehrere Verteidiger ihre Verärgerung darüber geäußert, dass Teile eines nicht öffentlichen Gutachtens in die Öffentlichkeit gelangt seien. Seine Mandantin sei erschüttert, sagte Ingo Bott, Anwalt der angeklagten Unternehmerin Christina Block.
«Mir gefällt das auch nicht», sagte die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt. Sie habe aber keinen Einfluss darauf, ob jemand etwas weitergebe, und sei nicht der «Wachhund» oder «Babysitter» für die Prozessbeteiligten. Verteidiger David Rieks, der Blocks Lebensgefährten Gerhard Delling vertritt, merkte an, die Staatsanwaltschaft könne aber etwas dagegen unternehmen.
In Abwesenheit der Zuschauer hatte die Sachverständige Mareike Schüler-Springorum kürzlich die Folgen der Entführung in der Silvesternacht 2023/2024 für die Kinder beschrieben. Sie waren damals ihrem Vater entrissen, in ein Auto gezerrt und nach Deutschland gebracht worden. Nach vier Verhandlungstagen hatte die Kammer die Öffentlichkeit wieder zugelassen.
Am Rande der Verhandlung wies die Nebenklage den vonseiten der Verteidigung erhobenen Vorwurf zurück, das Gutachten an die Presse weitergegeben zu haben. Es gebe verschiedene Möglichkeiten, woher das komme, sagte Nebenklägervertreter Philip von der Meden, der Blocks Ex-Mann Stephan Hensel vertritt.
Christina Block (53) ist angeklagt, eine israelische Sicherheitsfirma damit beauftragt zu haben, ihren damals 10-jährigen Sohn und die 13 Jahre alte Tochter vom Wohnort ihres Ex-Manns in Dänemark nach Deutschland zu entführen. Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette «Block House» bestreitet die Vorwürfe. Der Tat vorausgegangen war ein langer Sorgerechtsstreit. Nach einem Wochenendbesuch im August 2021 hatte der Vater die Kinder nicht wie vereinbart zur Mutter zurückgebracht.
Es gibt noch sechs weitere Angeklagte, darunter Sportmoderator Delling (67), dem Beihilfe vorgeworfen wird. Nur einer der Beschuldigten, ein 37-Jähriger aus Israel, hat die Vorwürfe eingeräumt.
Am 69. Verhandlungstag wurde die Befragung der Hauptermittlungsführerin als Zeugin fortgesetzt. Die 44-Jährige war bereits an vier Verhandlungstagen vernommen worden. Blocks Verteidiger Bott fragte sie nach zwei Vernehmungen der Kinder. Ein kürzeres Gespräch fand nach Angaben der Zeugin wenige Tage nach der Entführung am 5. Januar 2024 statt, eine weitere, längere Befragung fünf Monate später.
Bott sah «signifikante Veränderungen» in den Angaben und fragte, ob ein aussagepsychologisches Gutachten erwogen worden sei. Die Polizistin verneinte das. Sie halte Unterschiede für normal. Bei der zweiten Anhörung habe es viel mehr Zeit und Ruhe gegeben. Sie betrachte das weniger als Veränderungen der Aussagen, sondern als Ergänzungen und zusätzliche Informationen, erklärte die Chefermittlerin. Ihre Befragung ist nun abgeschlossen. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.