21. Juni 2026 – dpa
Wohngeldkürzungen könnten laut Wohnungsverband den sozialen Abstieg vieler Menschen im Norden beschleunigen. Was bedeutet das für Empfänger in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern?
Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen hat die von Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) angekündigten Wohngeldkürzungen zurückgewiesen. «Die Pläne der Bundesregierung, die Wohngeldausgaben um mehr als 40 Prozent zu kürzen, beschleunigen den sozialen Abstieg vieler Menschen im Norden», warnte Verbandsdirektor Andreas Breitner. Bund und Länder müssten sparen. «Warum das aber auf Kosten der Schwachen in unserer Gesellschaft passieren muss, verstehe, wer will.» Als Verband «lehnen wir die Pläne ab», sagte Breitner.
Das Wohngeld sei ein Zeichen gesellschaftlicher Solidarität und ermögliche vor allem Rentnerinnen und Rentnern ein bezahlbares Wohnen. Die Ausweitung der Berechtigten Anfang 2023 sei eine richtige Entscheidung der damaligen Ampel-Regierung gewesen. «Sie belegte, dass der deutsche Sozialstaat nach wie vor leistungsfähig ist», sagte Breitner. Das Wohngeld sei vor allem deshalb eine gute Lösung, weil es die Wohnkosten als Ganzes betrachte, also auch die stark steigenden Nebenkosten einpreise.
Breitner verwies auf das Statistikamt Nord, wonach in Hamburg derzeit rund 26.000 Haushalte Wohngeld beziehen. In Schleswig-Holstein seien es rund 45.000 und in Mecklenburg-Vorpommern etwa 46.000 Haushalte. Mit 5,5 Prozent an allen Haushalten liege der Nordosten bundesweit an der Spitze. Im Bundesdurchschnitt liege der Anteil der Empfängerhaushalte bei 2,8 Prozent.
Mit ihrem Plan, das Wohngeld als sozialpolitische Leistung zu schleifen, gehe die schwarz-rote Bundesregierung den ‚Weg des geringsten Widerstands, sagte Breitner, dessen Verband im Norden 491 Wohnungsgenossenschaften und -gesellschaften mit 760.000 Wohnungen und rund zwei Millionen Bewohnern vertritt. «Anstatt ernsthaft Sparpotenziale zu heben, zum Beispiel die Zahl der Bauvorschriften zu reduzieren oder die Baugenehmigungsverfahren zu verkürzen – wird an der falschen Stelle gekürzt.»
Wegen der Sparpläne der Bundesregierung müssen Empfänger von Wohngeld künftig mit Einbußen rechnen, einige könnten sogar leer ausgehen. «Die Kürzungen beim Wohngeld werden leider alle bisherigen Empfänger betreffen», hatte Bundesbauministerin Hubertz in der «Rheinischen Post» angekündigt.
«Ein Drittel der bisherigen Wohngeldhaushalte wird rausfallen. Ein Teil davon sind Menschen, die aufgrund ihres Einkommens bislang gerade so noch antragsberechtigt sind», sagte die Ministerin. Insgesamt sollen statt jährlich rund fünf Milliarden Euro nur noch drei Milliarden für Wohngeld ausgegeben werden.