17. August 2022 – dpa

Tiere

Unterschiedliche Auffassungen zu Krisenmanagement an Oder

Mehr als eine Woche nach Bekanntwerden des massenhaften Fischsterbens in der Oder richtet sich der Fokus zunehmend auf das Stettiner Haff. Die Sorge wächst, dass verseuchtes Wasser die Ostsee erreichen könnte. Der Tourismus in der Region um den Fluss leidet zunehmend.

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Tote Fische haben sich an einem Wehr im deutsch-polnischen Grenzfluss Westoder gesammelt., Foto: Patrick Pleul/dpa

Nach dem massiven Fischsterben in der Oder fällt die Beurteilung des Krisenmanagements der betroffenen Behörden unterschiedlich aus. Landrat Gernot Schmidt wies am Montag in Lebus Kritik zurück, der Landkreis Märkisch-Oderland habe nicht genügend Unterstützung zum Sammeln der toten Fische entlang der Oder organisiert. Die Schuld auf andere zu schieben, sei immer leicht, gerade in Katastrophen. «Das zeugt manchmal auch davon, dass man zu wenig eigene Kreativität hat», sagte Schmidt der Deutschen Presse-Agentur. Seit vergangenem Dienstag liefen mit der Landesebene gemeinsame Maßnahmen auf Grundlage des Katastrophenabwehrplans des Kreises. Allein am Sonntag seien 30 Tonnen Fisch gesammelt worden, berichtete er. Die Fischkadaver sollen nach Schwedt gebracht und dort verbrannt werden. Der Kreis Märkisch-Oderland liegt auf einer Länge von rund 80 Kilometer an der Oder zur Grenze nach Polen.

Die Notwendigkeit, eine Großschadenslage auszurufen, die auch Tausende Kräfte mobilisieren könnte, sieht Schmidt nach eigenen Worten zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Noch sei der Landkreis in der Lage, die Situation mit seiner Expertise vor Ort zu bewältigen.

Die besonders vom Fischsterben betroffene Kleinstadt Lebus sieht das anders. Der Landkreis sei überfordert gewesen, da niemand mit so einer Menge an Fischkadaver gerechnet habe, sagte die stellvertretende Amtsdirektorin, Katja Klemke, am Montag. Ehrenamtliche Helfer vor Ort hätten große Unterstützung erhalten. Allerdings hätten Container für die Fischkadaver und auch Boote zum Einsammeln der toten Fische gefehlt. Eine andere Bewertung der Lage habe dazu geführt, mehr Kräfte anfordern zu können, schätzte Klemke ein.

Auch der Lebuser Stadtverordnete Urs Walter übte Kritik. «Es wurde alles dem Zufall überlassen, wo man schnell hätte handeln müssen. Nicht mal die Schutzausrüstung zum Sammeln der toten Fische hat gereicht», kritisierte er. Die Menschen vor Ort hätten alles selbst organisiert. Für die Stadt sei die Umweltkatastrophe verheerend. «Der Radtourismus ist am Sterben.» Die Folgen seien nicht abzuschätzen.

Der Oberbürgermeister der Oder-Stadt Frankfurt, René Wilke (Linke), hatte am Sonntag kritisiert, Kommunen seien mit dem Krisenmanagement angesichts des Fischsterbens in der Oder auch allein gelassen worden. «Die Akutlage haben wir allein geregelt.»

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