23. August 2026 – dpa

Schleswig-Holsteins Jubiläum

Up ewig ungedeelt - Schleswig-Holstein wird 80

Fischbrötchen, wortkarge Menschen und immer Wind - es gibt einige Klischees über Schleswig-Holstein. Dabei hat das nördlichste Bundesland viel mehr zu bieten. Ein Überblick.

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Weht seit 80 Jahren stolz im Wind: Die Landesflagge Schleswig-Holsteins. (Archivbild), Foto: Carsten Rehder/dpa

Schleswig-Holstein ist das nördlichste Bundesland - und es feiert seinen 80. Geburtstag. Im August 1946 wurden die rechtlichen Grundlagen für die Gründung geschaffen. Das wird am Dienstag (25.8.) mit einem Festakt gefeiert. Doch was macht das Land eigentlich aus?

Die Geschichte Schleswig-Holstein gilt als kompliziert. Einfach ist jedoch der historische Wahlspruch «Up ewig ungedeelt» - und so gehören Holstein im Süden und Schleswig im Norden fest zusammen. Ein Bundesland wurde vor 80 Jahren daraus, unter denkbar schwierigen Bedingungen. Die beiden großen Städte Kiel und Lübeck im Bombenkrieg verwüstet und mit einer durch Flüchtlinge fast verdoppelten Einwohnerzahl mussten sich die Menschen im Land zusammenraufen und ihre alte oder neue Heimat aufbauen. Dass es auch heute noch Aufholbedarf gibt, zeigt die Wirtschaftsleistung pro Kopf. Mit rund 42.700 Euro im Jahr 2024 lag das nördlichste Bundesland ein gutes Stück unter dem deutschen Durchschnitt von etwa 50.800 Euro.

Schleswig-Holstein ist seit Jahrhunderten eng mit dem Nachbarland Dänemark verflochten. 1920 wurde die Grenze zwischen Deutschland und Dänemark nördlich von Flensburg und südlich von Tønder (Tondern) neu gezogen. Festgelegt wurde ihr Verlauf auf Grundlage des Versailler Friedensvertrags durch Volksentscheide in zwei Abstimmungszonen.

Etwa 15.000 Menschen, die sich der deutschen Minderheit angehörig fühlen, leben nördlich der Grenze, etwa 50.000 Menschen in Schleswig-Holstein zählen sich zur dänischen Minderheit. Die Minderheiten unterhalten jeweils unter anderem Parteien, Schulen, Kindergärten und andere Einrichtungen. Die deutsch-dänische Grenzregion und das Verhältnis der dort lebenden Menschen entwickelte sich zum Musterbeispiel friedlichen Zusammenlebens.

Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) vertritt die dänische Minderheit und die Volksgruppe der Friesen im Landtag. Der SSW ist von der Fünf-Prozent-Klausel befreit.

Die Bundeswehr beginnt wegen der Spannungen mit Russland nach Jahrzehnten der Abrüstung damit, alte Liegenschaften im Land zu reaktivieren und neue Stützpunkte einzurichten. Im Kalten Krieg galt Schleswig-Holstein wegen seiner strategisch wichtigen Lage zwischen Nord- und Ostsee, Nord- und Mitteleuropa als unversenkbarer Flugzeugträger der Nato.

Nicht nur die Bundeswehr war mit starken Verbänden vertreten, die Verbündeten nutzen Schleswig-Holstein regelmäßig für Übungen. Das Donnern der Starfighter, Phantom, und Tornados von Luftwaffe und Marinefliegern gehörte über lange Zeit zur Identität des Landes. Kiel und Eckernförde sind weiterhin wichtige Marinestützpunkte unter anderem für Minenjäger und U-Boote.

Küsten haben Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen auch. Aber nur Schleswig-Holstein grenzt an zwei Meere - Nordsee und Ostsee. Die Gesamtküstenlänge beträgt nach Angaben des Landes 1.110 Kilometer. Davon sind 569 Kilometer Nordseeküste und Tideelbe und 541 Kilometer Ostseeküste. Der Nord-Ostseekanal verbindet bei Brunsbüttel die Elbe und damit die Nordsee mit der Kieler Förde und der Ostsee. Der Kanal zählt zu den meistbefahrenen künstlichen Wasserstraßen der Welt.

Neben den Inseln wie Fehmarn in der Ostsee sowie Sylt, Amrum, Föhr, Pellworm, Nordstrand und Helgoland in der Nordsee gibt es in Schleswig-Holstein zehn Halligen. Halligen ragen nur wenig aus dem Meer heraus und werden im Gegensatz zu Inseln bei Sturmflut regelmäßig überflutet. Mehrmals im Jahr kommt es zum sogenannten Landunter, bei dem nur noch die Warften - künstliche Erdhügel, auf denen die Gebäude stehen - aus dem Wasser ragen.

