02. November 2026 – dpa

Bildung

Koalition in spe prüft verpflichtendes Kita-Jahr

Seit Wochen verhandeln SPD, Linke und Grüne über eine neue Koalition in MV. Nun stellten die Verhandler ein weiteres Kapitel vor. Einige Fragen bleiben offen.

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Sie wollen künftig die neue Koalition in MV bilden – Hennis Herbst von den Linken (li), Claudia Müller von den Grünen (Mi) und Manuela Schwesig (SPD - re)

Kinder mit Förderbedarf sollen dem Willen der möglichen neuen Regierung in Mecklenburg-Vorpommern nach ein verpflichtendes Jahr in der Kita vor der Einschulung absolvieren. Die neue Regierung prüfe die Möglichkeit einer solchen Neuerung, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) bei der Vorstellung der Verhandlungsergebnisse der geplanten neuen Koalition mit Linken und Grünen.

Wichtig sind dabei die Ergebnisse der künftig verbindlichen Sprachstands- und Entwicklungserhebung. Im Alter von vier Jahren würden Kinder auf ihre motorischen, sprachlichen und sozialen Fähigkeiten überprüft. Wer Nachholbedarf besitze, solle in den Kindergärten gefördert werden, sagte Schwesig.

Laut dem Fraktionschef der Linken, Hennis Herbst, sollen die Grundschulen zudem Lesen und Rechnen stärken. Als sehr erfolgreich bezeichnete er in dem Zusammenhang die Einführung des Lesebands, «also, dass 20 Minuten am Tag gelesen wird». Ähnlich dazu solle ein Matheband eingeführt werden, «um einen Schwerpunkt bei den mathematischen Fähigkeiten zu setzen und das systematisch zu fördern», kündigte er an.

Der Schulcampus ist die nächste geplante Neuerung. Damit sollen Schulen im ländlichen Raum zusammengeführt werden, um mehr Kompetenzen abzudecken. Was das für die Schulwege der Kinder auf dem Dorf bedeutet, ist vorerst nicht bekannt. Die Sanierung von Schulen soll in den nächsten Jahren mit 600 Millionen Euro gefördert werden.

Ein großes Thema im Wahlkampf waren die vielen Ausfallstunden und die hohe Zahl an Schulabbrechern. Die neue Koalition will beide Zahlen deutlich drücken. Dafür sind neue qualifizierte Lehrer nötig. Durch die Reform der Lehrerausbildung an den Hochschulen mit mehr Praxisbezug wähnt sich die Regierung dafür auf dem richtigen Weg – die Zahl der Studienabbrecher sei zurückgegangen, heißt es.

Schwesig bezifferte den Bedarf an Lehrkräften in den nächsten Jahren auf 3.500. Das liegt weiterhin deutlich unter der Schätzung des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). Deren Landesvorsitzender Michael Blanck hatte im September den Bedarf auf 5.000 Stellen in den kommenden fünf Jahren taxiert.

Keine Antwort gaben die Verhandler auf die Frage, wie viele zusätzliche neue Lehrkräfte sie einstellen wollen, um nicht nur aus dem Dienst scheidende Lehrer zu ersetzen, sondern auch ihr Ziel zu erreichen, die Ausfallstunden deutlich zu reduzieren. Dabei waren etwa die Linken hier mit konkreten Forderungen wie 950 zusätzlichen Lehrkräften in den Wahlkampf gegangen.

Stattdessen sprachen die Verhandler über «multiprofessionelle Teams», um den Schulalltag der Lehrer zu erleichtern. Dazu zählen Sozialpädagogen und Schulpsychologen.

Nicht neu, aber schärfer durchgesetzt sollen die Handyregeln an den Schulen werden. Bislang sollten die Schulen eigene Regeln für den Umgang mit den Smartphones erarbeiten. Wenn Schulen das bis Jahresende nicht täten, dann gelte künftig die bisherige Empfehlung der Landesregierung als verbindlich; nämlich Handyverbot bis zur 9. Klasse, sagte Schwesig.

Zugleich will sich Rot-Rot-Grün den neuen Technologien nicht gänzlich verschließen. Der Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) soll so verstärkt Teil des Unterrichts werden. Zudem müsse die Medienkompetenz der Schüler gefördert werden, forderte die Chefunterhändlerin der Grünen, Claudia Müller. Einig sind sich SPD, Linke und Grüne vor allem bei einer Stärkung der Demokratiebildung. Lehrer dürften sich zwar nicht parteipolitisch äußern, aber das Eintreten für Demokratie und gegen Extremismus und Ausgrenzung werde die Regierung gezielt unterstützen, kündigte Schwesig an.

Die Finanzierung wird sich ersten Planungen nach kaum ändern: Sind in diesem Jahr genau zwei Milliarden Euro für den Bildungssektor vorgesehen, sind es 2027 2,1 Milliarden.

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