26. August 2026 – dpa

Aus mehr als 1.500 Hufeisen

Opa und Enkel bauen historischen DDR-Traktor nach

220 Arbeitsstunden, 1.551 Hufeisen und viel Herzblut: Wie Opa Gerhard seinen Enkel Malte für echtes Handwerk begeistert – fernab von Instagram, TikTok und Co.

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In 220 Arbeitsstunden baute das Opa-Enkel-Duo den Traktor zusammen.

Umgeben von Blumenkübeln und kegelförmigen Hecken steht der knapp eine Tonne schwere DDR-Oldtimer-Traktor auf einem steinernen Sockel im Vorgarten von Gerhard Kähne. Der Trecker ist aber kein historisches Sammlerstück, sondern ein Nachbau des luftgekühlten Famulus 14/36 aus 1.551 Hufeisen - Maßstab 1:1. «Meine Liebe ist meine Frau, Anne-Kathrein, seit 44 Jahren, aber meine zweite große Liebe sind die Oldtimer», schwärmt der 64 Jahre alte Strasburger von den alten Ackerschleppern.

Es ist nicht Kähnes erster Traktor-Nachbau aus Hufeisen. Bereits vor etwa zehn Jahren schweißte er einen Lanz Bulldog zusammen. Ein echter Oldtimer-Schatz war ihm zu teuer, also entschloss er sich, seinen Traum-Trecker aus Hufeisen nachzubauen. Das Kunstwerk schenkte er später seinem Cousin aus Sachsen-Anhalt.

Seither juckte es dem Hobby-Bastler immer wieder in den Fingern, einen neuen Traktor für sich zu bauen. Ende des vergangenen Jahres überkam es ihn dann. Er wollte seinen ersten vor 25 Jahren erworbenen Oldtimer-Traktor nachbauen, den Famulus. Gebaut in den 1960er Jahren im Schlepperwerk Nordhausen in Thüringen: «Ob ich im Winter auf der Couch liege und der Bauch wird immer mehr, oder ich gehe sonnabends, sonntags oder nach Feierabend in die Halle und schweiß' so einen Trecker zusammen», das mache ihm einfach eine große Freude, fasst der gelernte Landmaschinen- und Traktorenschlosser zusammen.

Wenn Kähne nicht gerade einen Traktor aus Hufeisen zusammenbaut, findet man ihn wahrscheinlich beim Schrauben an einem echten Oldtimer-Modell. Er helfe vielen Bekannten und fahre auch in andere Orte zum Basteln. «Das ist mein Hobby und das ist mein Leben», sagt der Uckermärker. Schon im Kindesalter habe er einen Hang zum Basteln gehabt und kleine Micky-Maus-Figuren aus Kronkorken zusammengelötet.

Den Famulus baute Kähne mit seinem Enkel Malte zusammen. Sogar Kurbelwelle, Pleuel, Kolben und Buchse verbauten die beiden in dem eisernen DDR-Schlepper aus den 1960er Jahren. Kähne ging es bei dem gemeinsamen Projekt mit seinem Enkel auch darum, ihn weg vom Handy zu bekommen und für etwas Handwerkliches zu begeistern.

Viele Kinder säßen nach der Schule, wenn die Eltern noch arbeiteten, allein zu Hause vor dem Bildschirm und spielten am Handy oder am Laptop, sagt Kähne. Er möchte Kinder und Jugendliche dazu ermutigen, das Smartphone wegzulegen und mal jemandem aus dem Umfeld beim Heimwerken über die Schulter zu schauen, wie er sagt. Er sieht aber auch Eltern oder Großeltern in der Pflicht, sich mit den Interessen ihres Kindes auseinanderzusetzen.

Ihm sei bewusst, dass nicht jedes Kind die Möglichkeit dazu habe, sagt er. Dass er seinem Enkel etwas beibringen konnte und dieser so begeistert gewesen sei, mache ihn aber stolz. «Und Malte ist nicht mehr viel am Handy.»

Nach den Schularbeiten kam Malte zur Halle und half seinem Opa beim Schweißen. Für den 13-Jährigen war es ein spannendes Projekt fernab der digitalen Welt: «In der Halle sind viele Sachen, die man bauen und lernen kann», sagt Malte. «Vielleicht auch später für den Beruf.»

Auch Malte sieht die lange Bildschirmzeit seiner Generation kritisch. «Wenn man Langeweile hat und nicht weiß, was man machen soll, dann geht man ans Handy.» Bei dem Projekt mit seinem Opa konnte er aber kreativ sein und bei einzelnen Arbeitsschritten mitentscheiden. «Da waren viele Sachen dabei, bei denen ich Opa unterstützen konnte.» So sei ihm etwa die Idee für das Lenkrad gekommen, die er auch eigenständig umgesetzt habe.

Nach dem Großprojekt mit seinem Opa bekam Malte so viel Gefallen am Schweißen, dass er weitermachen wollte. Die beiden schweißen nicht nur Traktoren, sondern nun auch Blumen und Herzen aus Hufeisen zusammen.

Malte gefällt es, wie kreativ man beim Schweißen sein kann. Es sei ein tolles Gefühl, wenn man sieht, wie etwas entsteht und sich die Arbeit lohnt, wie er sagt. «Das ist schon etwas Einmaliges.» Gleichaltrigen könne er nur raten, mal etwas zu basteln, ein Fahrrad zu reparieren oder einfach raus in die Natur zu fahren, anstatt am Handy zu sein.

In der Werkstatt, in dem das Opa-Enkel-Duo zusammen insgesamt 220 Arbeitsstunden verbracht hat, stehen zahlreiche alte Traktoren von Kähne und seinem Schwiegersohn. Die Halle wird auch vom Strasburger Oldtimer-Stammtisch genutzt, wo Kähne sich regelmäßig mit anderen Enthusiasten trifft.

Auch ein echter Famulus steht dort zwischen den zahlreichen Landmaschinen. Einen einzigen Lieblingstraktor habe Kähne nicht. «Die müssen anspringen, die müssen laufen, verkehrs- und betriebssicher sein, dann macht es mit jedem Trecker Spaß zu fahren», sagt Kähne grinsend. Und der Traktor soll auch nicht das letzte gemeinsame Bastel-Projekt von Opa und Enkel gewesen sein, verrät Kähne.

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