23. Juli 2026 – dpa

«German Spiderman»

17-jähriger Extremhindernisläufer träumt vom WM-Titel

Sechsmal pro Woche Training, Lernen im Flugzeug: Ben Buchholz strebt den WM-Titel im Extremhindernislauf an. Ein Balanceakt zwischen Leistungssport und Schule.

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Ben Buchholz zählt zu den schnellsten Hindernisparcours-Läufern weltweit.

Am Klettergerüst im heimischen Garten hangelt sich Ben Buchholz mit beeindruckendem Tempo von Griff zu Griff. Für den 17-Jährigen ist der aufgebaute Hindernisparcours aber kein gewöhnliches Spielgerät. Hier bereitet sich der Rostocker auf die Weltmeisterschaft im Obstacle Course Racing (OCR), also im Extremhindernislauf, vor. Über die Strecke von 100 Metern hält der Nachwuchsathlet sogar den deutschen Rekord.

Bens große Leidenschaft für die mit dem Ninja-Sport verwandte Disziplin ist ihm schnell anzumerken. Er trainiere sechsmal die Woche, um sich stetig zu verbessern, sagt er. «Dreimal die Woche Kraft, dreimal die Woche Techniktraining.» Hinzu komme etwas Cardio. «Wenn man Weltmeister werden will, wenn man zu den Besten der Welt gehören will, dann muss man viel trainieren», fasst der Schüler seinen ungewöhnlichen Alltag zusammen.

Bens Königsdisziplin ist die Parcoursstrecke über 100 Meter. Dabei gilt es, eine festgelegte Anzahl standardisierter Hindernisse möglichst schnell und fehlerfrei zu überwinden. Die Athleten starten von einer Plattform und sprinten über Balanceelemente, Kletterhindernisse und technisch anspruchsvolle Griffpassagen - am Ende wird eine Glocke geläutet. Im Wettkampf treten immer zwei Läufer gegeneinander an. Der Schnellere von beiden gewinnt und kommt eine Runde weiter, der andere scheidet aus.

Seine offizielle Bestzeit auf der Strecke liegt bei 27,3 Sekunden und ist zugleich deutscher Rekord. Seit drei Jahren reist Ben mit seinem Vater um die Welt, um an verschiedenen Turnieren teilzunehmen. In der U20-Altersklasse ist Ben im vergangenen Jahr in Schweden Vizeweltmeister geworden. Zudem war er bereits U16-Europameister und U16-Vizeweltmeister. Im August soll nun bei der Weltmeisterschaft in Irland der Titel im Juniorenbereich folgen.

Oliver Walther, Vorstandsvorsitzender der Obstacle Course Racing Association (OCRA) Germany, hebt die Disziplin hervor, die notwendig sei, um Fortschritte auf dem Kurs zu erzielen. Bei dem genormten Parcours gehe es um Zentimeter und Hundertstelsekunden, die man herausholen könne, sagt er. «Und Ben ist da sehr, sehr akribisch und das macht ihn natürlich aus», sagt Walther. Seine Ergebnisse zeigten, wie ernst Ben den Sport nehme und wie professionell er sich vorbereite.

Für die Schule lernt Ben oftmals unterwegs. «Wenn ich irgendwohin fliege, nehme ich mir Sachen zum Lernen mit», sagt Ben. Er übe, hole Stoff nach und müsse sich die Zeit einfach gut einteilen. Nach den Sommerferien kommt er in die 11. Klasse und beginnt die Vorbereitung auf das Abitur. Seine Eltern unterstützen ihn dabei. «Wir sind irgendwann mal den Weg gegangen und haben gesagt, okay, dann gehen wir ihn auch zu Ende», sagt Vater Bernd Buchholz. Dass das Ganze einmal so viel Fahrt aufnehmen würde, habe er nicht geahnt, sagt er rückblickend.

Ben mache eine Bewegung 50.000 Mal, bis er sie zu 100 Prozent optimiert habe, sagt Buchholz. «Und das macht ihm Spaß.» Dies im Wettkampf abzurufen und Erfolg zu haben, sagt er, motiviere seinen Sohn unheimlich. Früher habe er Ben mitunter auch mal bremsen müssen, damit dieser Regenerationspausen einlege. «Aber inzwischen ist er Profi genug, dass er genau weiß, wie er seinen Körper belasten kann und wie er sich vor dem Wettkampf erholen oder regenerieren muss», sagt er.

Für Bernd Buchholz ist entscheidend, dass Ben seine Leidenschaft leben kann. «Das ist wie bei den meisten Vätern wahrscheinlich. Eigentlich bin ich zufrieden, wenn er zufrieden ist.» Über den Sport lerne Ben auch viele Menschen kennen. Auf seinem Social-Media-Account sei er mit Fans aus verschiedenen Ländern in Kontakt, sagt er. «Es ist schon cool, wenn man in dem Alter so viele Kontakte in aller Welt hat und ein bisschen was erlebt.»

Zum Hindernisparcours ist Ben über die bekannte TV-Show «Ninja Warrior» gekommen. Zunächst war er großer Fan der Sendung, später nahm er selbst an der deutschen Ausgabe teil, wie er sagt. Er sei lange im Ninja-Sport aktiv gewesen und irgendwann auf die Idee gekommen, sich im Extremhindernislauf auszuprobieren, auch um die zu diesem Zeitpunkt fehlende Schnelligkeit zu trainieren. Später lief es beim Obstacle Course Racing so gut, dass er dabei geblieben ist. «Mit diesem kompletten Tempo habe ich auf jeden Fall meine Schwäche ganz gut zu meiner Stärke gemacht», sagt er.

Gleich bei seinem ersten Wettkampf bekam Ben den Spitznamen «German Spiderman» von seinen Mitstreitern verpasst. «Irgendwie ein cooler Spitzname», findet Ben. Gerade in einem Sport, bei dem eigentlich jeder mit Vor- und Nachnamen angesprochen werde, sagt er. Für die Zukunft wünscht er sich, auch in der Weltelite im Erwachsenenbereich ganz oben mitzulaufen. Aktuell fehle dafür noch etwas. «Aber bis ich 20 bin, möchte ich da auf jeden Fall ganz oben mitspielen.»

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