30. September 2026 – dpa
Das neue Rechenzentrum soll in Dummerstorf neben dem Amazon-Logistikcenter entstehen. Die Gebäude würden wohl keinen Designerpreis gewinnen, so der Bürgermeister. Aber die Gewerbesteuer soll sprudeln.
Wenn es gut läuft, soll das «datacenter Dummerstorf» 2032 an das Netz gehen. 5,6 Milliarden Euro Investition, 350.000 Quadratmeter Fläche und eine Kapazität von zunächst 240 Megawatt - das Rechenzentrum der Schwarz-Gruppe, einem weltweiten Handels-Topplayer mit Lidl und Kaufland im Portfolio, ist die bislang größte Einzelinvestition in MV. Investoren und Bürgermeister standen den Einwohnern nun Rede und Antwort.
Es werden zunächst drei mehrstöckige Gebäude mit Rechenzentrumsmodulen sowie ein Verwaltungsgebäude und ein Umspannwerk gebaut. Jedes Stockwerk ist etwa so groß wie zwei Lidl-Filialen, wie die Vertreter der Schwarz-Gruppe den rund 200 anwesenden Einwohnern in der Aula der Grundschule verdeutlichten. Geplanter Baubeginn: Ende 2027, Anfang 2028. Das hänge davon ab, wann die benötigen Strominfrastruktur stehe.
Die Fläche von 350.000 Quadratmetern im Gewerbegebiet Ostsee darf nach Vorgaben des stadtplanerischen «Sondergebietes Rechenzentrum» zu 80 Prozent bebaut werden. Maximal dürfen die Gebäude 28 Meter hoch werden - Dachaufbauten eingerechnet liegt die Obergrenze bei 33 Metern. Einen Designerpreis würden die Gebäude wohl nicht gewinnen, so Bürgermeister Jürgen Sprank (CDU). Es seien aber schließlich Zweckbauten. «Deshalb stehen sie im Gewerbegebiet. Das ist der richtige Standort.»
Auf dem künftigen Datacenter-Gelände werden zahlreiche Kamine zu sehen sein, die eine maximale Höhe von 55 bis 60 Metern haben dürfen. Allerdings kommen die nur im Falle eines Stromausfalls zum Einsatz, wenn die Motoren der Netzersatzanlagen einspringen müssen. Das Konzept sieht vor, dass der enorme Strombedarf in einem solchen Notfall für 48 Stunden lang autark gedeckt werden muss.
Die Notstrommaschinen werden von Schwarz Digits, der Digital-Sparte der Schwarz-Gruppe, mit dem Biokraftstoff HVO betrieben. Dazu stehen auf dem Gelände, das zum Trinkwasserschutzgebiet 3 zählt, große doppelwandige Tanks. Das Rechenzentrum selbst verfügt über ein geschlossenes Wasserkühlsystem. «Es erfolgt keine Grundwasserentnahme», so Sprank.
Das gesamte Gelände wird von einem drei Meter hohen Zaun abgeschirmt und verfügt über eine Sicherheitsschleuse und entsprechendes Wachpersonal. Hintergrund sind auch die sensiblen Daten, denn zu den Digital-Kunden gehören Krankenkassen, Versicherungen und Behörden wie die Polizei. Nach Inbetriebnahme des Zentrums sollen langfristig 120 Arbeitsplätze entstehen. Während der mehrjährigen Bauphase sind es aber deutlich mehr.
Das Thema Kühlung ist für das Rechenzentrum essenziell, denn die großen Server geben viel Hitze ab. Mit den Stadtwerken Rostock gibt es eine Absichtserklärung, die Abwärme für das Fernwärmenetz zu nutzen. Aber da muss noch einiges geklärt werden, unter anderem das unterschiedliche Temperaturniveau zwischen der Abwärme und dem Wärmenetz der Stadt Rostock. Zudem fielen Kosten für den Ausbau des Leitungsnetzes an, denn die Betreiber des Rechenzentrums bringen die Abwärme lediglich bis zur Grenze des Betriebsgeländes.
Die Absichtserklärung zwischen den Projektentwicklern und den Stadtwerken Rostock wurde bereits 2024 unterzeichnet. Ziel sei es, die Nutzung der Abwärme des geplanten Rechenzentrums für das Fernwärmenetz der Stadtwerke zu prüfen, teilten die Stadtwerke mit. Dabei würden Potenziale und technische Voraussetzungen unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten untersucht. Zu den Inhalten der Gespräche würden derzeit keine Angaben gemacht.
Bürgermeister Sprank berichtete mit Blick auf das Projekt von einem großen Einvernehmen in der Gemeindevertretung. Mit der Schwarz-Gruppe gewinne Dummerstorf einen extrem potenten Gewerbesteuerzahler. Für die Gemeinde werde sich die Investition definitiv auszahlen. Um wie viel Geld es für Dummerstorf gehe, lasse sich noch nicht abschätzen. Die Gewerbesteuer werde mit Aufnahme des Betriebs gezahlt.
Aus den Reihen der Einwohner gab es nach der Präsentation zahlreiche Fragen an die Unternehmensvertreter. Dabei ging es unter anderem um die mögliche Lärmbelästigung, den Erhalt eines nahegelegenen Waldes, die Nutzung von erneuerbaren Energien, den geplanten Baubeginn und die Beteiligung regionaler Unternehmen bei den Bauarbeiten.
Fragen kamen auch aus dem Chat des Livestreams, den zeitweise rund 200 Menschen verfolgten. Auch Wirtschaftsminister Wolfgang Blank (parteilos) war nach Dummerstorf gekommen. Er sprach von einem Meilenstein und der bislang größten Einzelinvestition in MV.
Die Schwarz-Gruppe betreibt in Deutschland und Österreich sieben Rechenzentren. Das Dummerstorfer Datacenter ist bis 2033 mit einer Kapazität von 240 Megawatt geplant, wobei das Unternehmen Ausbaupotenzial bis zu einem Gigawatt sieht. Die Schwarz-Gruppe sitzt bei Heilbronn in Baden-Württemberg.
In Rechenzentren stehen große Server und Computer, in denen Daten gespeichert, verarbeitet und verteilt werden. Die Investition soll nach Unternehmensangaben die Entwicklung und den Betrieb von Cloud- und KI-Lösungen nach deutschem Recht und dadurch die Wertschöpfung in Deutschland und Europa fördern. Vom Land MV kommen Förderungen von bis zu 120 Millionen Euro für die Anlage.