Übrigens: Neben der Nord- und Ostsee gibt es nach Landesangaben rund 300 Seen, rund 30.000 Kilometer Bäche und Flüsse und ein flächendeckendes Grundwasservorkommen.

Schleswig-Holstein hat sich in den vergangenen 80 Jahren von einem Agrarland auch zu einem starken Industrie- und Dienstleistungsland entwickelt. In der Gesundheitswirtschaft ragt dabei das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein hervor. Es beschäftigt rund 17.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Standorten in Kiel und Lübeck.

In der Privatwirtschaft gehören zu den bekanntesten Unternehmen etwa TKMS oder Dräger. Ebenso befinden sich im nördlichsten Bundesland auch die europäische Zentrale von Casio und die Zentrale von Tesa.

Von Sylt bis Fehmarn ist der Norden als Urlaubsland beliebt. 2025 zählte das Statistikamt knapp 9,7 Millionen Gästeankünfte und fast 38,6 Millionen Übernachtungen in Betrieben mit mindestens zehn Betten. Damit lag das relativ kleine Schleswig-Holstein auf Platz fünf der Bundesländer. Der ganz überwiegende Teil der Gäste kommt aus dem Inland. Besonders beliebt ist Schleswig-Holstein bei Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

Bundesweit größte Bekanntheit dürfte die Insel Sylt haben, die spätestens seit den 60er Jahren immer auch ein wenig der Hauch von Exklusivität umweht. Aber auch St. Peter-Ording, Timmendorfer Strand, Travemünde und Fehmarn sowie Ferienzentren wie Damp und Weißenhäuser Strand sind beliebte Reiseziele. Mit Helgoland verfügt Schleswig-Holstein zwar nicht über eine echte Hochseeinsel, aber doch über das einzige Eiland weit draußen in der Nordsee.

Politisch lässt sich Schleswig-Holstein nicht klar zuordnen. Von einer Alleinregierung der CDU, über eine Küsten-Koalition zwischen SPD, Grüne und SSW bis hin zu einer Jamaika-Koalition war seit 1946 alles dabei. Von 1950 an bis 1988 regierten Christdemokraten - mal mit der FDP, mal allein. Anschließend folgte eine Alleinregierung der SPD unter Björn Engholm und letztendlich steter Wechsel in den Regierungskonstellationen, der bis heute anhält. Derzeit regiert die CDU unter Ministerpräsidenten Daniel Günther gemeinsam mit den Grünen.

Zudem hat das Land mit heute mehr als 2,9 Millionen Einwohnern Persönlichkeiten wie Willy Brandt, Max Planck, Günther Fielmann, Björn Engholm, Michael Stich und Friede Springer hervorgebracht. Hier regierte mit Heide Simonis die deutsche Ministerpräsidentin, hier gab es die Landesväter Gerhard Stoltenberg und Peter Harry Carstensen. Schließlich brachte Schleswig-Holstein auch Uwe Barschel als Regierungschef hervor.

Auch politische Skandale prägten das nördlichste Bundesland - keiner erschütterte die politische Landschaft der Bundesrepublik dabei so sehr wie die Barschel-Affäre. Der «Spiegel» enthüllte 1987 üble Tricks im Wahlkampf gegen SPD-Kandidat Björn Engholm. Aus der Staatskanzlei von Regierungschef Uwe Barschel (CDU) ließ der Referent Reiner Pfeiffer Engholm bespitzeln, schickte eine anonyme Steueranzeige gegen ihn ab und setzte ihn am Telefon einem Aids-Verdacht aus.

Pfeiffer beschuldigt Barschel als Drahtzieher. Barschel bestritt alles mit einem spektakulären Ehrenwort und trat zurück. Am 11. Oktober fand man seine Leiche in einer Hotelbadewanne in Genf. Die Todesursache: Medikamentenvergiftung. Bis heute gibt es Menschen, die daran zweifeln, dass er sich selbst getötet hat.

1993 wurde bekannt, dass Ex-SPD-Landeschef Günther Jansen nach dem Barschel-Skandal Pfeiffer umgerechnet 25.000 Euro zahlte. Jansen trat als Sozialminister zurück, dann folgt Engholm als Ministerpräsident. Er musste zugeben, dass er schon vor der Wahl 1987 von Pfeiffers Machenschaften wusste - früher als behauptet. Die SPD stürzte in eine Glaubwürdigkeitskrise. Heide Simonis wurde als erste Frau in Deutschland Ministerpräsidentin. Ihre Wiederwahl scheitert 2005, weil ihr jemand aus den eigenen Reihen in vier Wahlgängen die Stimme verweigert. Die Identität des «Heide-Mörders» ist bis heute ungeklärt.

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