02. November 2026 – dpa

Kriminalität

Mordprozess um Leiche ohne Rumpf: Was erlitt Jacqueline K.?

Der heute 38-jährige Angeklagte soll seine Lebensgefährtin vor knapp einem Jahr in Hagenow umgebracht haben, weil sie ihm kein Geld mehr leihen wollte. Viele Fragen sind offen.

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Der Angeklagte im Prozess am Landgericht Schwerin ließ über seinen Anwalt erklären, dass er sich nicht zur Tat äußern will.

Blass und mit gesenktem Blick sitzt der Angeklagte im Landgericht Schwerin zwischen seinen beiden Verteidigern. Am ersten Tag des Mordprozesses gegen ihn schaut der gelernte Fleischer fast ununterbrochen auf seine Hände, die vor ihm auf dem Tisch liegen. Der heute 38-Jährige soll im Dezember 2025 seine Lebensgefährtin umgebracht und ihre Leiche zerstückelt haben. Der Vorwurf lautet auf Mord aus Habgier.

Ihm gegenüber, auf der anderen Seite des Gerichtssaals, verliest der Staatsanwalt die Anklageschrift, sie enthält eine Vielzahl grausiger Details, offenbart aber auch viele Leerstellen. Neben dem Staatsanwalt sitzen zwei Rechtsanwälte als Beistand der insgesamt sechs Nebenklägerinnen und Nebenkläger. Sie sind alle zum Prozessauftakt erschienen, es sind die Geschwister des Opfers Jacqueline K..

Sie hoffen endlich zu erfahren, was ihrer Schwester am 12. Dezember 2025 genau zugestoßen ist. «Was die Angehörigen sich vor allem wünschen, ist, dass der Angeklagte Angaben machen würde über das, was an jenem Nachmittag passiert ist», sagte der Nebenkläger-Beistand Ullrich Knye der Deutschen Presse-Agentur. «Jeder, der etwas Schlimmes erlebt, möchte gern wissen, warum und wie es passiert ist.»

Dass der Angeklagte, ein Deutscher, sich zur Tat äußert, sei aber wahrscheinlich nicht zu erwarten, sagte Knye weiter. «Wenn er keine Angaben macht, gehe ich davon aus, sind die Beweismittel vollkommen ausreichend, um ihn zu verurteilen.»

Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte am 12. Dezember 2025 irgendwann zwischen 12.30 Uhr und 20.08 Uhr zu seiner Lebensgefährtin in deren Wohnung gegangen sein - in der Absicht, sie zu töten, wie der Staatsanwalt sagt. Der Mann soll ihr «auf unbekannte Weise mit dem Leben nicht zu vereinbarende Verletzungen» beigebracht haben, weil sie sich geweigert habe, ihm weiteres Geld zu leihen. Der Angeklagte sei zum Tatzeitpunkt in einer angespannten finanziellen Lage gewesen.

Wie die Frau zu Tode kam, ist bis heute unklar - unter anderem, weil ihr Rumpf nie gefunden wurde. Laut Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte ihn wohl am 19. Dezember in Abfallbehältern eines Entsorgungsunternehmens in Hagenow entsorgt. Nebenkläger-Beistand Knye äußerte am Rande des Prozesses die Vermutung, dass am Rumpf wohl die tödlichen Verletzungen der Frau zu erkennen waren.

Der Mann soll seine Lebensgefährtin nach ihrem Tod zerteilt haben, «indem er den Kopf, die Arme, die Beine und den Beckenbereich vom Rumpf trennte». Mit welchem Werkzeug das geschah, ist demnach unklar. Es wurde nie gefunden. Nach Worten eines Gerichtsprechers hat der Angeklagte den Beruf eines Fleischers erlernt, war zuletzt aber in einer anderen Branche beschäftigt.

Der Angeklagte soll laut Staatsanwaltschaft die Leichenteile außer dem Rumpf in blaue Müllsäcke gestopft und im Auto der Frau zunächst zu seiner Wohnung gebracht haben. Später soll er sie unter Gartenabfällen an einer öffentlichen Ablagestelle für Grünschnitt in Goldenbow (Landkreis Ludwigslust-Parchim), in unmittelbarer Nähe seines Elternhauses, versteckt haben.

Dort wurden sie am 2. Februar 2026 gefunden. Zuvor war wochenlang nach der vermissten Frau gesucht worden. Sie wurde nach damaligen Angaben der Polizei 49 Jahre alt.

Wie der Ablageort herausgefunden wurde, sagte der Staatsanwalt in seiner Anklage nicht. Am 9. Januar war der Tatverdächtige wegen des Verdachts eines Tötungsdeliktes verhaftet worden. Seither sitzt er in Untersuchungshaft. Nach damaligen Angaben der Polizei folgte der Haftbefehl gegen den Mann auf umfangreiche Ermittlungen der Polizei zum Verschwinden der Frau.

Die Angehörigen des Opfers erhoffen sich vom Prozess Klarheit darüber, was Jacqueline K. an jenem Dezember-Nachmittag genau zugestoßen ist. Am ersten Prozesstag sind die sechs Nebenkläger - alles Geschwister des Opfers - in den Gerichtssaal gekommen. Ob ihr Wunsch nach Klarheit über die Geschehnisse am 12. Dezember in Erfüllung gehen wird, ist offen.

Der Anwalt des Angeklagten sagte in der Verhandlung auf eine entsprechende Frage der Vorsitzenden Richterin, sein Mandant äußere sich nicht. Damit war der erste Prozesstag nach nicht einmal einer Viertelstunde zu Ende.

Der Prozess könnte Monate dauern. Das Gericht hat 18 Verhandlungstermine mit vielen Zeugen angesetzt. Außerdem sollen ein psychiatrischer Sachverständiger und zwei rechtsmedizinische Sachverständige gehört werden. Die Termine reichen bis zum 10. Februar.

In der ganzen Tragödie ging es letztlich um vergleichsweise kleine Geldbeträge. Der Staatsanwalt sagte, der Angeklagte habe seine Lebensgefährtin getötet, um Zugang zu ihren Konten zu bekommen. Das dort vorhandene Geld wollte er demnach für sich verwenden.

Am Todestag der Frau soll er den Ermittlungen zufolge um 20.08 Uhr vom Festgeldkonto der Frau 5.000 Euro auf ihr Girokonto überwiesen haben. Von diesem habe er mit der Geldkarte seines Opfers in den Tagen darauf dreimal jeweils 500 Euro abgehoben.

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