22. Juli 2026 – dpa
Die Hochzeit der Erdbeeren ist vielerorts schon wieder vorbei - früher als erhofft. Daran ist auch die Sonne schuld.
Die roten Erdbeer-Verkaufsstände gehören ab Juni im Norden zum Stadtbild. Viele der Buden werden allerdings schon wieder abgebaut - früher als von Anbauern und Erdbeer-Liebhabern erhofft und erwartet. «Wir wollten bis August Erdbeeren verkaufen», sagt Enno Glantz. Er gehört mit 180 Hektar Erdbeerfeldern in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zu den großen norddeutschen Anbauern. Durch die Hitzewelle seien die späten Sorten schneller gereift. Von seinen 240 Verkaufsständen hat Glantz nur noch zehn Prozent geöffnet.
Auch Robert Dahl, Inhaber von «Karls Erdbeerhof» in Rövershagen bei Rostock, hat seit Ende vergangener Woche kräftig reduziert. «Die Haupterntezeit ist vorbei», sagt er. Fast die Hälfte seiner 480 Stände in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Niedersachsen sind abgebaut.
Ein Teil der Stände soll bis Ende Oktober bleiben. Denn sogenannte remontierende - immertragende - Sorten bringen von Mai bis zum Herbst Ertrag. Allerdings gab es nach seinen Worten - und Enno Glantz bestätigt das - bisher ein Manko. Geschmacklich fielen die späten Früchte ab.
Doch die Züchter haben sich ins Zeug gelegt. «Bei den Immertragenden gibt es eine Revolution», sagt Robert Dahl. Aus Großbritannien, aber auch aus Deutschland seien zuletzt Sorten auf den Markt gekommen, die richtig gut schmeckten.
Die Nachfrage ist groß. Jeder Deutsche isst laut Bundeszentrum für Ernährung im Schnitt rund 3,3 Kilogramm Erdbeeren im Jahr. Der Bedarf könne nur zu 39 Prozent aus heimischem Anbau gedeckt werden. Der Rest werde importiert, so das Zentrum, das in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung angesiedelt ist. Letztes Jahr wurden demnach in Deutschland gut 128.400 Tonnen Erdbeeren geerntet.
«Wir testen jedes Jahr 40 neue Sorten», sagt Dahl. Neue Immertragende haben wohlklingende Namen wie «Lady Emma» oder «Lady Grace». Für den Geschmackstest bekommen sie Nummern - «damit wir uns nicht vom Namen in unserem Urteil beeinflussen lassen». Die Tester waren so angetan von einigen, dass Dahl in den kommenden Jahren seine Flächen mit den Remontierenden ausbauen will. Nächstes Jahr schon will er auf diesem Weg die Zahl seiner Verkaufsstände länger hoch halten.
Der geschützte Anbau in begehbaren unter Folie-Tunneln greift um sich - was auch eine Antwort auf häufigeren Starkregen ist, wie Dahl sagt. «Am schlimmsten ist, wenn es erst heiß ist und dann Starkregen gibt. Dann bildet sich Fäulnis. Das hatten wir vor einigen Wochen - erst Starkhitze und dann Gewitterregen.» Im geschützten Anbau passiere da nichts.
Aktuell hat Dahl von seinen aktuell 310 Hektar etwa 30 Prozent unter Folie. Das Ziel sind nächstes Jahr 50 Prozent, wie er sagt. Dann soll auch die Gesamtanbaufläche auf 340 Hektar wachsen. Rund 6.000 Tonnen hat er dieses Jahr bisher nach eigenem Bekunden geerntet. Noch einmal 1.000 Tonnen sollen hinzukommen. Die diesjährige Ernte zählen zu den besseren.
Glantz spricht für sein Unternehmen von einer Durchschnittsernte 2026. Er habe sich mehr erhofft, der Start sei vielversprechend gewesen. Doch letztlich sagt er: «Es war eine schwierige Ernte durch die Wettereskapaden.» Mal war es ganz heiß, dann wieder kalt. Hitze mögen Erdbeeren überhaupt nicht, sagen sowohl Glantz als auch Dahl. Am liebsten haben die süßen roten Früchte demnach 20 bis 25 Grad und einen Sonne-Wolken-Mix.
Neben Wetter-Kapriolen treibt die Erdbeeranbauer noch ein zweites Problem um, und zwar das Thema Erntehelfer und Mindestlohn. Der immer weiter steigende gesetzliche Mindestlohn treibe die Kosten hoch, sagt Dahl. Und die wirtschaftliche Entwicklung etwa in Rumänien, wo viele Erntearbeiter herkämen, sei dynamisch. «Ich denke, in zehn Jahren werden wir dort keine Erntehelfer mehr bekommen.»
Ernte-Roboter sollen es perspektivisch richten. Geforscht wird daran seit mehreren Jahren. Doch noch sind die Ergebnisse nicht zufriedenstellend, was Menge und Qualität angeht. «Da sind auch schon mal grüne Erdbeeren dabei», bemängelt Dahl. Und während ein guter Pflücker 30 Kilogramm in einer Stunde ernte, schaffe der Roboter erst zehn.
In Mecklenburg-Vorpommern werden Erdbeeren auf knapp 730 Hektar Fläche angebaut, wie das Statistische Amt des Landes mitteilte. Die Preise lagen dieses Jahr nach Worten von Obstbauberater Rolf Hornig etwa auf dem Niveau des Vorjahres, «vielleicht leicht darüber». Steigende Lohn- und Lohnnebenkosten seien eine riesige Belastung für die Erzeuger.
Hornig arbeitet für die LMS Agrarberatung GmbH, deren Hauptgesellschafter das Land Mecklenburg-Vorpommern ist. Er blickt schon auf die nächste anstehende Ernte. Äpfel sind das wichtigste Erzeugnis für die Obstbauern in MV. Nach einer kleinen Ernte im vergangenen Jahr erwartet Hornig dieses Jahr wieder eine Normalernte von 24 bis 25 Tonnen. «Wir hatten im April ein paar kalte Nächte, doch die Bäume sind gut durchgekommen», sagte er. Auch vom kürzlichen Hagel in einigen Regionen des Landes seien die Plantagen weitgehend verschont geblieben.