24. Oktober 2026 – dpa

Bildungszeit kaum genutzt

Pilzkurs in Templin: Wenn Bildungsurlaub in den Wald führt

Im Pilzkurs lernen Fortgeschrittene, Pilze sicher zu erkennen. Die Kurse lassen sich als Bildungsurlaub anrechnen. Nur wenige Beschäftigten in Brandenburg nutzen diese Bildungsmöglichkeit.

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Bei den Pilzkursen geht es für die Teilnehmer selbstverständlich auch in den Wald.

«Wenn ihr irgendwo mal zu einer Stockschwämmchensuppe eingeladen seid: Seid vorsichtig!», sagt Pilzexpertin Dana Lafuente zu ihrer zwölfköpfigen Gruppe. Zu schwerwiegend sei eine Verwechslung mit dem Gifthäubling, dessen Verzehr tödlich enden kann. Lafuente - früher in der Personalverwaltung tätig - hat sich mit der Gründung ihrer Pilzschule 2023 einen Traum erfüllt und bietet Pilzwanderungen, Einsteigerkurse und Wochenkurse für Fortgeschrittene an. Die Wochenkurse werden auch als Bildungsurlaub anerkannt.

Die Gruppe fortgeschrittener Pilzsammler sitzt an diesem Mittwoch in der Kreisvolkshochschule in Templin (Landkreis Uckermark) Lafuente gegenüber. Katrin ist eigentlich Altenpflegerin und hat den rund 400 Euro teuren Kurs «aus Interesse» gebucht. In einer Gruppe von gleichgesinnten Pilzenthusiasten zu lernen, sei wunderbar, berichtet sie. «Man befruchtet sich gegenseitig.» Zuhause kenne sie sich mit Pilzen am besten aus, hier wüssten einige Leute «noch viel mehr».

Ingo, ein Ex-Polizist aus der Nähe von Zeuthen, sagt: «Ich bin den Pilzen total verfallen.» Es vergehe kein Tag, an dem man nicht etwas Neues entdecke und auch der tausendste Steinpilz versetze ihm einen «Dopaminschub». «Ich sammle das ganze Jahr», führt er aus. Auch im Winter oder im Frühjahr könne man eine Vielzahl an Pilzen entdecken. Einige davon - wie der Austernpilz - seien dazu sehr schmackhaft.

Rebecca macht mit dem Pilzwochenkurs einen Bildungsurlaub. Nach dem A-Kurs im vergangenen Jahr und dem B-Kurs in diesem Jahr will sie im kommenden Jahr den C-Kurs machen. Der Bildungsurlaub müsse nicht zwingend etwas mit dem Beruf zu tun haben, erklärt sie.

Die Menschen suchten in ihrem Kurs häufig den Ausgleich zum Job am Bildschirm, betont Kursleiterin Lafuente. Sie beobachte einen enormen Wissenshunger bei ihren Kursteilnehmern. «Je mehr wir kennen, desto mehr können wir sehen.» Von Professoren, Schiffbauern, Beamten und Pflegekräften hätten schon alle möglichen Berufsgruppen ihre Kurse besucht. Die Teilnehmer kämen aus den verschiedensten Ecken Deutschlands. «Meist haben wir mehr Frauen als Männer», sagt sie.

Bildungsurlaubsmöglichkeiten wie der Kurs von Lafuente werden in Brandenburg derzeit nur spärlich von den Arbeitnehmern in Anspruch genommen. «Im Jahr 2025 lag die Quote der Inanspruchnahme für die Bildungszeit im Land Brandenburg bei rund 0,6 Prozent», wie ein Sprecher des Brandenburger Bildungsministeriums berichtete. Bei etwa 938.300 Beschäftigten im Land machten demnach im vergangenen Jahr nur rund 5.800 Arbeitnehmer von ihrem gesetzlichen Freistellungsanspruch Gebrauch.

Der Bildungsurlaub ermöglicht es Beschäftigten - während der Arbeitszeit an anerkannten Weiterbildungsveranstaltungen teilzunehmen. Die Freistellung zur Bildungszeit gelte für maximal zehn Arbeitstage binnen zwei Jahren, hieß es vom Ministerium.

Nach der Corona-Pandemie würden wieder mehr Angestellte den Bildungsurlaub nutzen, sagte der Ministeriumssprecher. «Neben der Rückkehr zu Präsenzformaten sorgt vor allem der nachhaltige Ausbau digitaler und hybrider Angebote für ein stetiges Wachstum.» Tatsächlich stieg die Nutzung zuletzt leicht an. Im Jahr 2022 wurden etwa nur 4.300 Beschäftigte wegen der Bildungszeit freigestellt.

Der Gewerkschaft Verdi ist das noch zu wenig. «Leider ist die Bildungszeit unter den Beschäftigten viel zu wenig bekannt», schrieb ein Verdi-Sprecher. Arbeitgeber, Ministerien und Berufsschulen sollten daher viel offensiver auf diese Möglichkeit hinweisen. «Eine aktive Bewerbung durch einzelne Arbeitgeber ist eher die Ausnahme, da es sich um einen individuellen Anspruch der Beschäftigten handelt», entgegnete der Sprecher des Bildungsministeriums.

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