28. August 2026 – dpa
Spuren einer legendären Spionageaktion befinden sich wieder in Berlin. Es sind Teile eines Tunnels, den britische und US-amerikanische Geheimdienste im Kalten Krieg bis in den Osten bauten.
Der US-amerikanische Geheimdienst CIA und der britische Secret Intelligence Service (SIS) bauten zu Beginn des Kalten Krieges einen Tunnel durch das geteilte Berlin, um geheime Telefonleitungen der sowjetischen Armee anzapfen zu können. Doch das Projekt flog schnell auf - vor rund 70 Jahren. Die Nationale Volksarmee (NVA) grub den Tunnel aus - und brachte Teile an verschiedene Armee-Standorte.
Nun wurden drei Segmente des Relikts aus dem Kalten Krieg zurück nach Berlin gebracht. Sie sollen konserviert werden und künftig hier zu sehen seien. Ein Mitglied der «Berliner Unterwelten» hatte die drei tonnenschweren, drei bis vier Meter langen Stahlröhren Mitte August zufällig bei Storkow in Brandenburg entdeckt.
Eines der Segmente soll das DDR Museum erhalten. Ein Tunnel-Stück soll Teil der Tour «U-Bahn, Bunker, Kalter Krieg» des Vereins «Berliner Unterwelten» werden. Das dritte Tunnelteil könnte künftig am Originalschauplatz am Mauerweg zwischen Rudow und Altglienicke aufgestellt werden, wie der Vorsitzende des Vereins, Dietmar Arnold, vorschlug. Dies wäre ihm zufolge eine Ergänzung zu den vier Stelen, die dort bisher an den Spionagetunnel erinnern.
Zwischen 1954 und 1955 bauten der CIA und der SIS einen nach Angaben der «Berliner Unterwelten» etwa 460 Meter langen Tunnel durch Berlin, der vom Stadtteil Rudow im amerikanischen Sektor nach Altglienicke im sowjetischen Sektor führte.
Zwischen Mai 1955 und April 1956 hörten Amerikaner und Briten den Angaben zufolge über 400.000 Telefongespräche ab. «Es ging um Puzzlestücke einer Kommunikation der sowjetischen Armee hier mit Moskau, Warschau und Prag, die zusammengesetzt ein präzises Bild über die militärische Lage und mögliche Angriffsoptionen gegeben haben», erklärte Politikwissenschaftler Helmut Müller-Enbergs, der auf Geheimdienste spezialisiert ist. Und: «Dieser Tunnel machte im Jahre 1955/1956 Informationen zugänglich, die dazu beitrugen, dass es ein kalter und kein heißer Krieg wurde.»
Der Tunnel führte laut «Berliner Unterwelten» etwa 330 Meter ins DDR-Gebiet hinein. Die Sowjets hätten allerdings schon vor seiner Inbetriebnahme von der Operation gewusst, hieß es: Ein britischer Doppelagent habe den sowjetischen Geheimdienst KGB über die Pläne informiert. Der KGB ließ das Projekt dennoch eine Weile laufen - vor allem, um den Doppelagenten nicht zu gefährden.
Ein Unwetter führte in einer Nacht im April 1956 zu Störungen an Telefonleitungen. Dann wurde in der DDR bekanntgegeben, dass der Tunnel bei Reparaturarbeiten von sowjetischen und ostdeutschen Fernmeldetechnikern entdeckt worden sei.
Der Spionagetunnel konnte noch bis Juni 1956 in der DDR öffentlichkeitswirksam besichtigt werden. Die NVA grub ihn dann aus und transportierte ihn ab, wie es in der Mitteilung des Vereins weiter heißt. Einige Segmente wurden auf einzelne NVA-Standorte verteilt.
Die drei jüngst entdeckten Stahlröhren mit einem Durchmesser von rund zwei Metern lagen laut «Berliner Unterwelten» in einem Waldgebiet, das zum Übungsplatz der heutigen Kurmak-Kaserne im brandenburgischen Storkow gehört. Zu DDR-Zeiten gab es dort einen NVA-Standort. Die Tunnelteile seien einst zu Übungszwecken vergraben worden.
Andere Segmente seien bereits in den 1990er Jahren gefunden worden. 2012 wurden laut «Berliner Unterwelten» Teile in einem Waldgebiet bei Pasewalk in Mecklenburg-Vorpommern entdeckt, das zu DDR-Zeiten als Truppenübungsplatz genutzt worden sei. 2005 seien weitere Teile beim Ausbau der Berliner Stadtautobahn in der Nähe des früheren Standortes des Tunnels aus der Erde geholt worden.