09. September 2026 – dpa

Schwermetall

Trotz Meeresschutz: Quecksilber belastet weiter die Nordsee

Seit gut vier Jahrzehnten gelten für den Einsatz von Quecksilber strenge Regeln. Doch das giftige Schwermetall findet sich noch immer in der Nordsee und verschwindet auch nicht, wie Messungen zeigen.

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Das Vermessungsschiff «Atair» wird auch bei der Untersuchung von Sedimentproben auf Quecksilber eingesetzt. (Archivbild)

Auch Jahrzehnte nach dem Verbot von Thermometern und Glühlampen mit Quecksilber belastet das Schwermetall die küstennahe Nordsee. Vor allem in der Nähe der Flussmündungen werde der giftige Stoff in den Ablagerungen auf dem Meeresboden gefunden, erklärt die Leiterin des Referats für umweltgefährdende Substanzen beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg, Simone Hasenbein.

An fast der Hälfte der Messstellen werde der Schwellenwert, der von den Nordsee-Anrainerstaaten in der Ospar-Konvention festgelegt sei, überschritten. Der Schwellenwert liegt bei 0,15 Milligramm pro Kilogramm Sediment.

Quecksilber heftet sich nach Angaben von Hasenbein an die Bodenablagerungen an und baut sich kaum ab. Allenfalls entsteht das hochgiftige Methylquecksilber. Auch reines Quecksilber ist giftig. Es gelangt über Bodenlebewesen und Fische in die Nahrungskette und könne auch für Menschen eine Gesundheitsgefahr darstellen, sagt die promovierte Umweltchemikerin. Aufgrund von Ebbe und Flut gibt es in der Nordsee viel Bewegung, doch Quecksilber sei sehr unbeweglich.

Weitere Einträge erfolgen noch immer über die Luft und über Flüsse ins Meer. Das gelte auch für die Oder und andere Flüsse, die in die Ostsee münden, sagt Hasenbein. Eine aktuelle Auswertung der Messergebnisse für die Ostsee ist aber noch nicht abgeschlossen.

Wichtigste Quelle für die Einträge über die Luft sind Kohlekraftwerke, die Quecksilber mit den Abgasen ausstoßen. Auch über den Schlick, der im Hamburger Hafen ausgebaggert und vor der Küste Schleswig-Holsteins abgelagert wird, gelange das Schwermetall in die Nordsee. Am Ablagerungsplatz an der Tonne E3 misst das Bundesamt regelmäßig höhere Werte.

Der Meeresboden in der Deutschen Bucht wird seit 1980 zweimal pro Jahr vom BSH untersucht. Dabei werde ein qualitätsgesichertes Verfahren eingesetzt, sagt Hasenbein, die die aktuellen Ergebnisse auf einem Meeresumwelt-Symposium in Hamburg vorstellte.

2013 wurde ein internationales Abkommen geschlossen, das den Quecksilber-Eintrag in die Meere weiter reduzieren soll. Der sogenannten Minamata-Konvention haben sich inzwischen mehr als 150 Staaten angeschlossen. Sie trat nach Angaben des Bundesumweltamts im August 2017 in Kraft.

Thema des Meeresumwelt-Symposiums war, wie sich Meeresschutz mit Fischerei, Energiewende und Seeschifffahrt vereinbaren lässt. Die Veranstaltung mit rund 300 Teilnehmern in Hamburg wurde vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie organisiert.

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