14. September 2026 – dpa

Prozessbeginn

Tödlicher Streit um Drogen: 23-Jähriger schweigt vor Gericht

Ein 15-Jähriger stirbt in Eckernförde nach einem eskalierten Drogendeal – gefälschte Scheine, Messer, Schreckschusspistole und ein Arzt als Zeuge. Wie kam es zu dem tödlichen Stich?

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Wegen des gewaltsamen Todes eines 15-Jährigen in Eckernförde muss sich ein Mann vor dem Kieler Landgericht verantworten. (Archivbild)

Die tödlichen Folgen eines mutmaßlichen Drogengeschäfts in Eckernförde beschäftigen das Kieler Landgericht. Wegen eines folgenschweren Streits am 11. März auf einem Parkplatz der Ostseestadt muss sich ein Bremer in Schleswig-Holstein verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem mittlerweile 23-Jährigen Totschlag und einen Verstoß gegen das Cannabisgesetz vor - sein Opfer war 15 Jahre alt.

Zu Prozessbeginn schwieg der Angeklagte zu den Vorwürfen. Sein Verteidiger kündigte jedoch an, dass sich sein Mandant im Laufe des Prozesses sicherlich einlassen werde. «Aber nicht heute.»

Nach Überzeugung der Kieler Staatsanwaltschaft steht der Fall im Zusammenhang mit einem Drogengeschäft. Das spätere Opfer und dessen Bruder hätten sich zu einem Treffen mit dem Angeklagten auf dem Parkplatz des Supermarktes verabredet, sagte Staatsanwältin Gesine Flemming. Der Angeklagte sei mit einem Begleiter in einem weißen Mietwagen gekommen.

Das Treffen eskalierte laut Anklage jedoch derart, dass es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen mehreren Menschen kam. Das spätere Opfer und sein Bruder hätten zuvor den Plan gefasst, das Duo «abzuziehen», sagte die Staatsanwältin. Die nicht unerhebliche Menge Cannabis hätten die Eckernförder mit 184 gefälschten 50-Euro-Scheinen bezahlen wollen - macht 9.200 Euro.

Doch das abendliche Geschäft auf dem Rücksitz des Kleinwagens ging schief. Dem Begleiter des Angeklagten fielen die Blüten auf. Was daraufhin genau passierte, schilderte die Staatsanwältin wie folgt: Der Bruder des Opfers habe seine Schreckschusspistole gezogen und die beiden Männer bedroht. Er habe begonnen, die Drogen, das Handy und auch Bargeld aus dem Auto an sich zu nehmen.

Sowohl der Angeklagte als auch sein Opfer hatten nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Messer dabei. Der 23-Jährige habe dem 15-Jährigen auf Höhe des Herzens in die Brust gestochen, sagte Flemming. Tatwaffe sei ein Klappmesser mit zehn Zentimeter langer Klinge gewesen. Es lag nach der Tat blutbefleckt am Tatort. Das Opfer selbst hat demnach nicht zugestochen, seinem Kontrahenten nach dem Messerstich aber einen Schlag versetzt. Der Jugendliche erlag noch am Abend seinen Verletzungen.

Der Angeklagte sitzt in Untersuchungshaft. Er ist türkischer Staatsangehöriger und lebte zuletzt in Bremen.

Es gibt Zeugen des Geschehens. Ein 32 Jahre alter Arzt und Sanitätsoffizier des Seebataillons in Eckernförde war am Tatabend gegen 20.45 Uhr zu Fuß auf dem Weg zum Einkauf und telefonierte mit seiner Frau. Dann habe er aus dem Augenwinkel Bewegungen wahrgenommen und einen Mann mit ausgestrecktem Arm und Faustfeuerwaffe gesehen, schilderte der Zeuge vor Gericht. Er habe Mündungsfeuer wahrgenommen und sei aufgrund seiner beruflichen Kenntnisse sofort zu Boden und danach in Deckung gegangen.

Um 20.47 Uhr setzte er einen Notruf ab. Zudem beobachtete er, wie ein weißer Kleinwagen mit geöffnetem Kofferraumdeckel davon raste. Wie laut der von ihm gehörte Knall tatsächlich war, könne er wegen der aktivierten Geräuschunterdrückung seiner zu dem Zeitpunkt von ihm getragenen Kopfhörer nicht sagen. «Ich bin dann erstmal runter auf den Boden.» Ihm sei aber aufgefallen, dass der Wagen «ziemlich komisch gefahren» sei. Danach sei er zum Tatort gegangen, aber niemanden mehr vorgefunden. Ein Klappmesser und eine Armbanduhr lagen jedoch dort.

Seine Aussage zum Kofferraum deckt sich mit Angaben eines weiteren Zeugen. Ein Auszubildender, der sich an dem Abend mit seiner im Supermarkt arbeitenden Freundin auf dem Parkdeck traf, berichtete im Saal 132 des Landgerichts von einer lautstarken Diskussion zwischen drei oder vier Personen. Die Sprache habe er aber nicht verstanden.

«Dann habe ich auf einem einen lauten Knall gehört», sagte der Zeuge. Daraufhin sei er auf dem Parkdeck nach vorne gegangen, um zu sehen, was genau passiert sei und ob er helfen müsse. Bei dem Kleinwagen habe der Kofferraumdeckel zunächst komplett offen gestanden. Während der Fahrt habe er sich zuerst geschlossen und habe sich dann wieder etwas geöffnet.

Außerdem beobachtete der Mann, wie zwei Personen in Richtung des Parkdecks gingen. «Der eine taumelte leicht und ist auch einmal zu Boden gegangen.» Der andere habe diesem hochgeholfen und ihn hinter sich hergezogen und gestützt. Dabei handelte es sich vermutlich um das Opfer.

Nach dem Tod des Jugendlichen hatte die Staatsanwaltschaft eine Belohnung in Höhe von 5.000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ermittlung und rechtskräftigen Verurteilung von Tatbeteiligten führen.

Zwei Wochen nach der Tat stellte sich der Angeklagte. Gegen ihn war allerdings zuvor Haftbefehl ausgestellt und erfolglos nach ihm gefahndet worden. Wenige Tage nach der Tat war zunächst ein 23 Jahre alter Mann ebenfalls aus Bremen vorübergehend inhaftiert worden. Nach Prüfung seines Alibis kam er aber wieder auf freien Fuß. Die Ermittlungen führten die Beamten parallel zu einem Tatverdacht gegen den Angeklagten.

Für den Prozess in Kiel sind sieben weitere Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte am 6. November fallen.

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