20. September 2026 – dpa
Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern gilt als machtbewusstes Arbeitstier. Auch im Landtagswahlkampf hat sie sich nicht geschont. Doch wird sie an der Spitze des Landes bleiben?
Manuela Schwesig ist beliebt bei vielen in Mecklenburg-Vorpommern - vor der Landtagswahl wünschten sich in Umfragen 60 Prozent die SPD-Politikerin weiterhin als Ministerpräsidentin. Zwar lag ihre SPD am Wahlabend in den ersten Hochrechnungen hinter der AfD, doch an ihrem Machtanspruch ließ die 52-Jährige keinen Zweifel aufkommen: Schon eine halbe Stunde nach Schließung der Wahllokale meldete Schwesig klar ihren Anspruch auf das Amt der Regierungschefin an.
Denn: Nach den ersten Hochrechnungen reicht es für eine rot-rot-grüne Koalition in Schwerin. Dafür kämpfte Schwesig in den letzten Wochen hart, der Wahlkampf der SPD war ganz auf ihre Person zugeschnitten. Sie positionierte sich als «Frau für MV» und als «Frau gegen Blau», die eine absolute AfD-Mehrheit verhindern könne.
Schwesig forderte lautstark im Osten populäre Dinge wie die Beibehaltung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren - gegen die Linie der Bundesregierung, an der ihre SPD beteiligt ist. Das dürfte der 52-Jährigen in der von erfolgreichem Personal gerade nicht verwöhnten deutschen Sozialdemokratie allerdings kaum schaden. Die Rufe nach Schwesig für die Parteispitze in Berlin könnten nach dem Wahlabend lauter werden.
Manuela Schwesig war schon einmal kommissarische Bundesvorsitzende ihrer Partei, für drei Monate im Sommer 2019, zusammen mit Malu Dreyer und Thorsten Schäfer-Gümbel, nach dem Rücktritt von Andrea Nahles. Dann legte sie das Parteiamt aus gesundheitlichen Gründen nieder und gab 2019 im Herbst bekannt, an Brustkrebs erkrankt zu sein. Die damals 45-Jährige arbeitete weiter als Ministerpräsidentin und verkündete im Mai 2020, dass ihre Therapie erfolgreich abgeschlossen sei und sie als geheilt gelte.
Manuela Schwesig gilt als bodenständig, nahbar, fleißig und zugleich sehr machtbewusst und fordernd. Ihre Gefolgsleute sitzen in Schlüsselpositionen.
Schwesig wuchs in Brandenburg auf und zog im Jahr 2000 nach Schwerin. Dort lebt sie mit Mann und Tochter, der Sohn ist bereits zum Studieren weggezogen. Ihre ostdeutsche Vergangenheit - als die Mauer fiel, war sie 15 Jahre alt - prägt Schwesigs Politik bis heute.
Beim Thema abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren etwa verweist sie immer wieder auf Erfahrungen mit Arbeitslosigkeit nach der Wende auch in ihrer eigenen Familie. Als die DDR-Wirtschaft zusammenbrach, endeten massenweise Karrieren abrupt. Die schwierigen Folgejahre machen sich heute in den Renten bemerkbar.
Für Schwesig gab es auf ihrem politischen Weg lange Zeit nur eine Richtung: nach oben. Mit 30 Jahren wurde sie Mitglied der Schweriner Stadtvertretung, mit 34 Sozialministerin in Mecklenburg-Vorpommern, ein Jahr später SPD-Bundesvize, mit 39 Jahren Bundesfamilienministerin und mit 43 schließlich Ministerpräsidentin. Sie kehrte aus Berlin nach Schwerin zurück, als ihr Amtsvorgänger und politischer Ziehvater Erwin Sellering (SPD) 2017 wegen einer Krebserkrankung zurücktrat. Damals wurde sie auch SPD-Landesvorsitzende.
Inzwischen musste Schwesig aber auch erkennen, dass man vom Platz an der Sonne rasch in schattige Bereiche geraten kann. Ihr bundesweites Ansehen sank Anfang 2022 massiv, als nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine ihr zuvor vehementes Eintreten für die Fertigstellung der russisch-deutschen Erdgaspipeline Nord Stream 2 in die Kritik geriet. Schwesig selbst bezeichnete es unmittelbar nach Beginn des russischen Angriffskriegs als Fehler, eine Landesstiftung gegründet zu haben, mit deren Hilfe die umstrittene Gasleitung fertiggestellt wurde. Im Landtag gab es dazu einen Untersuchungsausschuss.
Nun ist zwar die AfD als voraussichtliche Wahlsiegerin in MV theoretisch am Zug mit einer Regierungsbildung - doch weil es für die Rechtspopulisten schwer werden dürfte, Koalitionspartner zu finden, könnte es am Ende doch wieder auf Manuela Schwesig als nächste Ministerpräsidentin hinauslaufen.