19. August 2026 – dpa
Solarantrieb, Pannen, Rückkauf: Nach monatelangen Ausfällen bei der Schleifähre «Missunde III» prüft das Verkehrsministerium den Neubau. Für einige ist die Fähre bereits ein Symbol von Fehlplanungen.
Die Schleifähre «Missunde III» sollte seit Ende April Reisende und Pendler zwischen Brodersby und Missunde über die Schlei bringen. Doch seit ihrer Inbetriebnahme wechseln sich Betrieb, Pannen und Ausfälle ab. Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) prüft deshalb den Bau einer neuen Fähre.
Über weitere Details rund um die Fähre und die Verbindung der Schlei will heute der Wirtschaftsausschuss des Landtages in Kiel beraten. Das Verkehrsministerium wolle einen Sachstandsbericht liefern. Ebenso hatten SPD und SSW Berichtsanträge zum Zeitplan und den Konsequenten aus der Pannenserie gefordert. Die Schleiquerung wird laut dem Verkehrsministerium neben zahlreichen Fußgänger von rund 120.000 Fahrzeugen und 50.000 Fahrrädern jährlich genutzt. Doch schon vor dem Start der solarbetriebenen Fähre verzögerte sich das Projekt - ein Rückblick.
2020 war der Bau der «Missunde III» beschlossen worden, um neue Sicherheitsanforderungen zu erfüllen. Die solarbetriebene E-Fähre sollte einen klimafreundlichen Betrieb ermöglichen. Doch technische Probleme verschoben den ursprünglich für Januar 2024 geplanten Start.
So mussten die Anleger umgebaut und die Fähre nachgerüstet werden. Testfahrten zeigten, dass der 3,9 Millionen Euro teure Neubau bei starkem Wind nicht sicher anlegen konnte. Als Übergangslösung reaktivierte der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN. SH) die «Missunde II», die zuvor verkauft und später teurer zurückgekauft worden war.
Ende April 2026 war es endlich so weit: Die neue solarbetriebene Fähre ersetzte ihren Vorgänger und nahm den Betrieb an der Schlei auf. Zunächst sollte sie Radfahrer, Fußgänger und Fahrzeuge bis zu 7,5 Tonnen über die Schlei bringen, erklärte der Landesbetrieb damals. In dieser Phase wollte man weitere Erfahrungen mit der neu entwickelten Fähre im Dauerbetrieb sammeln, bevor sie später auch Fahrzeuge bis 25 Tonnen transportieren sollte.
Doch keine vier Wochen später fiel die «Missunde III» erstmals aus. Der Antriebsriemen der Fähre sei beschädigt und müsse ausgetauscht werden, teilte der zuständige Landesbetrieb. Das Schiff sei längst «zum Symbol für Fehlplanungen» geworden, bemängelte die SPD-Abgeordnete Birte Pauls. Mitte Juni nahm die Fähre dann nach den Reparaturen wieder den Betrieb auf.
Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen sah damals noch im Wirtschaftsausschuss des Landtages in Kiel für eine Wiedereinführung des Vorgängers «Missunde II» keine Option. Er könne zwar verstehen, dass in der Region Stimmen nach einer Rückkehr der «Missunde II» riefen. Doch auch dieses Schiff brauche Reparaturen und habe immer wieder Pannen gehabt, erklärte der CDU-Politiker. Zudem entschuldigte sich Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) bei einem Treffen mit Bürgermeistern der Region für die Probleme der neuen Schleifähre.
Anfang Juli stand die «Missunde III» wieder still - erst wegen Niedrigwassers, dann wegen eines Defekts in der Hydraulik. Anschließend folgte noch im selben Monat ein Hin und Her: mal fuhr die Fähre, mal fiel sie aus. Schließlich griff Verkehrsminister Madsen ein. Er ordnete an, die ursprünglich für nach der Sommersaison geplante Überprüfung sofort zu starten. Neben einer dauerhaften technischen Lösung für die «Missunde III» sollten auch die Reaktivierung der alten Fähre «Missunde II» und ein kompletter Neubau geprüft werden.
Schließlich erklärte der Minister Anfang August: «Wir brauchen keine Fähre, die auf dem Papier alles kann, sondern eine, die jeden Tag zuverlässig fährt.» Genau daran werde nun gearbeitet. Zudem soll der Vorgänger, der derzeit ausfallenden Fähre wieder in Betrieb genommen werden. Die «Missunde II» kommt daher dem Verkehrsministerium zufolge in die Werft und soll nach Ende der Sommersaison wieder zwischen Brodersby und Kosel fahren.