28. Juli 2026 – dpa

Infektionen

An Ostsee mit Vibrionen infiziert - ein Todesfall in Berlin

Mehrere Berliner ziehen sich in Mecklenburg-Vorpommern Vibrionen-Infektionen zu. Ein Fall endet tödlich. An der Küste arbeiten Forschende an Warnsystemen. Demnach spielen auch Algen eine Rolle.

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Berlin meldet eine tödlich verlaufene Vibrionen-Infektion. (Symbolbild)

Nach einem Aufenthalt an der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern ist im Juli ein Mensch aus Berlin infolge einer Vibrionen-Infektion gestorben. Es handelt sich nach Angaben des Berliner Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) um den ersten von der Behörde registrierten entsprechenden Todesfall seit 2023. Für die Zeit davor lägen keine Daten vor. Zuvor hatte die «BZ» berichtet.

Insgesamt verzeichnet das Lageso in seinem jüngsten Wochenbericht zu Infektionskrankheiten in diesem Jahr bereits drei Fälle von Vibrionen-Infektionen. Auch in einem anderen dieser Fälle hielt sich der oder die Betroffene demnach vor Beginn der Erkrankung in Mecklenburg-Vorpommern auf, im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Die Behörde geht davon aus, dass sich die Erkrankungen vermutlich nach Wund- oder Hautkontakt mit Meer- beziehungsweise Brackwasser entwickelt haben.

Bei allen drei Betroffenen lag den Angaben zufolge eine Wundinfektion vor, die sich in zwei Fällen zu einem septischen Krankheitsbild entwickelt habe, in einem Fall mit tödlichem Verlauf. In diesem Fall wird als Datum für den Erkrankungsbeginn der 22. Juni und als Todesdatum der 13. Juli angegeben.

Angaben zum Geschlecht der Menschen machte die Behörde aus Datenschutzgründen nicht. Alle Betroffenen seien über 75 Jahre alt und zählten somit zur Risikogruppe. Dazu gehören insbesondere ältere und immungeschwächte Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen, etwa Diabetes, Leber- oder schweren Herzerkrankungen. Gefährdet sind vor allem Personen mit offenen Wunden.

Vibrionen sind natürlicherweise in Süß-, Brack- und Salzwasser vorkommende Bakterien. Mit sommerlicher Hitze steigt das Risiko für Vibrionen-Infektionen an Nord- und Ostsee. Bei Wassertemperaturen über 20 Grad können sich nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) Vibrionen in Oberflächengewässern stark vermehren.

Gerade in flachen, sich schnell erwärmenden Küstenbereichen steigt das Risiko für ein vermehrtes Auftreten der Bakterien bei höheren Temperaturen deutlich. Die Ostsee ist aufgrund ihres niedrigen Salzgehalts besonders betroffen.

Dem Lageso-Bericht zufolge verzeichneten die Berliner Gesundheitsämter im gesamten Jahr 2025 zwei Vibrionen-Infektionen und 2023 und 2024 jeweils fünf. In diesem Jahr sei eine vergleichsweise frühe Saison hierzulande erworbener Vibrionen-Infektionen zu beobachten. Ursache dafür sei wahrscheinlich die von den hohen Temperaturen verursachte frühe Erwärmung der Küstengewässer.

Die jüngsten Daten erfassen den Zeitraum einschließlich der 29. Kalenderwoche. Bis dahin sei in den Vorjahren im Mittel ab Jahresbeginn lediglich eine Infektion gemeldet worden.

Mecklenburg-Vorpommerns Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) gibt die Zahl der Vibrionen-Infektionen in MV in diesem Jahr einschließlich der 29. Kalenderwoche mit drei an. Unklar war zunächst, inwiefern sich diese Zahlen mit den Lageso-Zahlen überschneiden. Für die letzten fünf Jahre meldet das Lagus 28 Vibrionen-Infektionen in MV - und 4 Todesfälle in Zusammenhang mit einer Vibrionen-Infektion.

Am Warnemünder Strand arbeiten unterdessen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Möglichkeiten, genauer vor Vibrionen zu warnen. Ein Team des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) erfasst dabei per Drohne Daten wie Wassertemperatur, Strömung, Salzgehalt und Blaualgenblüten im Bereich des Badewasserstreifens. Mittels Künstlicher Intelligenz (KI) werden die Daten ausgewertet. Ziel sei eine Art Vibrionen-Ampelsystem, das innerhalb weniger Minuten nach einem Drohnenflug eine Risikoeinschätzung für einen speziellen Abschnitt liefern kann.

In einer Studie ist ein Forschungsteam unter IOW-Leitung zu dem Ergebnis gekommen, dass das Vorkommen der potenziell gefährlichen Meeresbakterien erstmals bis zu fünf Wochen im Voraus vorhergesagt werden kann. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kombinierten gut 1.500 Wasserproben von 15 Messstationen entlang der Ostseeküste und der Warnow-Mündung im Raum Rostock mit Umwelt-, Wetter- und Satellitendaten.

Sie konnten nach eigenen Angaben erkennen, wie sich vor starkem Auftreten von Vibrionen Umweltbedingungen und mikrobielle Zusammensetzung veränderten. Mit entsprechenden Vorläufersignalen trainierte das Team die KI. Die besten KI-Modelle prognostizieren demnach das Auftreten der Vibrionen bis zu vier beziehungsweise fünf Wochen im Voraus. Die Studie wurde im Fachmagazin «Water Research» publiziert.

Die Daten wiesen darauf hin, dass massive Blaualgenblüten die Ausbreitung von Vibrionen begünstigen. Demnach entsteht beim Zerfall der Algen Material, dass Vibrionen als Nahrung dient.

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