21. September 2026 – dpa
Die aktuelle Pisa-Studie hat viele Defizite in der Bildung aufgezeigt. Schülerinnen und Schüler in Schleswig-Holstein fordern vor der Landtagswahl deutliche Verbesserungen im Schulalltag.
Mehr Raum für aktuelle Themen im Lehrplan, Umgang mit Geld und verpflichtende Erste-Hilfe-Kurse im Unterricht: Das sind Forderungen der Landesschüler:innenvertretungen in Schleswig-Holstein ein halbes Jahr vor der Landtagswahl 2027.
«Bildung steht an einem Scheideweg. Entweder gelingt es der Schule, junge Menschen für das Lernen zu gewinnen, oder sie verliert sie an eine Welt, die sich schneller wandelt als der Lehrplan», schreiben die Schülervertreterinnen und -vertreter von Gemeinschaftsschulen, Berufsbildenden Schulen und Gymnasien in ihrem umfangreichen Forderungskatalog,
Lehrkräftemangel, Digitalisierung und der Umgang mit Künstlicher Intelligenz stellten das Bildungssystem vor Herausforderungen, denen es aktuell nicht gewachsen sei, betonten sie. Gleichzeitig verfehle das System «zunehmend seinen eigentlichen Auftrag: junge Menschen mit dem Handwerkszeug auszustatten, um als mündige Bürger:innen in dieser Gesellschaft zu bestehen».
Themen wie Medienkompetenz, Finanzbildung, Erste Hilfe oder psychische
Gesundheit kämen im Stundenplan kaum vor. «Wer sie nicht im Elternhaus mitbekommt, geht leer aus», heißt es. Viele Schülerinnen und Schüler würden die Schule verlassen, ohne eine Gehaltsabrechnung zu verstehen, im Notfall helfen zu können oder Konflikte ohne Eskalation zu lösen.
Deshalb fordern die Schülervertreterinnen und -vertreter mehr Raum für gesellschaftliche und politische Themen. Medienkompetenz, politische Bildung sowie der Umgang mit sozialen Medien und Desinformation müssten stärker im Unterricht verankert werden, ebenso Finanzbildung, Ernährungslehre, Berufsorientierung und der Umgang mit Künstlicher Intelligenz.
Verpflichtende Erste-Hilfe-Kurse sollten in den Schulen eingeführt werden. Auch Aufklärung über psychische und sexuelle Gesundheit sollte fest im Lehrplan verankert werden. Um Bildungsgerechtigkeit zu erreichen, müsse Schule aktiv Ungleichheiten ausgleichen und individuelle Förderung in den Mittelpunkt stellen. Dazu gehörten auch kostenlose Nachhilfe und verpflichtende Eltern-Workshops, um Eltern über Fördermöglichkeiten zu informieren und die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler zu unterstützen.
Schule habe das Potenzial, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern jungen Menschen in einer sich wandelnden Welt Orientierung zu geben, schreiben die Landesschüler:innenvertretungen in ihrem Forderungskatalog. «Scheitert Schule an dieser Aufgabe, fehlen die Fachkräfte von morgen, es schwächelt eine Demokratie, die auf mündige Bürger:innen angewiesen ist, und es vertieft
sich die Kluft zwischen Schülerinnen und Schülern, deren Elternhaus ausgleichen kann, was die Schule versäumt, und denen, die genau hier auf ein gutes Bildungssystem angewiesen wären.»