24. August 2026 – dpa
Nach der Formel-1-Karriere ist der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel als Miteigentümer des Teams Germany in die SailGP eingestiegen. Von der Serie könnten auch andere Sportarten lernen, sagt er.
Bei der deutschen Station der SailGP-Serie vor Sassnitz war Sebastian Vettel nah beim Team Germany dabei. Seit 2023 ist der viermalige Formel-1-Weltmeister Miteigentümer. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur erklärt der in der Schweiz auf einem Bauernhof lebende Heppenheimer die Segelserie als Vorbild für andere Sportarten sieht, was ihn am Wasser fasziniert und warum er jetzt Segeln lernt.
Frage: Darf man den SailGP als Formel 1 des Segelsports bezeichnen?
Antwort: Ich glaube, der Vergleich ist absolut gerechtfertigt. Zwar gibt es im originalen Sinn ja nur eine Formel 1 und ich weiß nicht, ob man es namentlich so übertragen kann. Aber es ist die höchste Liga im Segelsport, in dem es auch noch den America's Cup gibt. Ich glaube, dass die SailGP-Liga dem America's Cup ein bisschen den Rang abläuft. Der America's Cup wird immer existieren.
Aber im SailGP geht es ein bisschen mehr zur Sache. Alles ist durchsichtiger, leichter zugänglich, verständlicher. Der Vergleich ist insofern gerechtfertigt, als dass es die schnellsten Boote auf dem Wasser und die besten Segler sind. Es macht auch die Formel 1 aus, dass sich dort die besten Fahrer tummeln.
Frage: Im SailGP gibt es neben dem Segelrennsport auf dem Wasser auch noch einen intensiv ausgetragenen Nachhaltigkeitswettbewerb, die Impact League. Ist die Liga mit dieser doppelten Herausforderung eine gute Antwort auf Klima- oder Nachhaltigkeitsherausforderungen unserer Zeit?
Antwort: Ich denke, Klimafragen werden nicht verstummen, oder? Und jeder Sport trägt damit in der Vergangenheit, heute und noch mehr in der Zukunft Verantwortung. Es ist gut, dass man sich dieser Verantwortung stellen will und stellt. Da geht es nicht darum, sofort perfekt zu sein. Perfekt ist schwierig.
Was mit Blick auf SailGP zählt, ist, dass die Liga sich bemüht. Dass man beispielsweise in Form der Impact League kreativ ist. Dass man positiven Einfluss auf die Orte nimmt, in die man geht, sie ein bisschen besser macht und diese Verantwortung auch an die Teams weitergibt. Die Teams dürfen das nach ihren Möglichkeiten frei interpretieren. Das ist aus meiner Sicht eine sehr gute Sache.
Frage: Ist der SailGP damit auch Vorbild für andere Sportligen?
Antwort: Wichtig ist, sich den Lücken, die es noch gibt, zu stellen. Das ist es, was unaufhaltsam auf uns zukommt. Jede Sportart ist damit verbunden. Egal, ob Tennis oder Formel 1. In der Formel 1 ist die Präsenz nochmal größer, weil man nicht vom Wind angetrieben wird, sondern von Kraftstoffen. Jetzt von synthetischen Kraftstoffen, endlich dieses Jahr, aber trotzdem basiert der ganze Zirkus natürlich noch heftigst auf fossilen Kraftstoffen. Es muss Schritt für Schritt gehen.
Die SailGP ist in der Hinsicht wahrscheinlich die progressivste globale Sportliga, die sich dem Thema auf eine neue Art und Weise stellt. Das hat mich damals auch dazu bewegt zu sagen, Ja zu sagen. Das fühlt sich gut an. Da sind nicht nur der Sport und die Menschen dahinter interessant. Da ist auch noch ein bisschen mehr dabei.
Frage: Wie breit ist Ihr Segelhorizont?
Antwort: Die Faszination ist über das Team und den SailGP entstanden. Ich habe noch keinen Segelschein, aber ich fange jetzt mal an. Erst mit einem ganz normalen Motorbootschein, denn ich habe ja noch keine Ahnung, kann nicht gleich in die Champions League einsteigen. Neben allem anderen sind noch die Naturelemente zu kontrollieren. Und man ist nicht allein auf dem Meer. Es hat Platz, aber da tummeln sich viele.
Frage: Was für ein Gefühl lockt Sie aufs Wasser?
Antwort: Ich hatte immer schon ein bisschen Sehnsucht nach dem Wasser. Ich denke, das gilt für viele. Wir sind in dem Sinne ja nicht fürs Wasser gemacht. Trotzdem löst es etwas in uns aus. Es zieht ja viele Leute auch hier an die Küste zum Urlauben, zum Erholen. Es lässt einen so lebendig fühlen. Wasser ist immer in Bewegung und bewegt. Das ist toll! Deswegen teile ich die Faszination, auf dem Wasser zu sein.
Frage: Für Sie geht die Reise wie weiter?
Antwort: Es gibt so vieles, das miteinander zusammenhängt. Ich interessiere mich für das, was in der Welt passiert, Dinge, die nicht so gut laufen. Wenn ich sehe, dass man die hier und da vielleicht besser oder anders machen könnte, kann man schon sagen, dass es der größte Traum ist, die Welt ein Stück besser zu machen.
Frage: Wie geht das für Sie?
Antwort: Ich bin realistisch. Es geht nicht im Alleingang. Und es sind manchmal schwer zu greifende Themen. Die Natur und der Erhalt der Natur sind das Wichtigste für uns, weil wir davon abhängig sind. Ich habe die Dürre in diesem Jahr auch bei uns auf dem Hof erfahren. Die Niederschlagsmengen waren bei uns jeden Monat unter Durchschnitt. Das wirkt sich aus. Alles hängt miteinander zusammen.
Mir ist bewusst, dass es schwierig sein kann, meine Stimme zu dem Thema zu hören, weil ich nicht den Hintergrund habe, den man vielleicht erwartet, wenn es darum geht, gewisse Themen anzusprechen. Aber die Ostsee hängt halt auch mit der Landwirtschaft und dem Klimawandel zusammen. Manche Leute leben direkt von der Ostsee. Ob es der Tourismus, die Fischerei oder andere Zweige sind. Gleichzeitig brauchen alle etwas zu essen. Wenn man den Kopf ein bisschen in diese Themen reinsteckt, dann geht auf einmal eine Welt auf. Mir geht eine Welt auf, die ich sehr spannend finde. Aber Schritt für Schritt.