20. September 2026 – dpa
Trotz Bundesliga-Fehlstarts verlängert der HSV den Vertrag mit Merlin Polzin und dessen Trainer-Team. Einen Tag später feiern die Hamburger gegen den 1. FC Köln den ersten Sieg. Ist das die Wende?
Nach dem Ende der Nuller-Serie durften sich die Verantwortlichen des Hamburger SV bestätigt fühlen. Einen Tag vor dem 2:1 gegen den 1. FC Köln hatte der Fußball-Bundesligist den Vertrag von Merlin Polzin und dessen Trainer-Team noch verlängert - und das nach drei Spieltagen mit null Punkten und 0:12 Toren. Und nun folgte der erste Sieg - eine Befreiung.
Für Außenstehende war die Vertragsverlängerung ein zumindest überraschender, für die HSV-Protagonisten aber ein logischer Schritt. Denn ernsthafte Zweifel an Polzin hatte es im Verein nicht gegeben.
Die Verlängerung sei «einfach aus einer Überzeugung entstanden, und wir wollten nach drei Tagen jetzt dann nicht irgendwie wie ein Fähnchen im Wind umfallen, weil es dafür einfach gar keinen Grund gab», sagte die seit dem 1. Juli amtierende Sportvorständin Kathleen Krüger im Streamingdienst DAZN. «Wir haben einfach diese Überzeugung auch nach diesen drei Spieltagen gespürt.»
Innerhalb der Mannschaft steht der 35-jährige Polzin mit seinem Partner Loic Favé (33) und den Co-Trainern Richard Krohn (31) und Max Bergmann (28) ohnehin nicht zur Disposition. Sie machten eine überragende Arbeit, meinte Kapitän Nicolai Remberg und betonte: «Das ist kein Schleimen.»
Es sei einfach so, «dass es nicht eine kritische Stimme gab, die gesagt hat, wir sind falsch eingestellt, der Plan ist falsch», meinte er und fügte mit Blick auf die vergangenen drei Partien hinzu: «Wir haben es einfach nicht hingekriegt.» Kurz vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln habe er noch zu Polzin gesagt: «Das machen wir auch für euch.»
Ähnlich äußerte sich Ex-Kapitän Yussuf Poulsen, der nach der Führung durch Nicolas Copaldo (44.) kurz nach der Pause auf 2:0 erhöht hatte. «Wir als Spieler haben das Vertrauen in den Trainer und das ganze Trainerteam. Deswegen: Wir sind ruhig», meinte der dänische Stürmer und erinnerte an die Situation vor einem Jahr. «Wir waren letztes Jahr genau an dem gleichen Zeitpunkt. Da war es genau das Gleiche», sagte er. «Ist Merlin gut genug für die Bundesliga? Das hat er letztes Jahr gezeigt, ist er. Und das ist dieses Jahr nicht anders.»
Auch im vergangenen Jahr hatte der HSV in seiner ersten Saison nach der Rückkehr in die Bundesliga einen Fehlstart hingelegt. Nach drei Spieltagen lagen die Hamburger mit immerhin einem Punkt und 0:7 Tore auf dem vorletzten Tabellenplatz. Zweifel am Aufstiegstrainer Polzin und an der Bundesliga-Tauglichkeit der Mannschaft wurden laut.
Wichtige Spieler wie Abwehr-Ausnahmetalent Luka Vuskovic, Spielgestalter Fabio Vieira oder Mittelfeldspieler Albert Sambi Lokonga waren erst am letzten Tag des Transferfensters in das neu formierte Team gekommen. In diesem Jahr schlug der HSV ebenfalls kurz vor Ende der Transferperiode zu.
Auch damals gelang dem HSV wie diesmal am vierten Spieltag der erste Sieg, ebenfalls mit einem 2:1. Nur hieß der Gegner damals 1. FC Heidenheim. Es war der Beginn einer Trendwende. Die Hamburger stabilisierten sich unter Polzin. Am Ende stand mit Tabellenplatz 13 der souveräne Klassenverbleib.
Noch ist es zu früh zu sagen, ob der Erfolg gegen die Kölner eine ähnliche und nachhaltige Entwicklung einleitet. Dennoch zeigt das Spiel, dass Polzin scheinbar völlig unideologisch praktische Lösungen findet.
Nach den beiden 0:5-Niederlagen gegen Mainz 05 und bei RB Leipzig setzte er zunächst auf defensive Stabilität. «Ich glaube, man hat gesehen, dass die Mannschaft nach den vielen Gegentoren in den vergangenen beiden Spielen den Plan hatte, in eine Sicherheit reinzukommen», erklärte Polzin.
Der Sieg kam in jedem Fall zu einem psychologisch günstigen Zeitpunkt vor der dreiwöchigen Länderspielpause - auch für Polzin. Die vergangenen Erfolglos-Wochen hatten auch bei ihm durchaus Spuren hinterlassen.
«Die Wochen waren sehr interessant für mich als Trainer, für uns als Mannschaft und für uns ein Stück weit als Verein», sagte er. Bei aller sachlicher Kritik habe es auch Stimmen gegeben, «die uns irritiert haben. Wir haben hier über dann fast zwei Jahre mit dem Aufstieg und dem Klassenerhalt etwas auf den Weg gebracht haben, was deutlich stabiler ist als drei Niederlagen gegen zwei Champions-League-Teilnehmer.» Die Verbundenheit und die Stärke, «die wir ineinander haben, ist viel, viel stärker als das, was solche Niederlagen mit einem machen können.»
Angesprochen darauf, woran er in der zurückliegenden ereignisreichen Woche am ehesten denken würde, erinnerte Polzin indes an das Trainings-Comeback von Mario Vuskovic am Dienstag zwei Monate vor Ende seiner vierjährigen Doping-Sperre: «Das wird trotz des wichtigen Sieges und der Vertragsverlängerung das sein, was mir als Erstes in den Sinn kommt.»