25. Oktober 2026 – dpa
Nach einem Großeinsatz am Rostocker «Hochzeitskran» wird die Sicherung des beschädigten Auslegers vorbereitet. Der Wind verzögert die Abläufe. Das hat auch Folgen für die evakuierten Anwohner.
Wegen des windigen Herbstwetters wird die Sicherung des einsturzgefährdeten historischen Krans am Rostocker Hafen wohl länger dauern. Ab Montagmorgen sollen die Spezial-Schwerlastkräne aufgebaut werden, wie die Stadt Rostock mitteilte. Die eigentlichen Sicherungsarbeiten am Ausleger könnten angesichts der vorhergesagten Windverhältnisse erst am Mittwoch beginnen.
«Aufgrund der vorherrschenden und vorhergesagten Windstärken ist ein Einsatz am Wochenende wahrscheinlich nicht möglich», hatte Stadtsprecher Ulrich Kunze am Samstag mitgeteilt. Am Sonntag sollte der Verwaltungsstab der Stadt über das weitere Vorgehen beraten.
Fachleute ermitteln den Angaben nach derzeit die erforderlichen technischen Maßnahmen, den Einsatz geeigneter Spezialkräne und die Größe des dafür notwendigen Absperrbereichs. Der Zustand des Krans werde weiterhin regelmäßig begutachtet. «Dazu finden dreimal täglich Drohnenflüge statt, um die Schäden an der Auslegerkonstruktion zu beobachten und zu dokumentieren», hieß es. So könnten mögliche Veränderungen frühzeitig erkannt und bei der Planung berücksichtigt werden. Es bestehe weiterhin die Gefahr, dass sich Teile der beschädigten Auslegerkonstruktion lösten und herabstürzten.
Die Bewohnerinnen und Bewohner der 44 Wohnungen, die vorsorglich evakuiert wurden, können nach Angaben der Stadt voraussichtlich frühestens am 2. November in ihr Zuhause zurück – wenn die Sicherung abgeschlossen sei und keine Gefahr mehr bestehe. Die betroffenen Menschen seien bei Angehörigen, Freunden und Bekannten untergekommen.
Feuerwehr, Polizei, Hilfskräfte und technische Sachverständige waren seit Freitagnachmittag im Einsatz. Der Gefahrenbereich wurde weiträumig abgesperrt. Betroffen ist ein großes Gebäude mit vier Hauseingängen an der Hellingstraße. Auch die Nutzer von 15 Gewerbeeinheiten mussten das Gebäude verlassen. Es sei niemand zu Schaden gekommen, hieß es.
Der Großkran aus DDR-Zeit ist ein industrielles Wahrzeichen auf dem Gelände der ehemaligen Neptunwerft in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Der TÜV stellte nach Angaben der Feuerwehr einen Riss an einer Strebe fest. Diese Strebe drohe zu zerreißen, sagte am Freitag der Einsatzleiter der Berufsfeuerwehr, Ralf Gesk. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Kranausleger herunterfalle.
Bereits am Freitagabend hatten die Einsatzkräfte die Bruchstelle mit einer Drohne untersucht, die mit einem Scheinwerfer ausgerüstet war. Die Beratungen drehten sich auch darum, wie der Kranausleger kontrolliert abmontiert werden kann. Die Feuerwehr hatte mitgeteilt, dass dies wegen der Windverhältnisse nicht vor Montag passieren könne. Der Kran selbst ist fest fixiert, der Ausleger kann nicht geschwenkt werden.
Der Schiffbaukran war 1976 auf dem Areal der traditionsreichen Neptunwerft errichtet worden. Seitdem prägt er das Stadtbild mit. Bis 2024 war er auf dem Gelände der ehemaligen Werft für rund zwei Millionen Euro umgebaut worden. Neu eingebaut wurde der Aufzug, der den Weg über die 136 Stufen der außen liegenden Wendeltreppe erspart.
Das technische Denkmal wurde nach der umfassenden Sanierung seit dem vorigen Jahr auch als Eventlocation unter anderem für Hochzeiten genutzt – als offizielle Außenstelle des Standesamtes. Die Zeremonien finden im ehemaligen Maschinenraum des Krans statt, der dem Förderverein Tradition Ostseeschifffahrt gehört. Im Inneren führt eine Stahltreppe hinauf zu einer Galerie, die als Hochzeitssuite inklusive Bett mit Sondermaßen umgebaut wurde.
Früher wurden mit dem Kran bis zu 40 Tonnen schwere Schiffsbauteile gehoben und abgesetzt. Die Krane mit der technischen Bezeichnung «Neptun PWK B 40» hatten eine Bauhöhe von 65 Metern.