28. August 2026 – dpa
Nach einem Drohnenfund am Flughafen Leipzig/Halle und zahlreichen Sichtungen fordern CDU, Grüne und FDP ein Schutzkonzept für kritische Infrastruktur und klare Zuständigkeiten bei der Drohnenabwehr.
Nach dem Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle plant der Landtag in Kiel die Drohnenabwehr im Land zu stärken. «Eine wirksame Drohnenabwehr muss dort ansetzen, wo die Bedrohung entsteht, wo ein besonderer Schutz erforderlich ist», sagte Innenministerin Magdalena Finke (CDU). «Wir werden uns deshalb künftig noch stärker dezentral aufstellen müssen, unsere Fähigkeiten näher an die kritische Infrastruktur positionieren, um eine schnellere und flexiblere Abwehr zu ermöglichen.» Angesichts dessen brachten CDU, Grüne und Liberale auf Initiative der FDP einen gemeinsamen Antrag ins Plenum in Kiel ein.
In Schleswig-Holstein selbst seien in diesem Jahr bislang 34 Drohnen in Schleswig-Holstein gesichtet worden, erklärte Finke. 2025 waren es 148 mutmaßliche Sichtungen. «Die Zahlen muss man einordnen», betonte sie. «Es handelt sich dabei nicht ausschließlich um illegale Drohnenüberflüge.»
Allerdings hat laut Finke Schleswig-Holstein als eins der ersten Länder eine Drohne abgeschossen. Die Zahlen und die Entwicklung zeige, dass Drohnen ein Instrument hybrider Bedrohung seien. Daher werde nicht nur an einem bundesweiten Lagebild gearbeitet - auch weitere Maßnahmen seien nötig.
Auslöser für den aktuellen Antrag war vor allem ein Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle. Am Abend des 4. Augusts war im Sicherheitsbereich des Flughafens eine Sprengstoff-Drohne zwischen ukrainischen Frachtmaschinen entdeckt worden. Die drei Fraktionen von der Landesregierung fordern in ihrem Antrag etwa, den Schutz der kritischen Infrastruktur zu verstärken und ein Schutzkonzept zu schaffen, das auch die Gefahrenlagen im maritimen Raum berücksichtigt.
Zudem müsse zügig die volle Einsatzbereitschaft der Drohnenabwehreinheit beim Landeskriminalamt hergestellt und diese technisch auf die sich weiterentwickelte Bedrohung vorbereitet werden. «Unsere Sicherheit ist durch die hybriden Angriffe auf unser Land zunehmend gefährdet», sagte FDP-Landeschef Christopher Vogt. «Das dürfen wir gemeinsam nicht zulassen.» Der Vorfall am Flughafen zeige, dass die Bedrohung real ist - und eine neue Dimension erreicht hat.
Der FDP-Politiker erklärte: «Drohnen werden nicht mehr nur zur Spionage eingesetzt, sondern als Waffe.» So dürfe die Drohnenabwehr nicht an einem «Zuständigkeitswirrwarr» scheitern. Daher müssten unter Beteiligung von Landespolizei, Bundespolizei und Bundeswehr Zuständigkeitsfragen eindeutig geregelt und die Zusammenarbeit gestärkt werden.
«Es ist schwer zu vermitteln, dass die Drohnenabwehr streng genommen an bestimmten örtlichen Grenzen, also zum Beispiel bei bestimmten Grundstücken, an eine andere Behörde übergeben werden müsste», führte er aus. Dies sei ineffizient und koste Zeit.
Der SPD-Abgeordnete Niclas Dürbrook erklärte: «Die Diskussionen der letzten Wochen haben noch mal gezeigt: Eine Drohne muss gar nicht erst explodieren, um ihre Wirkung zu entfalten.» Wer es schaffe, das Land und die Menschen mit jedem unbekannten Fluggerät zu verunsichern und unsere Abläufe zu stören, hat sein Ziel vermutlich schon erreicht. Daher plädierte er dafür die Bedrohung ernst zu nehmen, aber «einen kühlen Kopf» zu bewahren.
Im Antrag selbst steht laut Dürbrook größtenteils, was bereits vom Landtag im Oktober beschlossen wurde. Damals sprach sich das Parlament einstimmig für besonnenes, aber konsequentes Vorgehen aus. «Das klare gemeinsame Ziel muss sein, die Sicherheitsbehörden in Land und Bund schnellstmöglich in die Lage zu versetzen, Drohnenüberflüge nicht nur aufzuklären, sondern im Zweifel auch unterbinden zu können», hieß es in einem Antrag aller fünf Landtagsfraktionen.
Daher wolle Dürbrook die Gelegenheit nutzen, die Punkte im Antrag im Innenausschuss erneut zu behandeln. «Bei der Gelegenheit sollten wir dann auch darüber sprechen, wie genau jetzt der Fahrplan für die Schutzkonzepte der kritischen Infrastruktur eigentlich aussehen sollte», sagte er.
Für die SSW-Abgeordnete Sybilla Nitsch muss die Aufklärung der Bevölkerung mehr in den Fokus genommen werden. «Die Bevölkerung kann viel mehr ertragen, als viele glauben wollen», sagte sie. «Und sie kann und muss die Hintergründe kennen.» Es sei kein Manko, wenn sich etwa acht von zehn Drohnenvorfällen als harmlos darstellen sollten oder umgekehrt. «Wenn wir die Drohnenabwehr tatsächlich weiter stärken wollen, dann sollten wir den Punkt der Aufklärung der Bevölkerung ebenso ernst nehmen wie die Ausstattung der Sicherheitsbehörden», betonte sie.
Eine Überweisung des Antrages in den Innen- und Rechtsausschuss wurde schließlich durch Gegenstimmen von CDU, Grünen und FDP abgelehnt. Daraufhin beschloss das Plenum den Antrag der drei Fraktionen einstimmig.