05. August 2026 – dpa

Tierseuche

Kraniche: Vogelgrippe-Effekt wegen Trockenheit teils unklar

Haben sich nach der Vogelgrippe-Welle des vergangenen Herbstes bei Kranichen hierzulande nun weniger Brutpaare eingefunden? Das ist teils schwer zu sagen. Denn es gibt noch ein anderes Problem.

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Vergangenes Jahr waren Kraniche hierzulande in bislang nicht gekanntem Ausmaß von der Vogelgrippe betroffen. (Archivbild)

Im vergangenen Herbst wurden Kraniche in Deutschland in zuvor unbekanntem Ausmaß Opfer der Vogelgrippe. Wie sehr hat dies die hiesigen Bestände in Mitleidenschaft gezogen? Das lässt sich nach Aussage des Experten Günter Nowald auch zum jetzigen Zeitpunkt nur teilweise abschätzen.

In Mecklenburg-Vorpommern etwa seien die Brutbedingungen für die Tiere in diesem Jahr grundsätzlich besser gewesen als erwartet, weil es an vielen Brutplätzen feucht genug gewesen sei, sagt Nowald, der Geschäftsführer der Gesellschaft Kranichschutz Deutschland ist. Die Tiere sind auf Brutplätze mit einem gewissen Wasserstand angewiesen, etwa in Mooren oder Bruchwäldern, zum Schutz der Gelege etwa vor Füchsen oder Wildschweinen.

Im Juni hätten Vogelschützer Brutgebiete kontrolliert. «Wir haben dann feststellen müssen, dass partiell Kraniche oder Kranichpaare gar nicht in ihrem Brutrevier anwesend waren. Also im Vergleich zu den Jahrzehnten davor», sagt Nowald. «Zahlenmäßig ist das zum Glück tatsächlich nicht so auffällig, wie wir erst gedacht hatten.» Schätzungsweise seien etwa fünf Prozent der Paare nicht anwesend gewesen. «Wo man davon ausgehen muss, dass es an der Geflügelpest lag.»

Allerdings sei das Infektionsgeschehen in MV auch nicht so stark gewesen wie in anderen Bundesländern. «Wir hatten in Mecklenburg-Vorpommern knapp 600 tote Kraniche erfasst.» In Sachsen-Anhalt, Brandenburg oder auch Niedersachsen seien es jeweils Tausende gewesen.

Wie sich der Seuchenzug dort auf die Bestände ausgewirkt hat, sei bislang noch schwerer zu sagen. Dieses Jahr sei etwa in Brandenburg oder in Sachsen-Anhalt in vielen Regionen ein «katastrophales Trockenjahr». Damit ließen sich dann ohnehin schon weniger Brutpaare nieder. Augenscheinlich seien aber nicht alle Brutpaare Opfer der Vogelgrippe geworden. «Das heißt, die Paare waren tatsächlich da.» Allerdings hätten sie sich wegen der Trockenheit vielfach nicht fortgepflanzt. In diesem Jahr gebe es in vielen Gebieten Brandenburgs, etwa in Schorfheide oder Chorin oder in den Elbtalauen in Sachsen-Anhalt eine «katastrophale Reproduktionsrate», sagt Nowald.

«Das heißt, die Verluste, die insgesamt in der Population vorhanden sind, die werden in diesem Jahr auf keinen Fall kompensiert werden können.» Trotz der grundsätzlich besseren Bedingungen gilt das laut Nowald angesichts der fehlenden Brutpaare - auch wenn es sich nur um ein Defizit von etwa fünf Prozent handele - auch für MV.

Erstmals hatte im vergangenen Herbst die Vogelgrippe auf dem westeuropäischen Zugweg nachweislich für massenhafte Infektionen bei Kranichen gesorgt. Laut Schätzungen verendeten Zehntausende Tiere in Europa. Nach Aussage Nowalds kann bei den in Deutschland verendeten Tieren in der Regel aber nicht gesagt werden, ob es sich um heimische Kraniche handelte oder Vögel, die etwa aus Skandinavien und dem Baltikum stammten und auf den Weg in ihre südlichen Winterquartiere waren.

Vor einer Woche teilte die Gesellschaft Kranichschutz Deutschland mit, dass sich über 500 Kraniche an der vorpommerschen Küste sammelten. Nachdem die Getreideernte dieses Jahr früh eingesetzt habe, konnten demnach teils knapp 100 Kraniche gleichzeitig auf den Stoppelfeldern bei ihrer «Nachlese» beobachtet werden. Abends fliegen sie demnach gemeinsam zu den verschiedenen Schlafplätzen in die flachen Boddengewässer.

Mitte November findet die jährliche Tagung der Arbeitsgemeinschaft Kranichschutz Deutschland in Stralsund statt. Bis dahin werden laut Nowald auch die deutschlandweiten Daten zusammengetragen.

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